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09. Februar 2012

Aussteigermobile nach Maß

Alexander Feldweg baut im Murger Gewerbegebiet Lkw um, die dann jede Reise überstehen.

  1. Alexander Feldweg (rechts) und sein Mitarbeiter Michael Grundei bauen in Murg Expeditionsmobile nach Maß. Foto: michael krug

MURG. Wer aussteigen, alles hinter sich lassen und durch die Welt reisen will, und wer dazu das nötige Geld hat, kann sich in Murg ein quasi maßgeschneidertes Expeditionsmobil bauen lassen. Dann begibt man sich in die Obhut von Alexander Feldweg, der sich mit seiner Firma Alustar in Murg auf den Bau solcher Fahrzeuge versteht.

Auf die meisten seiner Kunden trifft diese Umschreibung in etwa zu, sagt Alexander Feldweg. "Sind sind um die 40 plus, haben zuvor eine Firma besessen und sie verkauft und wollen jetzt das nachholen, was sie während ihrer Berufszeit nicht erleben konnten", umschreibt Feldweg sein Klientel. Geld spielt meistens eher keine Rolle, schließlich hat ein komplett aus dem Hause Alustar kommender Aufbau mitunter den Wert eines Einfamilienhauses.

Im Murger Gewerbegebiet, unterm selben Dach wie der Dakar-Shop, den seine Frau betreibt, baut Alexander Feldweg Aufbauten wie zum Beispiel jenen, an dem er zurzeit sitzt. "Meine Kunden kaufen einen Lkw mit der Absicht, ihn auszubauen und damit in der Welt herumzureisen. Der Lkw wird dann direkt hierher geliefert und dann beginnt unsere Arbeit", erzählt der 44-Jährige. Die besteht darin, auf den Lkw zuerst ein Zwischengestell zu bauen. Darauf kommt dann der Aufbau oder auch Koffer, wie Feldweg das nennt. Das ist ein Gehäuse, das er selbst herstellt, quasi die vier Wände des Mobils. Feldweg arbeitet viel mit Aluminium, "das ist für große Beanspruchungen das bessere Material als etwa Glasfaser", sagt der Fachmann. Fahrzeugbauer hat er in Köln gelernt, zuvor hatte er bereits eine Ausbildung als Grafikdesigner abgeschlossen und eine als Schiffsbauer begonnen.

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Wenn der Geldbeutel des Auftraggebers groß genug ist, sind den Möglichkeiten, einer "autarken Wohneinheit" näher zu kommen, fast keine Grenzen gesetzt. "Wir bauen Solaranlagen ein, nutzen die Abwärme des Motors, installieren Wassertanks mit bis zu 500 Litern Fassungsvermögen. Wer möchte, bekommt eine Meerwasserentsalzungsanlage oder Wasserfilter, mit denen das Wasser aus jedem Bach genutzt werden kann", zählt Feldweg auf.

Richtig große Projekte dauern ihre Zeit. "Da stecken dann rund ein Jahr Planung drin, ein halbes Jahr lang wird gebaut." In der Zeit lerne man seine Kunden sehr gut kennen. Oft sei er auch Innenarchitekt, das gehe von der Materialauswahl bis hin zu Farbrichtungen. Beim aktuellen Projekt wünscht sein Kunde zum Beispiel Teakholz als Bodenbelag. Die Fußbodenheizung ist schon fast obligatorisch. "Auch Küchen können wir", zählt Feldweg auf, Elektrik, Gas, Wasser sowieso. Und wenn der Besitzer will, bekommt er auch eine Luke, durch die hindurch sein Quad in den Aufbau fahren kann.

Besonderes Augenmerk legt Feldweg, der noch einen festangestellten Mitarbeiter und eine 400-Euro-Kraft beschäftigt, auf Stabilität. "Im Grunde müssen Sie unser Auto auf den Kopf stellen und schütteln können, ohne das etwas kaputt geht. Sonst haben Sie ab Agadir Kleinholz geladen", veranschaulicht er. Das führt dann aber auch dazu, dass für die beiden Führungsschienen einer Küchenschublade schon mal allein 600 Euro draufgehen, die überschaubar große Küchenzeile locker 8000 Euro kostet.

Alexander Feldweg betreibt seine Firma in Murg seit sechs Jahren. Reiseerfahrungen sammelte er zuerst in Indien, war danach überall unterwegs und baute auch seine eigenen Autos. Und nach der Ausbildung zum Fahrzeugbauer war für ihn klar, das dies sein Metier werden würde. Eines, das ihn mitunter bis in den Schlaf beschäftigt. "Es kommt vor, dass ich nachts um drei die Lösung für ein Problem finde." Als Dank weiß er aber auch, wo seine Autos auf der Welt herumfahren – weil er immer mal wieder Post von deren Besitzern bekommt.

Autor: Michael Krug