Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

05. Oktober 2017

Laufen

Schwarzwald-Marathon feiert am Sonntag seine 50. Auflage

Wer hier an den Start geht, der ist nicht auf Bestzeiten aus. Der Schwarzwald-Marathon mit Start und Ziel in Bräunlingen punktet mit anderen Attributen als einem schnellen Kurs: Naturerlebnis im Herbstwald und Tradition mit Superlativen. Am kommenden Sonntag erlebt der einst weltgrößte Marathonlauf seine 50. Auflage.

  1. Naturerlebnis bei herbstlicher Stimmung: Läuferinnen und Läufer beim Schwarzwald-Marathon Foto: Reinhardt

BRÄUNLINGEN.

Mit Alleinstellungsmerkmalen wirbt Ausrichter LSG Schwarzwald-Marathon auch im Jubiläumsjahr für den "Klassiker unter den Naturläufen": Die große Runde um das Zähringerstädtchen Bräunlingen sei "als weltältester Natur- und Frauenmarathon eine Legende".

Heimlich oder gar verkleidet hatten einige wenige Frauen in mehreren Ländern schon vor 1968 an Marathonläufen teilgenommen und die 42,195 Kilometer gemeistert – vielen Vorurteilen zum Trotz. Der erste Schwarzwald-Marathon am 6. Oktober 1968 ermöglichte Frauen die Teilnahme, obwohl dies vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht offiziell erlaubt war. Roland Mall, Vorsitzender der Sportvereinigung Donaueschingen und zusammen mit seiner Frau Charlotte Initiator des neuen Laufwettbewerbs auf der Baar, hatte als Trainer positive Erfahrungen mit Sportlerinnen im Ausdauerbereich gemacht: Mall unternahm mit Mädchen Feld-, Wald- und Wiesenläufe bis 20 Kilometer, "ohne dass es dabei zu Ausfällen gekommen sei", ist der Chronik zum 40-jährigen Bestehen des Schwarzwald-Marathons 2007 zu entnehmen.

Werbung


49 der 51 separat gestarteten Frauen kamen bei der Premiere ins Ziel. Nach 4:19:57 Stunden durfte sich Marthel von der Berge aus dem westfälischen Münster als "erste Marathon-Siegerin der Welt" feiern lassen. Der DLV monierte diesen ersten inoffiziellen Frauenlauf nicht – der Weg für künftige Marathonläuferinnen war bereitet, auch wenn der Verband die Zulassung von Frauen erst 1971 genehmigen sollte. Bei den Männern gewann der Schweizer Peter Bhend die Premiere in der Zeit von 2:36:05 Stunden. Die internationale Statistik ARRS – Association of Road Racing Statisticians – vermerkt insgesamt 792 Finisher.

Von Beginn sollte der Schwarzwald-Marathon auch eine Veranstaltung für Breitensportler sein. Ausländische Starter waren ebenso erwünscht. In den Siegerlisten finden sich bis heute Läufer und Läuferinnen aus der Schweiz, Frankreich, Japan, Polen, Kenia, Neuseeland, Äthiopien und Belgien.

Eine Weltpremiere bei Marathonläufen war 1972 die elektronische Zeitnahme und Ergebnisauswertung mit Hilfe eines Kienzle-Computers aus dem nahen Villingen. Diese technische Unterstützung war angesichts ständig steigender Teilnehmerzahlen besonders wichtig geworden. Der Schwarzwald-Marathon hatte sich mit seiner attraktiven Strecke durch Wald und Flur rasch zum weltgrößten Marathon entwickelt – laut ARRS in ununterbrochener Reihenfolge von 1970 bis 1976, wobei die Zahl der Starter, die das Ziel erreichten, von 1040 bis 2143 im Jahr 1975 kontinuierlich wuchs. Danach liefen Stadtmarathons in Metropolen wie New York City und London mit förmlich explodierenden Teilnehmerzahlen dem anstrengenden Kurs in der Schwarzwälder Provinz den Rang ab.

Mitte der 1980er-Jahre erlebte der Bräunlinger Marathon mit mehr als 2000 Finishern eine zweite Blütezeit; 2321 Zielankömmlinge bescherten den Organisatoren 1986 das Allzeit-Hoch. Danach ging’s fast nur bergab, 1995 wurde mit 931 Finishern erstmals nach 1969 die 1000er-Grenze unterschritten. Mit erweitertem Angebot – Halbmarathon, Zehn-Kilometer-Lauf, Walking und Bambinilauf – versuchten die Organisatoren, wieder mehr Teilnehmer zu gewinnen. Den Marathon über zwei Runden auszutragen bewährte sich nicht, nach drei Jahren mit stetig sinkenden Finisherzahlen kehrte man 2005 auf veränderter Strecke zur großen Schleife zurück, die wesentlich besser angenommen wurde. Dennoch sank die Zahl der Marathon-Finisher seit 2009 (555) jährlich bis auf die Tiefstmarke 2016 (297).

"Jubiläen bringen definitiv mehr Läufer", sagt Frank Kliche, Vorsitzender des 2006 von seinem Vorgänger Klaus Banka gegründeten Ausrichtervereins LSG Schwarzwald-Marathon. Für den Marathon haben aktuell 560 Läufer und Läuferinnen gemeldet, für die kompletten zwei Veranstaltungstage rund 2300.

Vor allem die Ausdauerläufer aus der Region lieben "ihren" Marathon nach wie vor. "Das ist doch toll", dass es den weltältesten Frauen-Marathon noch immer gibt, sagt Stefanie Doll (28). Sie hat in Bräunlingen ebenso zweimal gewonnen wie ihr Vater Charly. Warum sie ihren ersten Marathon ausgerechnet dort laufen wollte, sollte sie 2011 erklären. "Ich liebe die Natur", sagt die Hochschwarzwälderin mit Bestzeit von 2:53 Stunden und zählt weitere Vorteile auf: kurze Anfahrt, unkompliziert, keine Hektik. "Es ist in der Heimat und gemütlich im Wald", bekräftigt Charly Doll (63). "Der Naturkurs ist einmalig", schwärmt Meinrad Beha (65). Der spätere Berglauf-Spezialist war seinen ersten Marathon dort 1974 "aus reiner Abenteuerlust" und fast ohne Training gelaufen, später gewann auch er zweimal den Schwarzwald-Marathon.

Alle Serienbeiträge finden Sie unter: http://mehr.bz/badeninbewegung

Autor: Annemarie Zwick