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19. Dezember 2011

Wohlfühl-Musik für die Live-Schicht

Sonic Circus im Schlachthof.

  1. Basser Jochen Ress Foto: PR

LAHR. Ganz wie in den "guten alten Zeiten" vor der längeren Kunstpause hat sich die Live-Schicht-Großfamilie am Mittwoch Abend wieder im Schlachthof-Bistro zusammengefunden, um bei Wohlfühl-Musik die Seele baumeln zu lassen. Den Soundtrack dazu lieferte die Lahrer Band Sonic Circus. Mit dem hemmungslosen Abtanzen hat es zwar nicht so richtig geklappt. Da mochte Basser Jochen Ress noch so eindringlich locken, beschwören und zur Animation seine vesperbrettgroßen Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Außer einer mutigen Tänzerin auf der Empore wollten sich keine weiteren Besucher mehr als nowendig von der Stelle rühren.

Aber gemach – wir sind hier schließlich nicht in Afrika oder in Lateinamerika, wo es bei ähnlich flotten Rhythmen schon nach den ersten Minuten kein Halten mehr gäbe. Der Badener ist halt von Natur aus ein bisschen scheu und wählt andere Formen, um seine Extase auszudrücken. Tanzt zum Beispiel einfach im Sitzen, lässt seine Hände auf den Knien hüpfen, die Absätze auf den Boden klacken. Wackelt er dann noch freudestrahlend mit dem Kopf dann weiß der Insider: Ey, hier geht voll die Post ab!

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Den vier Jungs auf der Bühne war dagegen auf den ersten Blick anzusehen, dass ihnen das, was sie da taten, gewaltig Spaß macht. Angefangen von Thomas Sauter, der wie ein Lausbube grinsend seine Gitarre bearbeitete, sich gleich zu Beginn beim Song "Precious Man" ein witziges Töne- Pingpong mit Keyboarder und Sänger Joggl Kieltsch lieferte. Auch Drummer Markus Karotsch zeigte sich wie bereits bei den vorhergehenden Konzerten in bester Spiel-Laune: Filigrane, präzise sitzende Schläge, bevorzugt auf die diversen Becken, frisch aus dem Handgelenk herausgeschüttelt, später dann auch kräftige Salven auf der Basstrommel – das steckt an, bringt den drögen Kreislauf in Schwung, lässt inneren Ballast abfallen. Jochen Ress am Bass wummert den soliden Untergrund, steuert satte Läufe bei, die sich wohlig in der Magengrube festsetzen.

Das Repertoire der Gruppe kann sich sehen lassen, vor allem wenn man bedenkt, dass die vier ausschließlich Eigenproduktionen spielen, die meist aus der Feder ihres Keyboarders Kieltsch stammen. Anders als bei manch anderer Band hat man hier nicht das Gefühl, es müssten doch dann nach einer Stunde endlich mal ein paar Cover-Songs kommen – im Gegenteil. Egal ob es mehr in Richtung Rock geht, Funk, Country oder Folk – die Songs haben allesamt einen hohen Harmonie-Faktor, sind eingängig, klingen irgendwie heimelig. Dass dennoch die eine oder andere Anleihe von anderswo dabei ist, ist nur natürlich. So erinnert das Intro von "Come a little closer" stark an das Beatles-Stück "Come together", Kieltschs Gesang lässt an die Scorpions denken, auch Deep Purple oder Pink Floyd-Einflüsse sind unüberhörbar. Aber wirklich übelnehmen kann man ihnen das nicht – das Rad der Rockmusik muss ja nicht gänzlich neu erfunden werden. Ihrem Anspruch, dem Publikum mit ihrer Musik einfach unbändigen Spaß zu machen, sind die vier Klangzirkus-Artisten jedenfalls auf ganzer Linie gerecht geworden.

Autor: Ulrike Le Bras