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29. Juli 2010
Christophe Lemaitre: Ein Franzose rennt allen davon
Leichtathletik-EM: Christophe Lemaitre gewinnt 100-Meter-Lauf.
BARCELONA (dpa). Der Franzose Christophe Lemaitre hat seinen Aufstieg in die Weltelite des Sprints mit dem EM-Titelgewinn gekrönt. Mit großer Nervenstärke rannte der 20-Jährige am späten Mittwochabend bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in 10,11 Sekunden den schnellen Rivalen davon. Sein britischer Konkurrent Dwain Chambers erlebte in Barcelona eine herbe Enttäuschung und wurde in einem Foto-Finish-Entscheid in 10,18 Sekunden nur Fünfter. Die zeitgleichen Mark Lewis-Francis (Großbritannien) und Martial Mbandjock (Frankreich) holten Silber und Bronze.
"Das war ein super Rennen. Es ist nicht so gelaufen, wie ich für mich gehofft hatte. Das nehme ich mit einem Lächeln hin", gab sich der umstrittene Chambers als fairer Verlierer. "Ich wollte schon die Goldmedaille, aber Christophe war stark und hat sie verdient." Von Platz zwei bis fünf waren alle Läufer zeitgleich.
Für die deutschen Sprinter Tobias Unger (München/10,53 Sekunden), Alexander Kosenkow (Wattenscheid/10,38) und Christian Blum (Chemnitz/10,69) war im Halbfinale Endstation. "Der Wind hat ein bisschen blöd reingeblasen, ich bin dann aus dem Rhythmus gekommen. Das muss man abhaken", sagte Unger, der 2004 Olympia-Siebter war.
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Selten war die Spannung vor einem 100-Meter-Finale bei einer EM so groß gewesen, wie vor dem britisch-französischen Aufeinandertreffen. Beide Sprinter hatten zuvor die Zehn-Sekunden-Marke unterboten. Lemaitre lief 9,98 Sekunden bei den nationalen Meisterschaften, blieb als erster weißer Läufer in der Geschichte unter zehn Sekunden und wurde zum Liebling der Grande Nation.
Chambers hatte bei der Team-EM im Juni in 9,99 Sekunden gewonnen und dabei Lemaitre geschlagen. Der 32-jährige Brite gehört dagegen nach seiner zweijährigen Doping-Sperre nicht zu den Sympathieträgern des Sprints. Im Oktober 2003 wurde er als Kunde des illegalen amerikanischen Doping-Labors Balco entlarvt, wo er die Designerdroge THG zur Beschleunigung kaufte, und von Wettkämpfen verbannt. Der EM-Titel von 2002 und weitere Medaillen wurden ihm aberkannt.
Bei internationalen Meetings wird ihm der Start meistens verweigert, von Olympia ist er verbannt. Sein nationaler Leichtathletik-Verband kann ihm die Teilnahme an WM- und EM-Titelkämpfen jedoch nicht verweigern – und da kein anderer auf der Insel schneller ist, gehörte Chambers schon 2006 zur britischen 4 x 100-Meter-Staffel, die Europameister wurde. Im März wurde er in Doha/Katar Hallen-Weltmeister über 60 Meter.
Die deutschen Leichtathleten haben unterdessen bei der EM einen Fehlstart hingelegt. Nach Nadine Kleinert enttäuschte am Mittwochabend mit Diskuswerferin Nadine Müller die nächste Mitfavoritin und wurde nur Achte. Die deutsche Mannschaft wartet somit auch nach zwei Wettkampftagen auf ihre erste Medaille.
Müllers schwache Weite (57,78) lag exakt zehn Meter unter ihrer Weltjahresbestleistung. Sogar Teamkollegin Sabine Rumpf (Niederselters) warf als Siebte weiter (58,89). "Abhaken, der nächste Wettkampf kommt bestimmt. Ich hatte schwere Beine", sagte die 24 Jahre alte Hallenserin. Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, wurde da schon deutlicher. "Eine Medaille von Nadine Müller war eingeplant. Wir hatten gehofft, heute mit dem Medaillenholen zu beginnen. Das ist eine Enttäuschung", sagte er.
Sabrina Mockenhaupt (32:06,02 Minuten) lief beim Sieg der in Äthiopien geborenen Türkin Elvan Abeylegesse (31:10,24) zwar auf einen guten sechsten Platz über 10 000 Meter, das Ziel zweistellige Medaillenzahl ist für den DLV so aber nur noch schwer zu erreichen bei dieser EM. Denn mit Kugelstoßerin Kleinert war am Vortag eine weitere deutsche Hoffnungsträgerin lediglich Siebte geworden.
Geherin Melanie Seeger hatten am Morgen nur elf Sekunden zu Bronze gefehlt. Die 33-jährige belegte Platz vier über 20 Kilometer und war darüber glücklich. "Das hätte ich mir niemals träumen lassen: 21 Jahre Hochleistungssport – und jetzt habe ich endlich das Rennen meines Lebens", jubelte die Potsdamerin. Noch nie war eine deutsche Geherin bei einer großen Meisterschaft so weit vorn gelandet. Nach 1:29:43 Stunden ging sie nur knapp hinter dem russischen Trio mit der neuen Europameisterin Olga Kaniskina, Anisja Kirdjapkina und Vera Sokolowa ins Ziel. "Ich ärgere mich überhaupt nicht", sagte Seeger.
Als aussichtsreiche Medaillen-Anwärter gelten weiter Hammerwerferin Betty Heidler und die deutschen Stabhochspringerinnen um Silke Spiegelburg. Sie alle erreichten am Mittwoch ihr Finale.
Autor: dpa
