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07. Juni 2010

Sport

Landesturnfest: Ungewöhnliche Sportarten im Programm

Den Handstand auf dem Schwebebalken und den Saltoabgang vom Reck kann man nicht unbedingt, aber kennt man zumindest. Doch den Speed beim Rope Skipping oder die große Wende im Rhönrad? Wir haben uns auf dem Landesturnfest nach den etwas außergewöhnlicheren Sportarten umgesehen und sind einige Male fündig geworden.

  1. Mit dem herkömmlichen Seilhüpfen hat Rope Skipping nicht mehr viel zu tun. Foto: gertrude siefke

OFFENBURG. Den Handstand auf dem Schwebebalken und den Saltoabgang vom Reck kann man nicht unbedingt, aber kennt man zumindest. Doch den Speed beim Rope Skipping oder die große Wende im Rhönrad? Wir haben uns auf dem Landesturnfest nach den etwas außergewöhnlicheren Sportarten umgesehen und sind einige Male fündig geworden.

Schnürles: Bei dieser Disziplin handelt es sich um Fußballtennis: Gespielt wird auf einem 18 mal neun Meter großen Spielfeld wie beim Volleyball, die Teams bestehen aus drei Personen, der Ball darf außer mit der Hand mit jedem Körperteil berührt werden. Nach drei Kontakten muss das runde Leder über das 1,10 Meter hohe Netz. Dass dieses Freizeitspiel erstmals bei einem Landesturnfest in Turnierform angeboten wurde, ist Richard Möll zu verdanken. Der Ehrenpräsident des Badischen Turnerbunds pflegt diesen Sport seit 1953 und organisiert jedes Jahr ein Turnier. "Es war meine Idee, damit das Turnfest zu bereichern", erklärt der 83-Jährige, der seit dem Ende des zweiten Weltkriegs kein Turnfest verpasst hat. 21 Mannschaften haben in Offenburg gemeldet, 69 Spiele wurden am Samstag in der Okensporthalle ausgetragen. Da die Resonanz stimmte, will Möll jetzt veranlassen, dass auch auf Bundesebene beim Deutschen Turnfest "Schnürles" stattfinden. Für diese Sportart spreche, dass kein Kampf "Mann gegen Mann" stattfinde, dass gemischte Teams antreten und in allen Altersgruppen gespielt werden könne, zählt Möll die Vorteile auf. Der älteste Teilnehmer in Offenburg brachte es auf stolze 87 Jahre.

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Ringtennis: Welche Sportart kann schon von sich behaupten, auf Kreuzfahrtschiffen erfunden worden zu sein? Wie Martin Stalp vom TV Pforzheim berichtete, ist Ringtennis eine Kreation von Passagieren auf den großen Ozeanriesen. Da beim Tennisspiel an Deck zu viele Filzkugeln über Bord gingen, habe man sich mit Rettungsringen beholfen, die übers Netz geworfen wurden. Ende der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde Ringtennis erstmals auf dem Festland ausgeübt, und zwar im Rappenwörter Rheinstrandbad bei Karlsruhe. Auf Rettungsringe wurde verzichtet, stattdessen wurden Gummiringe verwendet. Gute Reaktion und rasches Umschalten vom Werfen zum Fangen müssten als Eigenschaften mitgebracht werden, so Stalp, der Ringtennis als "Sport für die ganze Familie" preist. Aufwand und Kosten seien gering, benötigt werden lediglich eine Schnur und ein Ring. Gespielt werden wie im Tennis Einzel, Doppel und Mixed. In Offenburg traten mit Dominic Schubardt und Sabrina Westphal die amtierenden Weltmeister auf, die vom 31. Juli bis 6. August ihren Titel in Koblenz verteidigen wollen. Bei den ersten internationalen Titelkämpfen 2006 in Indien hätten "die deutschen Spieler alles abgeräumt", versicherte Robert Ulrich, Freizeitspieler aus Karlsruhe. Er hat mit http://www.ringtennis-wm.de auch gleich die passende Internetadresse parat.

Rhönradturnen: Ebenfalls eine sehr deutsche Disziplin ist das Turnen in einer etwa 50 Kilogramm schweren runden Stahlkonstruktion. Erfunden wurde dieses Sportgerät 1925 von Otto Feick, der aus der Rhön stammte. "Unheimlich viel Mut" gehört laut Martina Camenzind dazu. Denn das Rad rollt. Und wer herausfällt, fällt hart, denn Matten sind nicht ausgelegt, auch nicht in der Geschwister-Scholl-Halle, wo Rhönradturnen vom Feinsten demonstriert wurde. Es passiere relativ wenig, so die Übungsleiterin aus Neckargemünd, die vor 13 Jahren das Rhönrad für ihre Zwecke entdeckt hat: Camenzind, die Geräteturnerinnen betreut, empfiehlt das Gerät als Alternative zu Stufenbarren und Reck. Das Rhönrad sei zudem für Sportler/innen geeignet, die für die klassischen Turndisziplinen zu groß und zu kräftig seien. Das Rhönrad gibt es in verschiedenen Größen, der kleinste Durchmesser beträgt 1,50 Meter, der größte fast 2,50. Körperspannung sei mitzubringen, akrobatisches Geschick und ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn. In Baden-Württemberg gibt es rund 30 Vereine, die diesen Sport anbieten.

Der einzige deutsche Rhönradbauer sitzt im Taunus und fertigt die rund 1000 Euro teuren Geräte an. Deutsche Athleten sind führend, weiß Camenzind: "Japaner und Chinesen aber sind im Kommen." Trotzdem gebe es nur wenige Länder, die diese Disziplin ausüben, daher sei Rhönradturnen auch nicht olympisch. Camenzind vermag der Sportart sehr viel abzugewinnen, es mache Spaß und "ist ein bisschen wie Karussell fahren". Viel Fleiß müsse mitbringen, wer es mit dem Rhönrad zu etwas bringen wolle.

Rope Skipping: Trainingseifer müssen auch die Seilspringerinnen an den Tag legen, die in der Oberrheinhalle zu bestaunen waren. Mit einem irrwitzigen Tempo verstehen es die vorzugsweise jungen Frauen, das dünne Stahlseil zu schlagen und in Sekundenbruchteilen drüber zu hüpfen. Eine gute Koordination sei das A und O, so Barbara Wörz vom Badischen Turnerbund, die als Sportstättenverantwortliche die Wettkämpfe betreut. Mit dem herkömmlichen Seilspringen hat Rope Skipping nicht mehr viel gemein. Die Trendsportart aus den USA, der es in den 1990er Jahren bis nach Deutschland geschafft hat, erfordert Kraft und Kondition. Und wer eine 75 Sekunden währende Kür bestreitet, muss auch ein gutes Gedächtnis mitbringen. Schließlich sind in dieser Zeitspanne bis zu 100 Sprünge zu absolvieren, die sich in Form und Ausführung unterscheiden. Dass es sich hier um eine Randsportart handelt, will Wörz so nicht stehen lassen: "Wir entwickeln uns nach vorne." Ob "easy jump" oder "speed": Die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen ganz schön ins Schwitzen.

Autor: Gertrude Siefke