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14. April 2010 00:01 Uhr

Schnapsidee?

Rückwärts die Marathonstrecke schaffen

Ralf Klug aus Kandern im Landkreis Lörrach hat eine verrückte Idee: Beim Prag-Marathon am 9. Mai möchte der 46-Jährige die volle Distanz rückwärts laufend absolvieren.

FREIBURG/PRAG. "Die Idee, einen Marathon rückwärts zu laufen, spukt mir schon seit Jahren im Kopf herum", sagt Ralf Klug, der inzwischen seit dreieinhalb Jahren in der Hauptstadt Tschechiens wohnt. Den Entschluss, den Marathon in Prag auf diese Art zu rennen, habe er aber erst vor sechs Wochen, bei der Party nach einem Halbmarathon, getroffen – und angefangen zu trainieren. Als "total kirre" bezeichnete der Online-Chefredakteur der Laufzeitschrift Runner’s World, Claus Dahms, ihn daraufhin. Dahms: "Wenn er es schaffen sollte, ist an ihm auf jeden Fall ein Rückwärtslauf-Talent verloren gegangen." Nachdem sich Klug mit Extremläufer (Treppen-, Rückwärts- und Bergläufer) Thomas Dold aus Steinach im Kinzigtal in Verbindung gesetzt hatte, um ihm über seine Idee und seinen Trainingsstand zu erzählen, meinte auch der nur: "Vergiss es, das schaffst du eh nicht!"

Doch der Weltenbummler Ralf Klug, der bereits fünf Jahre in Neu-Delhi in Indien, sechs Jahre in Kenia, fünf Jahre in Ungarn und davor ein Jahr im Iran gelebt und für das Deutsche Auswärtige Amt gearbeitet hat, glaubt an sich: "Ich habe vom lieben Gott einfach einen recht guten Körper bekommen, so dass ich auch aus dem Stehgreif solche Sachen machen kann." Obwohl er erst wieder mit dem Laufen begonnen hat, seitdem er in Prag lebt ("die fünf Jahre in Neu-Delhi bin ich überhaupt nicht gerannt"), glaubt Klug an sich. Außerdem behauptet er, dass das Gelingen seines Rückwärtslauf-Marathon-Versuchs reine Kopfsache sei.

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Gelingen hin oder her: Großer Aufmerksamkeit sowohl in seinem Heimatland Deutschland als auch in Tschechien kann sich Ralf Klug mit seinem Vorhaben sicher sein. Der Veranstalter des Prag-Marathons hat schon Interesse daran bekundet, das Ganze als ungewöhnliche Randerscheinung anzukündigen und möchte auch die dortigen Medien darüber informieren. Zusätzlich fällt der Familienvater, dessen drei Kindern sein neues, ziemlich ausgefallenes Hobby peinlich ist, bei seinen Mitläufern immer sofort auf. "Die Leute wissen gar nicht so richtig, was sie damit anfangen sollen", sagt er.

Schon früher einmal machte der gelernte Elektromechaniker, der vor seiner Zeit im Ausland sieben Jahre beim Bundesgrenzschutz arbeitete, von sich reden. Als er vor 20 Jahren in München im kompletten Narrenkostüm (allerdings ohne Strohschuhe, dafür über die volle Distanz mit Holzmaske) seiner Geißen-Zunft den Marathon lief, wurde er zum "originellsten Läufer" der Veranstaltung und Ehrenmitglied seiner Geißen-Clique gekürt. Ein Jahr später ging er in Hamburg mit einer Kinderkarre an den Marathon-Start. Mehr als 20 Kilometer des Rennens schob er darin sogar ein Kind mit sich.

Und auch sonst müssen es bei Ralf Klug ausgefallene Sportarten sein: So berichtet er von seinen Meilenstiefeln, mit denen er ab und an durch die Parks von Prag hüpft, vom Trekking bei seinem Aufenthalt in Indien. In Kenia fuhr er sein Mountainbike insgesamt über 8000 Kilometer durch den afrikanischen Busch – und auch Drachen flog er früher gerne. Beim Rückwärtslaufen, so sagt Klug, fühle er sich "ins jüngste Kindesalter zurückversetzt".

Dass es nicht Ruhm ist, der ihn bei seinem neuerlichen Vorhaben antreibt, gibt Klug deutlich zu verstehen. Vielmehr geht es ihm um den Spaß bei der ganzen Sache, wenn er zum Beispiel seinen Mitläufern, die er sonst nur von hinten sehen würde, ins Gesicht schauen kann. Er erzählt: "Ich finde es einfach lustig. Ob das am tatsächlichen Rückwärtslaufen liegt oder an der Reaktion der Leute, weiß ich nicht genau." Außerdem möchte er die Menschen in der heutigen Welt, in der es nur noch um das "höher, schneller, weiter" gehe, zum Nachdenken anregen. "Und zwar darüber", sagt er, "ob wir uns nicht manchmal rückwärts bewegen sollten, um voran zu kommen." Frei nach dem Satz: einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu kommen.

Auch für seinen Schwarzwälder Landsmann, Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat Ralf Klug einen Tipp: "Ich weiß, dass es uns Schwarzwäldern besonders schwerfällt, von unserem einmal eingeschlagenem Weg abzuweichen oder gar rückwärts zu gehen. Aber wichtig ist doch, dass wir unsere Ziele erreichen, oder?"

Das Motto lautet: "Hauptsache durchkommen"

Um sein Ziel zu erreichen, trainiert Klug momentan alle zwei bis drei Tage 12 bis 15 Kilometer. Am vergangenen Freitag lief er das erste Mal 23 Kilometer am Stück rückwärts. Im Vergleich zum Vorwärtslaufen liegen die Unterschiede vor allem bei der Belastung der Waden. "Die werden viel stärker beansprucht, dafür die Kniegelenke aber viel weniger", findet er. Am Wettkampftag rechnet er damit, beinahe das komplette Zeitfenster in Anspruch zu nehmen, also sechseinhalb bis sieben Stunden.

Und somit gilt für Ralf Klug wie für viele der etwa 6500 in Prag startenden Marathonläufer das Motto: "Hauptsache durchkommen."

Autor: Joel Ibrahim