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28. Januar 2012
Feinstabstimmung bis zum lebhaft gespielten Finale
Ein besonders wertvolles Konzert mit Harfe und Flöte.
LAUFENBURG/SCHWEIZ. Große Namen, große Kammermusik, großes Publikum: Beim Konzert der "Connaissez-vous"-Reihe am Donnerstagabend in der erfreulich voll besetzten Laufenburger Kirche St. Johann erwiesen sich Ursula Holliger, Grande Dame der Harfe, und Peter-Lukas Graf, Grandseigneur der Flöte, als ausgesprochen zugkräftig. Die international renommierten Künstler veredelten diesen Abend mit französischer Kammermusik aus dem 20. Jahrhundert in ebenso seltenen wie reizvollen Besetzungen. Es war ein außergewöhnliches Programm, das sowohl impressionistischen Klangzauber als auch moderne Klänge bot.
Zur Einstimmung spielte Holliger in vollendeter Anmut das berührende Prélude "La Fille aux cheveux de lin" von Debussy: eine stimmungsvolle Überleitung zu Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe. Diese Sonate ist reinste Klangpoesie, durchgeistigt, voller melancholischer, aber auch heiter-gelöster Passagen. Die Interpreten fingen diese wechselnden Stimmungen und die atmosphärische Tonmalerei mit subtilstem Klangempfinden ein. Holligers berückend klangschönes, feinsinnig ausgehorchtes Harfenspiel verlieh dem Stück einen ganz eigenen Klangcharakter. Graf brachte ebenso unvergleichlich nobel und kultiviert seinen exquisiten Flötenton ein, bestach mit makelloser Intonation, luzider Transparenz im Klang und wunderbarer tonlicher Wärme. Flöte und Harfe verbanden sich aufs Schönste mit der warm und sanglich klingenden Viola des jungen Bratschisten Veit Hertenstein. Da herrschte harmonische Feinabstimmung vom zarten Pastorale-Satz bis zum rhythmisch pointierten, sehr vif gespielten Finale.
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Eine andere Klangwelt eröffnete sich in Ravels Sonate für Violine und Cello aus den 1920er Jahren. Das linear und harmonisch kühn angelegte Werk ist für die Spieler technisch höchst anspruchsvoll und schwierig – und fordert auch dem Zuhörer einiges ab. Dem Geiger Thomas Wicky und dem jungen Cellisten Emanuel Graf gelang es intensiv, dieses Changieren zwischen lyrischen und herbspröden Passagen darzustellen. Es entspann sich eine Art spannungsreiches Zwiegespräch zwischen den beiden Streicherstimmen, die sich expressiv entfalteten. Voller Vehemenz spielten die Musiker die Härten und Reibungen heftig aus, holten aber auch gekonnt das Raffinement, das Sensualistische, das Jazz-Artige und Motorische aus dieser Musik heraus. Wickys schlanker, aber auch gefühlvoller Geigenton und Grafs sonorer Celloklang sorgten für eine spannende Ravel-Interpretation.
Über welch außerordentliche gestalterische Intensität und technische Bravour er verfügt, zeigte Cellist Emanuel Graf auch in den "Trois Strophes sur le nom de Paul Sacher" von Henri Dutilleux, dem Altmeister der Neuen Musik in Frankreich. Hochkonzentriert, sehr energisch und sicher im Bogenstrich bewältigte er diese herausfordernde Komposition.
Ebenso selten wie Dutilleux hört man auch Albert Roussel, dessen "Sérenade" für Harfe, Flöte, Violine, Viola und Cello den krönenden Abschluss bildete. Es war ein erlesenes Hörvergnügen, wie apart sich in dieser impressionistischen Serenade die Klangfarben der Streicher mit denen von Flöte und Harfe vermischten. Peter-Lukas Graf beeindruckte wiederum mit superber Tonschönheit, bestechender Klarheit und völlig unangestrengter Brillanz, Ursula Holliger verkörperte das Ideal von farblich fein nuanciertem Harfenspiel von allerhöchster Ästhetik. Dieser Roussel war so strukturklar, geistvoll, mit so viel Esprit gespielt, inspiriert und ausgewogen im Zusammenspiel, dass der gesamte Abend das Prädikat "besonders wertvoll" verdiente.
– Wiederholung des Konzerts morgen, Sonntag, 17 Uhr, Dorfkirche Riehen
Autor: Roswitha Frey
