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01. März 2011

Zu Tode gehätschelte Klischees

Die Komödie "Männerhort" in der Lahrer Stadthalle weckt Sehnsucht nach Billy Wilder.

  1. Drei Kerle, ein Sofa: Im Männerhort herrscht drangvolle Enge. Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Streckenweise war das richtig lustig, vor allem dort, wo das rein männliche Schauspielerquartett die Ideen von Regisseur Michael Wedekind mit Lust zelebrierte. Die Szene im Halbdunkel, in der man versucht, auf einem einzigen Sofa zu dritt Nachtruhe zu finden, war köstlich. "Männerhort", geschrieben von Kristof Magnusson und am Freitag in der ausverkauften Stadthalle Lahr dargeboten von der Komödie am Kurfürstendamm, wühlt auf demselben Acker wie "Caveman" oder "Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen."

Manager Lars, Softwarespezialist Eroll und Pilot Helmut richten sich im Heizungskeller eines Einkaufszentrums ein Refugium ein. Dort klagen sie vor den verständnisvollen Ohren ihrer Mit-Männer über ihre Frauen, die beim samstäglichen "shoppen" Ewigkeiten im Schuhgeschäft und danach in der Klamotten-Boutique zubringen, währen sie – die Männer – darauf warten, sich heimlich absetzen zu können. Unten im Hort trifft man sich, palavert, mampft Pizza aus dem Karton, trinkt Dosenbier, guckt Fußball. In der ersten Szene wird das Trio vom Haus-Feuerwehrmann Mario entdeckt, der sich ihnen anschließt.

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Mario ist in dritter Ehe frisch verheiratet und bereut bereits. Im Verlauf des Stückes richten sich einige der Herren dort dauerhafter ein, weil sie von den Lebensgefährtinnen rausgeschmissen wurden – was dann zur oben erwähnten witzigen Szene führt. Die Klischees werden streckenweise zu Tode gehätschelt. Lars mimt den Playboy, der am Handy bei seinen zahllosen Geliebten den James-Bond-Verschnitt raushängt. Ruft seine schwangere Freundin Anne an, wird er zur Molluske, mit Piepsstimme und "Schnucki" hinten und vorn. Mario will seine Frau dazu bringen, dass sie ihn wieder aufnimmt, und sich dann scheiden lassen. Seine Männlichkeit erträgt nicht, dass er der Verlassene ist.

Es gibt nette Dauer-Gags: ständig greift einer an das Heißwasserrohr und brüllt auf. Der tragbare Fernseher geht mal nicht an, mal geht er zum falschen Zeitpunkt aus, dann ist der Empfang weg und einer muss das Gerät in der richtigen Position halten, damit die anderen drei gucken können – alles vorhersehbare Witze.

Desgleichen die teils derben Sprüche. "Sag ich zu meiner Frau: Würdest du dir Schuhe kaufen, wenn du keine Füße hättest? Sie sagt nein. Sag ich zu ihr: Warum kaufste dann ’n BH?" Oder: "Wenn Frauen mal Schweigen, soll man sie nicht unterbrechen." Männerfantasien werden deftig ironisiert. Lars erzählt, wie er mit Erolls Frau geschlafen hat: "Ich stand vor der Tür mit ’ner Tüte Popcorn. Sagt sie: Ich wollte schon lange mal wieder richtig poppen." Niveauvoller wird’s selten.

Die vier Schauspieler – Pascal Breuer, Sebastian Goder, Torsten Münchow und Michael Schernthaner – sind samt und sonders prima, sie reißen ziemlich viel raus. Dass Magnussons Stück ein Riesenerfolg ist, hat mehr mit Zeitgeist als mit Qualität zu tun. Der Autor sollte sich auf dem DVD-Recorder gelegentlich mal ein paar Billy-Wilder-Komödien anschauen.

Autor: Robert Ullmann