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03. August 2015

Klar und lieblich, wild und ungestüm

"Junge Klassik" in Laufenburg als Bühne für talentierte Künstler.

  1. Junge Klassik im Schlössle: Lorenz Chen, Gabriela Fahnenstiel, Stefano Musso und Natalia Dauer (von links) traten am Auftaktabend der 16. Laufenburger Kulturtage „Fließende Grenzen“ auf. Foto: Michael Gottstein

LAUFENBURG. Die neue Konzertreihe "Junge Klassik" möchte jungen, talentierten Künstlern eine Plattform bieten. Und diese brauchte man nicht in der Ferne zu suchen, denn am ersten Augustwochenende präsentierten sich die Laufenburgerin Gabriela Fahnenstiel, die Schwestern Aloisia (Violine) und Natalia Dauer (Cello) aus Bad Säckingen sowie Lorenz Chen (Violine) aus Freiburg und der Pianist Stefano Musso, der in Basel studiert, zum Auftakt der 16. Kulturtage "Fließende Grenzen" im neu initiierten Festival im Festival.

Anstelle des alten Yamaha-Flügels stand den Künstlern ein gemieteter Steinway zur Verfügung, der am Samstagnachmittag gerade rechtzeitig in den Kammermusiksaal des Schlössles gehievt worden war. Das Konzert reichte von der Klassik über die verschiedenen Spielarten der Romantik bis zur expressiven Musiksprache des Tango.

Am Anfang spielten Lorenz Chen und Natalia Dauer Beethovens C-Dur-Duo, das klassische Form, Schönheit und Tiefe vereint. Das Spiel der Musiker war klar und präzise, nicht übertrieben lieblich und setzte immer wieder ausdrucksvolle Akzente. Beethovens Sonate Nr. 1 op. 12 für Klavier und Violine begann mit einem fanfarenartigen Unisono, das Gabriela Fahnenstiel und Lorenz Chen markant herausarbeiteten, um es in eine fließend-elegante Melodiebewegung einmünden zu lassen. Das anschließende Wechselspiel war ausgesprochen lebhaft, und die sanglichen Qualitäten sowohl von Violine als auch Klavier kamen besonders im Variationensatz zur Geltung. Das heitere Rondo spielten die Künstler mit federnder Leichtigkeit, aber auch energisch und spannungsreich.

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Fahnenstiel und Chen beweisen Sinn for Pathos

Schumann zeigte sich in seiner Sonate für Violine und Klavier in a-moll weniger am Befolgen konventioneller Formgesetze interessiert, dafür umso mehr an überschwänglichem Gefühlsausdruck. Mit Sinn für Pathos widmeten sich Fahnenstiel und Chen dem ersten Satz mit seinem leidenschaftlich bewegten Violinthema, das sich über einem dunklen Klaviergrund entwickelte. Sie stellten den stürmischen, vorwärtsdrängenden Charakter überzeugend dar, und sie schöpften das dynamische Spektrum aus, so dass auch zarte, lichte und filigrane Momente im Pianissimo nicht zu kurz kamen. Nach dem liedhaften zweiten Satz herrschte im Finale wieder eine bezwingende Motorik und eine expressiv-unruhige Stimmung.

Ein klassizistischer Romantiker war Carl Reinecke, der die Bezeichnung Epigone für sich selbst durchaus akzeptierte, weshalb er heute nicht mehr häufig zu hören ist. Nichtsdestotrotz war seine Sonate für Klavier und Cello in a-moll, gespielt von Natalia Dauer und Stefano Musso, der Wiederentdeckung wert. Sie ist im Vergleich zu Schumann weit weniger radikal im Ausdruck, aber durchaus voller Empfindung und gab der Cellistin Gelegenheit zur Entfaltung eines warmen, sonoren Cellotons, der durch das Spiel mit Farben sowie das Aushorchen feiner Nuancen ungemein lebendig wirkte und die menschliche Stimme nachahmte. Auch der Pianist überzeugte dank einfühlsamer, differenzierter Klavierbegleitung.

Schließlich kam die wilde, ungestüme Seite der Musik in den vier nach den Jahreszeiten benannten Stücken von Astor Piazzolla zur Geltung. Er verband das harmonische und koloristische Raffinement europäischer Kunstmusik mit dem eruptiven, leidenschaftliche Charakter des Tangos. Trotz des spannungsgeladenen Spiels, das auch vor gewollt grellen Tönen nicht zurückschreckte, wahrte die Interpretation von Fahnenstiel, Dauer und Chen Klarheit und war auch in den Momenten wilder Klangräusche transparent. Mit zwei Zugaben verabschiedeten sich die Künstler von den zahlreichen Gästen.

Für den gestrigen Sonntag stand zudem ein Soloabend an mit Aloisia und Natalia Dauer, Gabriela Fahnenstiel und Stefano Musso auf dem Programm.

Autor: Michael Gottstein