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04. September 2017

Zwei Formationen mit zweierlei Stilen

Das Duo Ulli Bohnert und Julia Schwörer sowie das Trio Henning und Luca Lehmann und Thomas Sauter beim Open Air im Maurer-Park.

  1. Außerordentlich viele Besucher sind zum Open Air in den Park gekommen. Foto: Wolfgang Künstle

  2. Ulli Bohnert und Julia Schwörer Foto: Wolfgang Künstle

LAHR. Zwei Formationen haben am Freitagabend den Friedrich-Maurer-Park zum Klingen gebracht: das Duo Ulli Bohnert und Julia Schwörer mit einem Mix aus Coversongs unterschiedlicher Stile sowie das Trio Henning und Luca Lehmann an Gitarre/Gesang und Cajon sowie Thomas Sauter an der Stromgitarre.

Nun hat es also doch gleich im ersten Anlauf geklappt mit dem Sound im Park unter freiem Himmel. Nach den eher skeptisch stimmenden ergiebigen Regenfällen vom Vortag schienen sich die Wettergötter doch dafür entschieden zu haben, sowohl den Machern als auch den Fans guter, handgemachter Musik gegen Ende der Urlaubszeit noch eine zusätzliche Freude zu bereiten und ihnen ein ungetrübtes Open-Air-Konzerterlebnis zu schenken.

Außerordentlich viele Besucher waren zu diesem Abend in den Park gekommen und haben dort diese spezielle Atmosphäre gefunden, die ein bisschen an die Zeiten der Nächte am Lagerfeuer mit Würstchen und Bier, heiterem Geplauder neben Klampfenmusik und Gesang erinnert haben. Genau diese Stimmung verbreitet haben Ulli Bohnert und Julia Schwörer, die mit ihrem Auftritt dazu beigetragen haben, dass man gemächlich in den Abend hineingleiten konnte. Ulli Bohnert überzeugte mit sauberer Gitarrenarbeit und sonor in die Tiefe gehender Stimme, die Julia Schwörer in höheren Lagen um die feminin-weiche Seite ergänzte.

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Das Repertoire der beiden hat überrascht: Coversongs von Legenden wie Bruce Springsteen oder Johnny Cash, um mal zwei Pole zu nennen, stehen auch relativ aktuelle Titel gegenüber, so zum Beispiel "The One That Got Away" von Pink oder "Calm After The Storm" der Common Linnets. Alles in allem stand das Duo Bohnert/Schwörer für ruhig fließende Melodien im Feierabend-Modus – schön gemütlich.

Raus aus den Puschen und mit Volldampf rein in den wilden Rock ging es dann, als das Trio Lehmann-Sauter-Lehmann auf die Bühne trat. Was der Großteil der Besucher natürlich genau so erwartet hat, denn zumindest zwei von den Dreien sind ja in und um Lahr seit ewigen Zeiten in der Musikszene präsent. Mit seiner kraftstrotzenden, kantig-rauen Stimme wirbelt Henning Lehmann so richtig Staub auf in den Hitkisten mehrerer Jahrzehnte, füllt sie mit prallem Leben. Er verleiht etwa dem Film Soundtrack von Pat Metheny/David Bowie, "This is not America", die nötige Portion Wut, gibt dem relativ neuen "Somebody that I used to know" von Gotye gehörig Dynamik, transportiert auch mal sanftere Emotionen mit Simon and Garfunkels "Sound of Silence", erzählt überzeugend die Ballade von Billy Joels "Pianoman" oder macht aus dem schon fast in Vergessenheit geratenen "Peace Train" von Cat Stevens viel überzeugender als das Original einen echten Protestsong.

Dazu kommt der Rhythmus, den alle drei, die da oben auf der Bühne stehen, nur so aus sich heraus sprühen lassen und damit das Publikum zum Abtanzen bringen: Henning Lehmann mit diversen Halbakustischen, Sohn Luca, der wilde Ritte auf dem Cajon hinlegt und Thomas Sauter mit der rasant bearbeiteten E-Gitarre. Als Beispiele lassen sich "I hear you knocking" von Dave Edmunds anführen, bei dem Sauter seinem Namen "Gitarren-Hexer" alle Ehre macht, oder dem "Fast Blues", bei dem es Sauter und Lehmann Junior fetzen lassen, dass die Besucher wie elektrisiert zu hüpfen beginnen. So klasse wurde der langsam an den Beinen hochkriechenden Kälte ein Schnippchen geschlagen, bis hin zum furiosen Ende, dem "Psycho Killer" der Talking Heads: Run, run run!

Autor: Ulrike Le Bras