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18. Juni 2010 15:19 Uhr
Regionale Produkte
Ledige Henne sucht Paten
Eine Hühnerpatenschaft ist die regionale Bio-Antwort auf Massentierhaltung – denn "auf die Haltung kommt es an." Unter diesem Motto können bei der "Original Schwarzwald AG" aus Sulzburg Hühnerpatenschaften gekauft werden.
PRECHTAL. Die glücklichen Hühner leben auf dem Grundhof der Familie Blum in Oberprechtal. Morgens ist es immer hektisch. Da gackern die Hühner im Stall wie verrückt. "Beim Eierlegen sind sie besonders aufgeregt, da darf man nicht stören", weiß Irmgard Blum. Die Hennen hüpfen der Reihe nach von der Stange und warten bis ein Platz frei wird. Dann gehts in die Holzkiste zum Eier legen. Nach getaner Arbeit stolziert die Hühnerschaar zufrieden an die frische Luft.
Währenddessen packt die Bäuerin einen Teil der frischen Eier in Kartons mit Luftpolster. Denn die zerbrechliche Kost geht auf Reisen quer durch Deutschland und direkt zum Paten. Aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich nämlich Menschen gemeldet, die als Hühnerpatenonkel- und tanten nur das eine wollen: Eier von glücklichen Hühnern aus Bodenhaltung. Im Fall von Familie Blum, die seit 2007 einen Biolandhof bewirtschaftet, sind es sogar Eier von Bio-Hühnern. Der Vorteil: Die Paten wissen ganz genau, wo das Huhn und letztlich auch das Ei herkommen.
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Die Patenschaften gelten für ein Jahr und mit 19 Euro sorgen die Paten dafür, dass die Hennen sich auch in Zukunft frei und ungestört auf dem Hof bewegen dürfen. Und dass sie mit Bio-Kost versorgt werden. Das Hennenglück erhält man schwarz auf weiß: Eine Urkunde mit Hennen-Portraitfoto im Posterformat. Und einmal im Jahr gibts zehn Eier kostenlos - auf Wunsch nach Hause geliefert oder vor Ort zum Abholen. Naja, das mit der Liefrung hat einen kleinen Haken:
"Wir können natürlich nicht garantieren, dass die Eier auch wirklich vom Patenhuhn stammen", räumt Jörg Maier von der "Original Schwarzwald AG" ein. Vielmehr gehe es dem Unternehmen um die Stärkung der regionalen Landwirtschaft. Die originelle Idee des Sulzburger Touristikunternehmens hat Familie Blum gleich überzeugt. "Wir wollen damit auf unsere Produkte aufmerksam machen," so Landwirt Bernd Blum. Von 100 Hühnern, die auf dem Grundhof leben, haben bereits 24 einen Paten gefunden – sehr zur Freude der heimischen Direktvermarkter. Die Federvieh-Aktion hat auf jeden Fall öffentliches Interesse geweckt: Als vor einigen Tagen ein SWR-Fernsehteam auf dem Hof zu Besuch war, hat es einem echten Patenonkel "sein" Huhn in die Arme gelegt. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, so der Hühnerfreund vor laufender Kamera.
Von solcherlei Trubel lässt sich die Mehrzahl der Glucken aber kaum beeindrucken. Die legen weiterhin jeden Tag ihr Ei – sonntags vielleicht auch zwei. Dazu passt ganz gut die Aufschrift auf den Hennen-Gutscheinen: "Du hesch jo ä Voogel" auf Hochdeutsch bedeutet das schlicht: "Gutschein für eine Hühnerpatenschaft".
Autor: Christine Speckner
