Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
09. März 2010 01:25 Uhr
2,30 Meter
Hochsprung: Ex-Wehrer fliegt zur Hallen-WM
Mit 2,30 Metern ist Martin Günther in die Phalanx der großen deutschen Hochspringer vorgedrungen. Bei der deutschen Hallenmeisterschaft wurde der ehemalige Athlet des TV Wehr mit dieser Höhe deutscher Meister.
Das erste Mal bei den Aktiven. Heute fliegt der 23-Jährige nach Katar. In Doha beginnt am Freitag die Weltmeisterschaft in der Halle.
Viele haben Martin Günther in den vergangenen Tagen gratuliert. So viele, dass der Hochspringer vom Hochrhein aufgehört hat zu zählen. Sein Facebook-Profil im Internet quoll förmlich über. "Nach dem Springen hatte ich mehr als 50 SMS auf meinem Handy", erzählt der Springer im Trikot der LG Eintracht Frankfurt. Viele Glückwunschnachrichten seien aus der Heimat gewesen. "Das hat mich besonders gefreut", sagt er und macht dabei keinen Hehl daraus, dass er seinen Satz über die 2,30 Meter immer noch nicht fassen kann. "Das ist der Wahnsinn. Diese Höhe ist das Ziel jedes Hochspringers. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Aber ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, was da aufliegt. Ich habe mir die Angst vor der Höhe genommen."
Und in der Tat: Was Günther in Karlsruhe ablieferte, war eine Leistungsexplosion, wie sie selbst Experten nicht erwartet hätten. Mit einer Bestleistung von 2,24 Metern angereist, überbot der 1,88 Meter große Hochspringer gleich dreimal in Folge seinen persönlichen Hausrekord. Günther: "Ich hatte schon im Vorfeld ein gutes Gefühl. Als Sportler spürt man das. 2,25 waren Pflicht, 2,28 das Ziel, aber 2,30 Meter sind unbeschreiblich." Erst als 15. Deutscher in der Geschichte hat der Polizeikommissaranwärter diese magische Höhe unterm Hallendach geknackt – und sich zugleich das Ticket für die WM gesichert. In Doha wird der Wahl-Frankfurter erstmals als Aktiver bei internationalen Meisterschaften starten. "Es ist eine Ehre für mich dabei zu sein", sagt er und schiebt die Begründung gleich hinterher: "Es ist die Chance, mich in der Liga der Weltspitze zu bestätigen."
Werbung
Dazu muss der 23-Jährige, der bis 2006 für den TV Wehr an den Start ging und mit 17 bei der U-18-WM in Sherbrooke (Kanada) mit 2,11 Meter den Titel holte, aber mindestens 2,27 Meter anbieten. "Das wird die Höhe sein, mit der man die Qualifikation am Freitag sicher besteht", hat sich Günther schon ausgerechnet. Springt er so hoch, stünde er im Finale am Sonntag. Die Chancen dafür stehen gut. Der gebürtige Leipziger ist in der Form seines Lebens. Und genau in diesem Moment denkt er an diejenigen, denen er zu Dank verbunden ist. Diejenigen, die ihn nach den Verletzungen der letzten Jahre immer wieder aufgebaut haben. "Es ist Zeit, meinen Eltern zu danken, ohne sie hätte ich das nicht geschafft", lässt der ehemalige Wehrer sein Herz sprechen.
Auch Trainer Jörg Graf, zu dem er nach seinen Anlaufschwierigkeiten in der Mainmetropole wechselte, hat viel mit dem Höhenflug Günthers zu tun. Der Mehrkampftrainer hat mit ihm so einiges durchgestanden. Immer wieder verhinderten hartnäckige Verletzungen ein kontinuierliches Training. Im Oktober wurde Martin Günther am Sprungknie operiert, was zu einer verkürzten Vorbereitung auf die Hallensaison führte. Niedrig waren die Erwartungen an die Hallen-Wettkämpfe: "Wir haben uns nichts vorgenommen. Wir haben nur gesagt, ich muss gesund durchkommen, und dann läuft das von ganz alleine."
Feiern konnte Günther seinen Titelgewinn noch nicht. Zum einen war zwischen vielen Interviewanfragen, Studium und WM-Vorbereitung wenig Zeit, zum anderen geht sein Coach Jörg Graf im September in den Ruhestand. "Die Zusammenarbeit ist super, aber er hört leider auf", bedauert Martin Günther, der dann zu seinem ersten Frankfurter Trainer Günter Eisinger zurückkehren wird. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst muss Martin Günther seine Koffer packen. Heute geht es zur WM nach Doha – vielleicht schon zum nächsten Höhenflug.
Autor: Simon David
