Interview

Lahrer sammeln mit Film 110.000 Euro Spenden für Krankenschwestern in der Ukraine

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Di, 13. März 2018 um 15:31 Uhr

Lahr

Pirmin Styrnol hat mit Kollegen den Film "Winter in Lviv" gedreht. Sie sammeln damit Spenden für Krankenschwestern in der Ukraine. Die BZ hat sich mit ihm darüber unterhalten.

Mit seinem Bruder und weiteren Kollegen hat Pirmin Styrnol den Dokumentarfilm "Winter in Lviv" in der Ukraine gedreht. Der Film ist der Mittelpunkt einer Spendenkampagne für Krankenschwestern in der Ukraine. 110.000 Euro sind zusammengekommen. Hannah Fedricks Zelaya hat mit Styrnol über den Film und die Ukraine gesprochen.

BZ: Seit Oktober wird Ihre Dokumentation "Winter in Lviv" in Kinos und auf Festivals gezeigt. Wie sind die Reaktionen?
Pirmin Styrnol: Besonders die Premiere in Lviv war bewegend. Der Film wurde dort in der Philharmonie gezeigt und das Haus war voll. Mitarbeiter des DRK sind extra aus Kiew angereist, der polnische Konsul war da, plus alle Protagonisten. Eine bei den Dreharbeiten 99-Jährige war inzwischen 100. Sie kam und hat sogar eine kleine Rede gehalten. Es war sehr bewegend. Schön und traurig zugleich.

BZ: 100 000 Euro Spenden war Ihr Ziel. 110 000 sind inzwischen eingegangen. Was passiert mit dem Geld?
Styrnol: Das Geld geht direkt an das Badische Rote Kreuz. Das pflegt eine Partnerschaft nach Lviv, und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Die Regierung hat Ende 2016 jegliche Zahlungen an die Krankenschwestern des Roten Kreuzes eingestellt. Diese bedeuteten aber für viele Rentner den einzigen Kontakt zur Außenwelt. Mit dem Spendengeld kann nun immerhin die Notbesetzung an Krankenschwestern für Lviv finanziert werden. Samt der benötigten Medikamente der rund 70 Rentner dort.



BZ: Wie geht es jetzt weiter?
Styrnol: Der Film wird auch weiterhin gezeigt. Es ist uns ein großes Anliegen, ihn auch noch vermehrt in Schulklassen und Universitäten zu zeigen, deshalb hat der Film ganz bewusst nur eine Länge von 17 Minuten, auch wenn wir Stoff für wesentlich mehr gehabt hätten.

BZ: Arbeiten Sie währenddessen schon an einem neuen Projekt?
Styrnol: Wir waren im Juli in der Tat wieder in der Ukraine, in Kiew, für einen anderen Film. Er beschreibt die Arbeit einer österreichischen Organisation von Krankenhausclowns, die in Kriegsgebieten mit traumatisierten Kindern arbeiten. Es ist aber noch nicht klar, wann er fertig wird.

BZ: Wieder ein Film, der mit der Ukraine zu tun hat. Was fasziniert Sie an diesem Land?
Styrnol: Die Kluft, die großen Unterschiede. Wer das erlebt hat, den lässt es nicht wieder los. Im April bin ich wieder dort, nicht für ein bestimmtes Projekt, sondern einfach um Kontakt zu halten. Wenn man in so etwas eingetaucht ist, kann man es nicht ruhen lassen. Nur weil bei uns nicht mehr darüber berichtet wird, heißt das ja nicht, dass der Konflikt dort vorbei ist. Trotz Waffenruhe wird dort jeden Tag geschossen. Das ist nichts, wo man nach Hause geht und die Sache ist abgehakt.
Das Team

Im Februar 2017 begannen die Dreharbeiten für den Film. Pirmin Styrnol und Till Mayer führten Regie, Maik Styrnol zeichnete sich für Ton und Musik verantwortlich. Für Kamera und Schnitt vervollständigten die Bamberger Journalisten und Filmemacher Dustin Hemmerlein und Hendrik Steffens das Team.
Pirmin Styrnol, 28, arbeitet als freier Redakteur und hat mit seinem Bruder Maik Styrnol in Lahr die Produktionsfirma ONchAir Bros. Media gegründet. Mehr Informationen zum Projekt, zum Spendenkonto gibt es hier.