Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Juli 2012

Lehrer Lämpel als Vorbild

LEUTE IN DER STADT: Werner Saier verabschiedet sich als Leiter der Gewerblichen Schulen.

  1. Werner Saier mit der Figur des „Lehrer Lämpel“. Foto: Bettina Schaller

LAHR. Werner Saier wird am heutigen Freitag als Schulleiter der Gewerblichen Schulen in Lahr in den Ruhestand verabschiedet. Doch Langeweile kommt in seinem Leben nicht auf.

"Ich muss zuerst noch meine Werkskleidung anlegen, bevor’s losgehen kann", sagt Werner Saier. Vor dem Gespräch schlüpft er in sein Jackett und bindet sich eine Krawatte um, schnappt sich die Figur des "Lehrer Lämpel" und stellt eine Flasche Rotwein gleichen Namens auf den Tisch. Die Antwort kommt, bevor die Frage gestellt werden kann – auch das ist Werner Saier. Die Figur habe er von seiner Frau Gunda – "übrigens eine starke Frau an meiner Seite, eine wichtige Partnerin, die mich aushält" – geschenkt bekommen. "Lämpel ist Symbol für vieles, die humorvollere Seite meines Lebens und eine ernste Geschichte für mich", erklärt Saier. Erst nach knapp zwei Stunden Gespräch im Rektorenzimmer kommt eine Ahnung auf, was es mit dem Lämpel auf sich hat.

Nach einem Parforceritt durch Werner Saiers Welt von Schule erhält man einen Einblick in sein Privatleben: In Zell-Weierbach, wo er lebt, hat er einen kleinen Weinberg ("Seit ich Reben habe, bin ich einer von ihnen."), steigt an Fasnacht in die Bütt, reitet mit seinen Enkeln, steigt aufs Mountainbike oder ist als Hirte in Creva Salvas auf Bergwanderschaft. "Die Berge dort sind mein Seelenheim, sportlich, reizvoll, beruhigend – da gehe ich schon seit 30 Jahren gerne hin", erzählt Werner Saier. Und weil er dies als eine reizvolle Möglichkeit sieht, "die ich noch bei bester Gesundheit erleben möchte", hat er einen Entschluss gefasst: "Gönn’ dir das." Nun geht er in Altersteilzeit. Am 1. August beginnt für ihn dieser neue Abschnitt.

Werbung


Dann liegen 37 Jahre Schuldienst hinter ihm, davon sieben Jahre als Leiter der Gewerblichen Schulen. Davor war Saier fünf Jahre lang Schulleiter an der Walther-Rathenau-Schule in Freiburg. "Eigentlich wollte ich gar nicht Lehrer werden", sagt er. Der gebürtige Villinger studierte an der Universität Karlsruhe Elektrotechnik und schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Eigentlich sei er auf der Suche nach einem Job in einem großen Unternehmen für Kraftwerksbau oder Hochspannungsanlagen gewesen. Das Oberschulamt habe damals aber per Anzeigen dringend Lehrer im Fachbereich Elektrotechnik gesucht. Da er selbst im Sportverein und der Katholischen Jungen Gemeinde in der Jugendarbeit tätig gewesen sei und sich sehr wohl gefühlt habe, habe er sich gesagt: "Fahr’ da mal hin."

"Wir machen nicht Bildung um der Bildung willen,

sondern vermitteln, was

umsetzbar ist, nah am Leben." Werner Saier
Und dann war er plötzlich Lehrer: "Ratz-fatz ging das, ich bin innerhalb von acht Wochen mit Frau und Kind nach Offenburg gezogen", erinnert sich Saier. Und genauso direkt war 26 Jahre später sein Aufstieg zum Schulleiter. Man sei auf ihn aufmerksam geworden, weil er in seiner Offenburger Zeit "in Sachen Schule in vielfältiger Weise unterwegs war". Nur mit Elektrotechnik war der dynamische Lehrer nicht ausgelastet. Werner Saier war als Lehrbeauftragter des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerausbildung im Seminar Freiburg tätig. Mit Rudi Trotter habe er als Fachberater im Oberschulamt als Tandem gearbeitet, so Saier. Damals sei er in einer Innovationsgruppe gewesen, die sich um Lernfeldkonzepte gekümmert habe. "Das war eine spannende Geschichte und eine geniale Idee. Er als praktischer Lehrer und ich als wissenschaftlicher Part in der Theorie", so Saier. Das habe die Wertigkeit der Ausbildung erhöht, und im Übrigen sei er ein Teamplayer. "Meine Tür ist immer offen. Ich lebe in der Kommunikation. Und wir wollen Menschen teamfähig machen", sagt Saier.

Er selbst wollte eigentlich nie Schulleiter werden. Als er auf die Stelle angesprochen wurde, habe er gesagt: "Kenn’ ich mich zwar nicht aus, spannend ist das schon." Das Management in der Schule sei knallhart, so Saier, aber man sei ja nicht allein. Sagt’s und blickt Richtung Sekretariat, woher viel Hilfestellung komme. Rückblickend sagt er, dass er sich in Freiburg sehr wohl gefühlt habe, ihm der Start in Lahr leicht gefallen sei. Die Schule musste neu aufgestellt werden, worin er die Herausforderung sah. "Konsolidierung war angesagt, mein Thema und Schule als System aufstellen, damit sie für die Zukunft gerüstet ist", so Saier. Zu seinen schulischen Höhepunkten zählt er die 200-Jahr-Feier 2009 mit Imagefilm, eigener Homepage und Festschrift. "Da bin ich richtig stolz drauf." Und dran gedreht haben alle Schüler und Lehrer im Team. "Wir machen nicht Bildung um der Bildung willen, sondern vermitteln, was umsetzbar ist, nah am Leben", so Werner Saier. Und da spricht eben Lehrer Lämpel. "Also lautet ein Beschluss: Dass der Mensch was lernen muss,/... nicht allein in Rechnungssachen./Soll der Mensch sich Mühe machen;/ Sondern auch der Weisheit Lehren/ muss man mit Vergnügen hören."

Autor: Bettina Schaller