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11. Oktober 2010

Heiße Herzen in nebelfeuchter Kälte

Keine Chance für Weitblick: 1757 Läufer suchen beim Schwarzwald-Marathon vergeblich nach einem goldenen Oktober.

  1. Kein Spaziergang: 1757 Ausdauerspezialisten starten durch Bräunlingens Stadttor. Foto: © direvi

  2. Angriffslustige Verfolger-Gruppe: Der Eisenbacher Rainer Sprich (Startnummer 5) lief ein beherztes Rennen und beendete den Schwarzwald-Marathon auf seiner Lieblingsstrecke als Siebter. Foto: © direvi

  3. Déjà-vu: 23 Jahre nach ihrem ersten Sieg gewann Jacqueline Keller wieder den Marathon in Bräunlingen. Foto: © direvi

  4. In Hubertshofen erwartete die Läufer am Sonntagmorgen mehr Frühwinter als Spätherbst. Dem Nebel zum Trotz gab’s aufmunterndes Gebimmel, montiert auf einen antiken, zum Fahnenstock umfunktionierten Hickory-Ski. Foto: © direvi

LEICHTATHLETIK. Die Wettervorhersage ließ Besseres erwarten für den Marathon-Sonntag gestern in und um Bräunlingen. Cheforganisator Klaus Banka versuchte sich vor dem Start in Optimismus: "Weiter oben ist es schon hell." Weiter oben, etwa bei Hubertshofen, wo die 1271 Halbmarathon- und 486 Marathonläufer und -läuferinnen noch vereint ihre Schleifen zogen, war es immer noch nur neblig und feucht. Doch das störte die zahlreichen Zuschauer an der Strecke, denen im Gras links und rechts neben dem Weg nasse Füße drohten, mehr als dieSchar der Läufer.

Wobei es auch bei diesen unterschiedliche Wahrnehmungen und Vorlieben gibt. Hans-Jörg Dörr, Zweiter des Marathons, fand die Bedingungen "sehr gut", für seinen Bezwinger Josef Beha hätte es dagegen "etwas wärmer sein können". Das hätte wohl auch dem Kollegen gefallen, der sich über seiner kurzen Laufhose für Hemd und Wollpullover entschieden hatte und dennoch bereits nach gut drei Stunden das Ziel erreichte.

Auch Matthias Stegbauer von der LSG Schwarzwald-Marathon hätte sich ein paar Wärmegrade mehr gewünscht. Der 26-jährige Stuttgarter lief mit Mütze, doch schon nach zwei, drei Kilometern habe sein Rücken "zugemacht", er sei anfällig bei kühlen Temperaturen. Die angestrebte Spitzenplatzierung war so nicht zu schaffen, nach 2:44:28 Stunden lief Stegbauer sieben Minuten hinter Sieger Beha als Sechster ins Ziel bei der Bräunlinger Stadthalle. "Ich musste mich so quälen", sagte der Schwabe, dass er von der Landschaft wenig mitgekriegt habe.

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"Ganz hart" wurde das Rennen in der Endphase auch für Josef Beha. Den Bergläufer vom FC Unterkirnach beschlich nach 37 Kilometern das Gefühl, dass sein Verfolger Dörr, den er bei Kilometer 20 überholt hatte, ihm auf den Pelz rückte, während seine Kräfte nachließen. Er habe nicht mehr als 100 Kilometer pro Woche trainiert, bekannte Beha. Deshalb war er auf der zweiten Streckenhälfte langsamer, obwohl es dort überwiegend bergab ging. Dörr witterte seine Chance und versuchte mit der "zweiten Luft" Anschluss zu finden. Doch "am Ende sind wir beide auf rohen Eiern gelaufen", beschrieb Dörr, der sich angesichts seiner 45 Jahre auch im dritten Jahr in Folge über Rang zwei freuen konnte.

Josef Beha schaffte nicht nur seinen ersten Marathon-Sieg in Bräunlingen in persönlicher Bestzeit von 2:37:27 Stunden. Mit seinen Vereinskameraden Lutz Kuhardt und Berthold Seelinger gewann er für den FC Unterkirnach auch die Mannschaftswertung in 8:35:06 Stunden deutlich vor LT Furtwangen (8:57:21) und LSG Schwarzwald-Marathon (9:02:04). Die Teamwertung im Halbmarathon ging ebenso an den FC Unterkirnach mit dem Drittplatzierten Dominik Sowieja. Dahinter platzierten sich die Trios von LG Hohenfels und LT Furtwangen. Das schnellste Frauen-Team stellte der LT Pfohren.

Schnellster Hochschwarzwälder im Marathon war einmal mehr der Eisenbacher Rainer Sprich im Trikot der LG Baar als Siebter (2:44:46) direkt vor dem Bonndorfer Bernd Weishaar (2:52:31).

Autor: Annemarie Zwick (Text) und Dieter Reinhardt (Fotos)