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09. Januar 2016

ROAD TO RIO: "Im Alltag bin ich nicht immer sportlich"

BZ-KOLUMNE (I): Carl Dohmann zieht Straßenbahn dem Fahrrad vor – und setzt seine Olympia-Vorbereitung bald in Südafrika fort.

  1. Mal sitzend, nicht gehend: Carl Dohmann Foto: Patrick Seeger

Carl Dohmann (25) hat sich im vergangenen Jahr als erster Athlet aus Südbaden das Ticket für die Olympischen Spiele vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro gesichert. Der Geher, der in Freiburg lebt, wird in einer Kolumne, die in der Regel am ersten Samstag des Monats im Sportteil der Badischen Zeitung erscheint, über seinen Weg nach Rio (Road to Rio) berichten. Heute fängt er damit an.

Das Jahr 2016 ist im Gange, und die Sportwelt fiebert vor allem auf ein Ereignis hin: Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Ich bin ein in Freiburg lebender Geher und habe mir im Oktober den Traum erfüllt, mich über die 50-Kilometer-Distanz für die Spiele zu qualifizieren. Vielleicht haben Sie mich schon mal an der Dreisam gehen sehen. Zwischen dem Unistadion und Ebnet trainiere ich regelmäßig auf dem Dreisamradweg, immer 2,5 Kilometer flussauf- und flussabwärts. Eine andere Strecke habe ich gegenüber des Bahnhofs Littenweiler. Wenn ich nicht gerade im Trainingslager bin, findet man mich sehr regelmäßig auf einer der beiden Strecken, manchmal auch joggend.

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Mein olympischer Wettkampf ist am 19. August, und ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, an meinem Weg dahin teilhaben lassen. Von nun an jeden ersten Samstag im Monat werde ich von meiner Vorbereitung in Freiburg und in diversen Trainingslagern schreiben, von Wettkämpfen, aber auch etwa über die Vereinbarkeit von Sport und Studium berichten. Letzteres stecke ich im Olympia-Jahr allerdings etwas zurück.

Aber was ist Gehen überhaupt? Gehen ist eine Disziplin in der Leichtathletik, bei der im Gegensatz zum Laufen immer mindestens ein Fuß auf dem Boden sein muss. Das Knie des vorderen Beins muss zudem vollständig durchgestreckt sein, sobald man mit dem Fuß aufsetzt. Kampfrichter überwachen permanent die Einhaltung der Regeln, bei mehrmaligem Verstoß kann man disqualifiziert werden. Das ist mir zweimal 2011 passiert, seitdem bin ich in der Regel ohne größere Beanstandungen durchgekommen. 20 und 50 Kilometer sind die beiden olympischen Distanzen im Gehen, wobei die 50 Kilometer nur Männer gehen dürfen.

Ende 2013 habe ich mich auf die 50 Kilometer spezialisiert und bin auf dieser Strecke bisher zweimal deutscher Meister geworden. Im Alltag bin ich allerdings nicht immer sportlich: Während manch andere Freiburger fast überall hin mit dem Fahrrad fahren, bin ich eher ein begeisterter Anhänger der Straßenbahn. Diese nutze ich auch, um in die Uni zu fahren, wo ich seit 2009 studiere – erst Geschichte, jetzt Volkswirtschaftslehre. Inzwischen bin ich 25 Jahre alt, starte aber immer noch für den SCL Heel Baden-Baden, wo ich seit meiner Kindheit Mitglied bin. Mit neun Jahren war ich mit meiner Familie von Bochum nach Baden-Baden gezogen. In Freiburg wohne ich mit zwei Ringerinnen und einem Ringer zusammen in einer Sportler-WG, die wir über den Freiburger Olympiastützpunkt mieten. Mein langjähriger Trainer ist der ehemalige Topathlet Robert Ihly, der 2000 in Sydney als bisher letzter badischer Geher bei Olympischen Spielen dabei war.

Die Trainingssaison ist schon gut zwei Monate alt für mich. Ende November bis Anfang Dezember war ich zwei Wochen im Auftakttrainingslager im südafrikanischen Stellenbosch – das erste und kürzeste von drei Trainingslagern in Südafrika, die ich bis Ende März absolvieren werde: Das zweite folgt bereits in ein paar Tagen in der Nähe von Dullstroom, einem winzigen Ort in der Höhe. Das dritte wird dann im März in Potchefstroom stattfinden. Wie man merkt, fliehe ich diesen Winter ein wenig vor niedrigen Temperaturen. Vor allem jedoch hole ich mir Kraft aus der Höhenluft – eine beliebte Methode bei Ausdauersportlern. Anfang Februar werde ich deshalb aus Südafrika schreiben und von meinem Training dort berichten – und mal sehen wovon sonst noch. Vielleicht wird mir auch das ein oder andere Zebra über den Weg laufen. Bis dahin!

Autor: bz