Debatte

Landratsamt kontert Kritik von Verbänden an Seilbahn-Idee des Europa-Parks

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

So, 18. November 2018 um 16:47 Uhr

Rust

Das Landratsamt Ortenaukreis attackiert in einem Statement Naturschutzverbände wegen ihrer Kritik an dem Seilbahn-Vorhaben des Europa-Parks. Die Idee sei innovativ und keineswegs abwegig.

In den vergangenen zwei Wochen haben sich mehrere Naturschutzverbände kritisch zu den Plänen des Europa-Parks, eine Seilbahn ins Elsass bauen zu wollen, geäußert. Sie befürchten negative Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet Taubergießen. Nun hat sich auch das Landratsamt Ortenaukreis zu Wort gemeldet und übt in einem Statement scharfe Kritik an den Naturschützern.

Das Schreiben von Pressesprecher Kai Hockenjos ist indes nicht wie gewohnt der Presse zugegangen. Stattdessen veröffentlichte es der Europa-Park am Freitag auf Twitter. Auf der Internetseite des Landratsamts ist das Schreiben nicht zu finden.
Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare äußert sich zur Seilbahn-Idee und sagt, was seiner Meinung nach dadurch angestoßen werden könnte. Der Naturschutz, so Klare, sei das zentrale Thema. Mehr dazu

Die Reaktionen einiger Naturschutzverbände bezeichnet Hockenjos als "schon etwas irritierend". Weiter schreibt er: "Ohne weitere abwägende Prüfung und öffentliche Diskussion sofort auf absolute Konfrontation zu gehen und mit Klage durch alle Instanzen zu drohen – wenn Verwaltungen so agieren würden, gäbe es zu Recht einen großen Aufschrei!" Von den Verbänden erwarte das Landratsamt einen "verantwortungsvollen offenen Umgang mit wichtigen Fragestellungen des öffentlichen Interesses".



Die Behörde sehe das Vorhaben "in erster Linie als Verkehrsprojekt mit dem Ziel, möglichst viele Pkw-Fahrer aus Frankreich in Richtung Europa-Park von der Straße zu bekommen". Jährlich pendelten 1,2 Millionen Parkbesucher über den Rhein, außerdem täglich gut 1000 Mitarbeiter. Die Idee einer Seilbahn, so Hockenjos, "ist innovativ und keineswegs abwegig". Gerade im Hinblick auf die Ergebnisse einer Landesstudie, die zu dem Schluss gekommen sei, dass urbane Seilbahnen das öffentliche Verkehrssystem entlasten können.

Amt hat keine Ausschlusskriterien gefunden

Angesichts des immensen Verkehrsaufkommens rund um den Europa-Park sei es sinnvoll, die Möglichkeit einer Seilbahn zu prüfen, "auch wenn auf der anderen Seite wegen Natur- und Vogelschutz zu Recht hohe naturschutzrechtliche Hürden bestehen", so der Pressesprecher. Die Seilbahn-Pläne befänden sich in einem sehr frühen Stadium, so Hockenjos. In einer "allerersten summarischen Betrachtung" seien keine absoluten Ausschlusskriterien gefunden worden. "Damit ist aber nicht gesagt, dass das Projekt rechtlich zulässig ist, sondern nur, dass eine weitere Prüfung lohnt."

Naturschutz, Wasserwirtschaft, Bodenschutz, Gewerbeaufsicht und Immissionsschutz seien die zentralen Themen in den Anhörungs- und Planfeststellungsverfahren. Dafür sei das Regierungspräsidium Freiburg zuständig.