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15. Juni 2012

Steinen-Hägelberg

Landwirt eröffnet erste Biogasanlage im Kreis Lörrach

Gülle und Grünzeug für Generatoren: Hanspeter Glaser hat die erste Biogasanlage im Kreis eröffnet - und lädt zum Tag der offenen Tür.

  1. Strom aus Schweinegülle entsteht in der Biogasanlage von Landwirt Glaser. Michael, Hanspeter und Sabine Glaser stehen vor den Behältern, in denen Bakterienstämme organisches Material in Biogas umwandeln, links der Nachgärer, rechts der Fermenter. Foto: Silke Hartenstein

STEINEN-HÄGELBERG. Seit September 2011 produziert die erste Biogasanlage im Landkreis Lörrach Strom und Wärmeenergie. Am kommenden Sonntag, 17. Juni, von 11 bis 17 Uhr stellt die Glaser Biogas GbR ihre Anlage zwischen Steinen und Hägelberg der Öffentlichkeit vor. Es gibt Führungen, die Präsentation zweier landwirtschaftlicher Lohnunternehmen (Rainer Bühler aus Hägelberg und Firma Breitenfellner aus Tannenkirch), des Hägelberger "Blumenschopfs" und der Bürchauer Kreativwerkstatt. Um die Bewirtung kümmert sich der Hallenbauförderverein Hägelberg.

Der Geschäftsführer der Biogas GbR, Hanspeter Glaser aus Hägelberg, betreibt als Haupterwerbslandwirt eine Schweinemast. Bei rund 1000 Schweinen fällt eine Menge Gülle an. Um dem Familienbetrieb eine langfristige Perspektive zu bieten, entschloss er sich, Gülle und Pflanzenmaterial in Energie umzuwandeln und gründete die Glaser Biogas GbR, mit ihm und Sohn Michael als Geschäftsführer und Ehefrau Sabine und Sohn Stefan als Mitgliedern. 2,5 Millionen kWh Strom können in der Biogasanlage pro Jahr erzeugt werden, das entspricht dem Jahresverbrauch von 600 Haushalten. Dazu kommen 3 Millionen kWh Wärmeenergie, das äquivalent von 300 000 Litern Heizöl. Seit Inbetriebnahme der Anlage im September 2011 wurden hier bereits 1,2 Millionen kWh Wärmeenergie für die Heizzentrale der Hägelberger Genossenschaft "Energie aus Bürgerhand" erzeugt. Das genossenschaftlich betriebene Nahwärmenetz versorgt derzeit über die Biogasanlage der Familie Glaser und eine Holzhackschnitzelheizanlage 50 Hägelberger Haushalte mit Bioenergie. Erzeugt wird das Biogas im Fermenter und im Nachgärer mit dem Tragluftkuppeldach. Sechs Meter tief sind die Behälter in die Erde eingelassen, nur ein Teil von ihnen ragt heraus. In ihrem Inneren wandeln diverse Bakterienstämme das organische Material in Biogas um: Es entstehen 50 Prozent Methangas, außerdem Schwefelwasserstoff, Sauerstoff und Kohlendioxid. In 250 Meter langen unterirdischen Gasleitungen kühlt sich das Gasgemisch ab, das Kondenswasser wird wieder in den Kreislauf eingeleitet.

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23 Tonnen organisches Material werden hier pro Tag umgewandelt: Je ein Drittel Mais, Gras und Gülle. 40 Prozent davon produziert der Betrieb selbst, der Rest stammt von Landwirten aus der Umgebung. 85 Prozent des vergorenen Materials bleibt als Gärrest übrig, dieser wird teils vom eigenen Betrieb, teils von den beliefernden Landwirten als Düngemittel verwendet.

Im schallgeschützten Blockheizkraftwerk mit eigener Trafostation wird aus dem Biogas Strom und Wärme. Der Motor wird mit Wasser gekühlt, das aufgeheizte Wasser wird ins Hägelberger Nahwärmenetz eingespeist. Eine automatische Steuerung überwacht und regelt das Ganze.

Mit der Wärmeenergie könnte man in der warmen Jahreszeit weitere 200 Haushalte am Ortsrand von Steinen versorgen, stellt Glaser fest. 700 Meter Leitung müssten dazu verlegt werden. Er selbst nahm für seine Biogasanlage 1,3 Millionen Euro in die Hand.

25 Betriebe waren am Bau der von der Firma Novatech gelieferten Anlage beteiligt. Zur Anlage gehören auch Entschwefelungsanlage, Gasanalysegerät, Rauch- und Gasmelder. Käme es zu einem Überschuss an Gas in den Gärbehältern, würde dieses mittels Überdruckventilen abgelassen. Und im Fall der Fälle würde die Familie in ihrem Wohnhaus sofort alarmiert, versichert Glaser.

Auf die Dichtigkeitsprüfung des Fermenters, Nachgärers und Endlagers durch die Feuerwehr Hägelberg folgten zwei Prüfungen der Anlage durch den TÜV, einmal jährlich kommt ein Umweltgutachter. Der hier erzeugte Strom wird laut EEG-Gesetz 20 Jahre lang mit 21 Cent pro kWh vergütet. Eines findet Glaser bedauerlich: Die Anlage könnte auch Lebensmittelabfälle oder Grünschnitt von öffentlichen Flächen in Energie umwandeln – doch dann verlöre sie ihren Status als "Anlage für nachwachsende Rohstoffe" und es gäbe deutlich weniger Geld für den eingespeisten Strom.

Autor: Silke Hartenstein


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