Petra Gabriel

LESESTOFF: Auf den Hund gekommen

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 09. September 2018

Laufenburg

Vier Jahre nachdem Iris Terheyde in die Fänge einer Psychosekte geriet, ermittelt die Laufenburger Hauptkommissarin wieder – diesmal inoffiziell. Im badischen Kriminalroman "Tod im Rheintal" gewährt die in Laufenburg und Berlin lebende Autorin Petra Gabriel ihrer Protagonistin Urlaub. Den will Terheyde nutzen, um zu Beginn der Handlung bei einer Golfstunde auf der Driving Range Obersäckingen gegen ihre überflüssigen Pfunde anzukämpfen. Ein kalbsgroßer Wolfshund verhindert ihr Vorhaben: "Iris war so auf die Ausholbewegung fokussiert, dass sie Eddis ,Stopp’" nicht hörte. Als der Schläger in Richtung Ball schwang, schloss sie die Augen, und dieses Mal traf das Eisen eindeutig auf Widerstand." Das getroffene Tier erholt sich schnell von Terheydes Abschlagsversuch. Während sie noch rätselt, was mit dem Hund passieren soll, reißt der sich los und verschwindet im Gebüsch. Dort findet ihn die Kommissarin neben einer Leiche sitzen. Es stellt sich heraus, dass in der Nacht jemand ins Wildlife-Museum bei der Golfwelt eingebrochen ist. Als der zuständige Wachmann Max Trautmann, Terheydes Verehrer, der Tat beschuldigt und verhaftet wird, begnügt sich die Ermittlerin nicht länger mit ihrer Rolle als Zeugin und wird aktiv. Dabei unterstützt sie ausgerechnet Wolfshund "Sykes", wie die 47-Jährige das Tier tauft, als sie es nach dem Golfunfall vorübergehend bei sich aufnimmt. Sykes trägt entscheidend zur Aufklärung des Falles bei.

Als ehemalige Redakteurin einer Tageszeitung in Bad Säckingen kennt Petra Gabriel den Hochrhein. Für "Tod im Rheintal" greift sie (wie beim Einbruch, der mit dem wirklichen Diebstahl von Nashorn-Hörnern aus dem Wildlifemuseum 2012 zusammenhängt) auf ihr Wissen zurück und vermischt dabei Fiktion und Realität. Nach etlichen Romanprojekten weiß die freie Autorin mit Worten umzugehen. Ihre klare Sprache macht es leicht, der Handlung zu folgen, die Struktur sorgt für Spannung: Nach jedem Kapitel sitzt man auf heißen Kohlen und fragt, was alsNächstes passiert. Mit Lokalbezügen aus ihrem Alltag (in Laufenburg Bäckerei Hahn oder Einkaufen bei "Sulgi" in Murg) beweist Gabriel Humor und vermittelt einen authentischen Eindruck vom Leben der Region. Ungewöhnliche Redewendungen ("Der Teufel ist ein Eichhörnchen") oder Gedankenflüge der Protagonistin (zu Gott oder der Laufenburger Fasnacht) sind Geschmackssache. Glattgebügelte Büchersprache ist es jedenfalls nicht, unterstreicht aber den Eigensinn Iris Terheydes, die als Kommissarin nicht abgebrüht wie ihre Fernseh-Kolleginnen, sondern menschlich und etwas schrullig ist. Wer Regiokrimis mag, wird nicht enttäuscht werden. Ralf Strittmatter
Tod im Rheintal, 224 Seiten, 10,90 Euro (Emons Verlag). Premierenlesung: Freitag, 14. September, 19 Uhr, Wildlife-Museum in der Golf- und Freizeitwelt, Schaffhauser Straße 121, Bad Säckingen