Diskussion

Wohnungsnot in Lahr? Die Meinungen gehen auseinander

Bruno Kohlmeyer

Von Bruno Kohlmeyer

Fr, 18. Juli 2014 um 19:00 Uhr

Lahr

"Es gibt in Lahr doch keine eklatante Wohnungsnot". Mit dieser Feststellung reagiert Erster Bürgermeister Guido Schöneboom auf einen Vorstoß von Stadtrat Lukas Oßwald, der eben dies der Stadt vorgehalten und zu Aktivitäten aufgefordert hat. Zurecht?

Die Darstellung von Oßwald sei reißerisch und überzogen, kritisierte Schöneboom. In der Sache indes kündigte Schöneboom für das Spätjahr einen runden Tisch mit allen Wohnungsbauunternehmen in der Stadt an, der sich über die Frage von günstigen Sozialwohnungen Gedanken machen werde.

"Da sind wir gefordert, aber da müssen alle mit ins Boot." Guido Schöneboom
Wenn Markus Schwamm, der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft in der Bilanzkonferenz von 1500 Wohnungsanfragen berichtet habe bei einem eigenen Wohnungsbestand von 1300, so müsse man die Zahl der Anfragen natürlich etwas differenzierter betrachten, so Schöneboom. Es gebe nicht wenige Menschen, die im Alter ihre Häuser verkaufen und nach einer Wohnung in der Stadt streben, wie etwa im Goldenen Winkel, wo man sich etwas kaufen oder mieten wolle. Diese fänden sich ebenso auf der Liste der Wohnungssuchenden wie Menschen, die schlicht eine andere, zumeist kleinere Wohnung suchten. Auch, weil diese möglicherweise billiger wäre.

Im Übrigen, so der Sozialbürgermeister, würden sich Interessenten auch bei anderen Wohnungsunternehmen melden in der Hoffnung, sich so eine Auswahlmöglichkeit zu verschaffen. Aus seiner Arbeit in der Wohnungsvergabekommission bei der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die vorbildlich arbeite, wisse er, dass sich auch Menschen aus Seelbach oder Friesenheim, ja sogar aus anderen Bundesländern um eine Wohnung bewerben, von denen natürlich keiner wohnungslos sei. Gerade die Städtische Wohnungsbaugesellschaft kümmere sich um Problemfälle. Es liege auf der Hand, dass viele Menschen, die Wohngeld bezögen oder auf Hartz IV angewiesen seien, oft angehalten würden, sich um kleinere – in der Hoffnung billigere – Wohnungen zu kümmern. Zum Interessentenkreis gehörten selbst Menschen aus EU-Ländern, die in Deutschland schon Arbeit hätten oder hierher ziehen wollten.

Den Mangel zu verwalten, kann nicht genügen

Die Stadt nehme den sozialen Auftrag auch über die Städtische Wohnungsbaugesellschaft wahr. Schöneboom verweist auf die Neubauten an der Albrecht-Straße und auf den Bau des Obdachlosenheims an der Biermannstraße. Wenn notwendig, beschlagnahme die Stadt sogar Wohnungen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden oder trete in Mietverhältnisse ein. Natürlich wisse man, dass im nächsten Jahr viele öffentlich geförderte Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung fallen. Die Gefahr höherer Mieten für die gefragten kleinen Wohnungen sei gegeben.

"Wir werden zum Jahresende einen runden Tisch mit allen Wohnungsunternehmen in der Stadt einberufen, um zu klären, wohin wir mit dem sozialen Wohnungsbau können oder müssen", kündige Guido Schöneboom an. Dabei seien neue Ideen gefragt, denn nur den Mangel zu verwalten, das könne es nicht sein. Die bekannten Stichworte Altersarmut oder demografische Entwicklung lieferten Anhaltspunkte, was notwendig werde. Die Struktur der Wohnungen mit dem Schwerpunkt auf Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen müsse geändert werden.

Auch Genossenschaften müssen an den Tisch

"Da sind wir gefordert, aber da müssen auch alle mit ins Boot, nicht nur die Städtische Wohnungsbaugesellschaft", mahnt Schöneboom insbesondere auch das Engagement von genossenschaftlich organisierten Wohnungsbauunternehmen an. Die Last dürfe nicht nur auf einer Schulter liegen. Leider stehe Lahr in jener Liste des Landes, nach der schwerpunktmäßig sozialer Wohnungsbau gefördert werde, erst hinter den Universitätsstädten, wo die Wohnsituation allerdings auch dramatischer sei als in Lahr.

Der Gemeinderat werde möglicherweise auch darüber befinden müssen, ob man wie in Stuttgart per Satzung oder über Baugenehmigungen Vorschriften erlasse, dass beim Neubau von Wohnungen ein bestimmter Anteil (etwas 20 Prozent) dann auch als Mietwohnungen zur Verfügung stehen müssen. Es gebe konkrete Überlegungen, wie man im Segment der preisgünstigen Wohnungen vorankomme, etwa in einer Mischform aus Altbaurenovierung und Neubauten, weil man das Problem nur über Neubauten nicht lösen könne. Man benötige spätestens beim Runden Tisch einen konzeptionellen Ansatz, wie man im Bereich der preisgünstigen Wohnungen vorankomme und dennoch eine gute Wohnqualität erreiche.

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