"Das war hammerfettbombenkrass"

dpa

Von dpa

Sa, 11. August 2018

Leichtathletik

Die beiden Speerwerfer Andreas Hofmann und Thomas Röhler feiern ihre EM-Medaillen, Johannes Vetter von der LG Offenburg kommt nicht über Rang fünf hinaus.

BERLIN (dpa/str). Europameister Thomas Röhler beschwor schon die nächste deutsche Speerwurf-Generation, Kollege Andreas Hofmann freute sich auch am Morgen danach noch wie ein Schulbub über Silber. "Das war hammerfettbombenkrass", sagte der glückliche Zweite der Berliner Leichtathletik-EM am Freitag auf der Pressekonferenz im deutschen EM-Klub. Bis in die Nacht hinein waren die beiden Kumpels noch da, dann fielen sie todmüde ins Bett. Doch zur morgendlichen Fragerunde tauchten sie pünktlich und fit wieder auf – wie im EM-Finale.

"Die Konkurrenz weiß seit drei Jahren, dass mit uns immer zu rechnen ist", sagte Röhler, der zwei Jahre nach seinem Olympiasieg nun auch Europameister ist. Und im nächsten Jahr, bei der Wüsten-WM in Katars Hauptstadt Doha, vielleicht zum ersten Mal Weltmeister. Die größte Konkurrenz hat der 26-Jährige aus Jena im eigenen Team. "Wir sind eine Generation, die schon an morgen denkt. Wir wollen etwas für die Sportart tun, nicht nur für das Speerwerfen – auch für die Leichtathletik", betonte der Athletensprecher im Weltverband (IAAF). "Wir haben in Deutschland aktuell eine extrem motivierte U 20 und U 18", sagte Röhler. "Und auch wir als aktive Athleten stärken diese Jungs ein bisschen mit."

Ein Selbstläufer sind die deutschen Speerwurf-Asse und Siegesserien in den kommenden Jahren aber keinesfalls, warnte Röhler. "Das kann man nicht sagen. Große Glaskugel! Übermorgen kann Schluss sein, wenn ich mich verletze. Das ist immer noch eine Risiko-Sportart." Das gilt auch für Hofmann, den deutschen Meister aus Mannheim. Der 26-Jährige freute sich riesig über seine erste internationale Medaille. "Leistung gebracht, Silber gewonnen – top!" Markanter kann man seinen Part im Speerwurf-Finale einer Europameisterschaft wohl kaum in Worte fassen. Mit 87,60 Metern und Platz zwei war Hofmann mehr als zufrieden. An Röhlers goldene 89,47 Meter kam er diesmal nicht heran, Hofmann sagte aber: "Die Silbermedaille ist für mich Gold wert." Auch Röhler ist ein Vollprofi, er arbeitet sogar an der Entwicklung der Speere mit. Etwa 30 dieser 800 Gramm schweren Arbeitsgeräte hat er für Wettkampf und Training parat. Zwischen 1000 und 1400 Euro kostet so ein High-Tech-Teil.

Ob er manchmal mit seinem Speer spricht? Großes Gelächter im Raum, doch Röhler ist um eine Antwort nicht verlegen: "Ich habe ein sehr rationales Verhältnis zu meinem Speer. Wenn man weiß, was die kosten und wie oft die kaputtgehen, dann sollte man keine allzu enge Beziehung zu seinem Speer aufbauen." Sein Kumpel Hofmann grinst und nickt: "Ich streichle meinen auch nicht." Olympiasieger und Europameister Röhler, Weltmeister Johannes Vetter von der LG Offenburg, der EM-Zweite Hofmann: Außerhalb des Wettkampfes sind sie Freunde, im Stadion Konkurrenten. "So kann man das sicher am besten beschreiben", sagt Hofmann und guckt zu Hobbyangler Röhler rüber. "Zusammen angeln waren wir noch nicht", erzählt Hofmann, "aber man unterhält sich über Gott und die Welt." Röhler studiert in Jena Wirtschaft und Sport, Hofmann Sportwissenschaften: "Wir haben nicht nur Speerwurf im Kopf."

Nur der Offenburger Vetter hatte in der Nacht auf Freitag keine großen Party-Ambitionen. Sein Wettkampf lief von Anfang an nicht rund, ihm blieb Platz fünf. Im ZDF sagte er: "Das System ist bei mir durch die Verletzungen ein bisschen aus den Fugen geraten." Wegen einer Verletzung des Oberschenkels hatte der 25-Jährige sechs Wochen lang keine Wettkämpfe bestreiten können. Bei der deutschen Meisterschaft im Juli in Nürnberg hatte der Weltjahresbeste (92,70 Meter) sich dann aber mit 87,83 Metern stark zurück gemeldet, und auch in der Qualifikation zur EM-Endkampf in Berlin am Mittwoch warf er den Speer auf 87,39 Meter. Im Wettkampf am Donnerstagabend hingegen kam Vetter nicht über 83,27 Meter hinaus. Auf Sport1 äußerte er sich geradezu bestürzt: "Der ganze Wettkampf lief nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe viel probiert, aber es ging nach hinten los. Davor war ich wesentlich besser."