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12. November 2011

Schönster Geigenzauber

Das Duo Raro mit der Violinistin Malwina Sosnowski und dem Pianisten Riccardo Bovino eröffnete in St. Johann neue Konzertreihe.

  1. Mit aparter französischer Kammermusik hat das Duo Raro in der Schweizer Kirche St. Johann die neue Konzertreihe eröffnet. Foto: Roswitha Frey

LAUFENBURG/SCHWEIZ. Grazie, Temperament und Gefühl: All dies vereint die junge, international vielfach ausgezeichnete Violinistin Malwina Sosnowski in ihrem Spiel. Davon konnten sich die Zuhörer zum Auftakt des fünften Zyklus von "Connaissez-vous" in der Kirche St. Johann in Laufenburg/ Schweiz überzeugen, wo die Geigerin aus Riehen zusammen mit ihrem Klavierpartner Riccardo Bovino auftrat.

Dieses Mal richtet sich der Blick nach Frankreich. Kammermusik französischer Komponisten steht im Zentrum der neuen Konzertreihe "Innovations Françaises". Das Duo Raro hatte in diesem Frankreich-Kontext ein apartes Programm mit selten gehörten Preziosen für Violine und Klavier aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert mitgebracht.

Sosnowski und Bovino eröffneten den Abend mit der ersten Violinsonate von Camille Saint-Saëns: ein traumhaft schönes Stück von virtuosem Zuschnitt, in dem die erst 26-jährige Spitzengeigerin die Anmut, Schönheit und Noblesse ihres Tons ebenso einbringen konnte wie glühende Emphase und eine fulminant beherrschte Technik. Bezaubernd, voller Leichtigkeit und delikat in den Farbnuancen spielte sie die graziösen Sätze dieser Sonate. Betörend klang hier ihr Ton, grazil und blühend ihr Spiel, elastisch ihre Bogenführung in den schnellen Passagen. Der Pianist stand ihr an Eleganz und farblich fein schattiertem Spiel nicht nach. So hatte diese Interpretation allen Schwung und Brillanz. Das Duospiel klang im Finalsatz geradezu funkensprühend vor Esprit.

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Was für eine große Geigerin von hingebungsvoller, ernster Musikalität Sosnowski ist, zeigte ihre intensive und eindringliche Wiedergabe von Olivier Messiaens "Thème et variations". Bezwingend in der Ausdruckstiefe, atmosphärisch dicht und blendend im Spieltechnischen spielte sie dieses meditative und sehr mystische Werk. Die teils glockenartigen Klänge des Klaviers vertieften noch die mystisch-religiöse Stimmung und klangfarbliche Magie dieses Stücks.

Auf andere, unterhaltsame Art spannend war die Begegnung mit Igor Strawinskys "Divertimento" für Violine und Klavier, aus dem das Duo Raro einen Ausschnitt "Pas de deux" spielte. Die Sätze dieses Divertimentos gehen auf eine Ballettmusik zurück. Das Duo brachte den tänzerischen Esprit, die rhythmische Verve, das Spritzig-Geistvolle dieser Musik mit akzentuierter Klarheit und viel Spielwitz zur Geltung. Nicht nur der russisch-französische Kosmopolit Strawinsky kam gebührend zu Ehren, sondern auch der in Le Havre geborene Schweizer Arthur Honegger. Das Duo Raro machte mit dessen erster Violinsonate bekannt, einem interessanten Werk, das teils spätromantisch, teils expressionistisch klingt. Auch in dieser Sonate begeisterte Malwina Sosnowski mit ihrer vortrefflichen Geigenkunst, ihrer konzentrierten Hingabe und dem natürlichen Charme ihres Spiels. Innig und gefühlvoll gestaltete sie den Andante- und Adagio-Satz. Hochexpressiv, mit fulminanter Energie und Elan, legte sie sich in den Presto-Satz, stets ideal unterstützt vom farbenreichen, brillant-klaren Klavierspiel Bovinos.

Nach diesem hinreißenden Auftritt war klar, dass man mit Malwina Sosnowski einen der kommenden Geigenstars der Klassikszene gehört hat. Die beiden sympathischen jungen Künstler bedankten sich mit zwei Zugaben: dem schwelgerischen Tango von Albéniz und der berückenden "Melodie" von Christoph Willibald Gluck – schönster Geigenzauber für den Nachhauseweg.





Autor: Roswitha frey