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10. Oktober 2011

Kuschlige Höllenqualen

Bei der 44. Auflage des Schwarzwald-Marathons siegen Stefanie Doll und Hans-Jörg Dörr.

  1. Stolze Siegerin: Stefanie Doll von der SZ Breitnau Foto: reinhardt

BRÄUNLINGEN. Hans-Jörg Dörr (TV Hatzenbühl) und Stefanie Doll (SZ Breitnau) gewannen gestern den 44. Schwarzwald-Marathon um Bräunlingen. Der 46-jährige Pfälzer lief nach 2:45:01 Stunden 51 Sekunden vor dem Schweizer Felix Schenk ins Ziel, Rang drei sicherte sich Rainer Sprich aus Eisenbach (LG Baar/ 2:46:17). Die 23-jährige Hochschwarzwälderin siegte bei ihrer Marathon-Premiere in 3:00:34 Stunden vor der Frankfurterin Katrin Kollmeyer (3:03:31) und Sonja Lutz (SV Kirchzarten/3:13:43). Bei einstelligen Plusgraden erreichten im Marathon 439 der 447 Starter und alle 1134 Halbmarathon-Starter das Ziel.

Das Wetter am Renntag war im Vorfeld des Naturmarathons ein großes Thema, die Prognosen für Sonntag klangen Tage zuvor noch lausig. Doch unerschütterlicher Optimismus sollte belohnt werden. Bei der Anfahrt ging der Regen auf der Windschutzscheibe in höheren Lagen zwar noch in Schneeregen über, doch dann ließ der Niederschlag nach und kurz vor Bräunlingen weckte ein Regenbogen Hoffnung. Ein gänzlich Unerschrockener trabte sich bei der Bräunlinger Stadthalle dann auch schon 70 Minuten vor dem Start in kurzer Hose "warm". Eine Stunde später riet Start- und Zielsprecher Pit Jenniches dem wogenden Läufermeer vor sich, "kuschelt euch zusammen, dann habt ihr warm". Doch bevor sich Behaglichkeit ausbreiten konnte, kündigte der wortgewaltige Animateur schon "Höllenqualen" an – zur Begründung des Songs "Hells Bells" der Hardrocker AC/DC, der die Meute auf die Strecke trieb.

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Von Höllenqualen mochte Hans-Jörg Dörr nach seiner Rückkehr nicht gerade sprechen, aber er gab offen zu, dass es ihm nicht gut ging. Er wisse, es sei kurios, das als Sieger zu sagen, meinte der 46-Jährige fast entschuldigend, "aber es war mein schlechtester Wettkampf hier". Bis Kilometer 25 lief’s richtig gut, erzählte der Mann, der nach seinem Sieg 2007 dreimal Zweiter war in Bräunlingen. Doch danach "machten die Oberschenkel zu" und fühlten sich an wie Blei. Die restlichen 17 Kilometer empfand Dörr als übel. Er hatte den Eindruck, er stehe. Tatsächlich bewegte er sich flott genug, um seinen Vorsprung ins Ziel zu retten. Dort bedauerte er, den zweiten Sieg bei seinem Lieblingslauf nicht auskosten und die Atmosphäre nicht zurückgeben zu können, weil sein Kreislauf nicht mitspielte. Aber, so Dörr, es sei ihm eine Herzensangelegenheit, 2012 wieder in Bräunlingen zu laufen: "Es ist einfach ein wunderschöner Naturlauf."

"Einfach nur glücklich" fühlte sich Stefanie Doll im Ziel. Nach 23 Kilometern hatte sie sich von ihrer Begleiterin Katrin Kollmeyer gelöst, auch die nächsten zwölf Kilometer seien noch relativ einfach gegangen. Von Kilometer 35 an wurde es wie für viele auch für die frühere Kader-Biathletin aus Breitnau zäh, doch ihr Sieg geriet nie in Gefahr. Das Wetter fand die 23-jährige Schwarzwälderin, die sich in Freiburg zur Physiotherapeutin ausbilden lässt, trotz eiskalter Hände und teils matschiger Strecke perfekt.

Wenig bis gar nichts bekamen die Rettungskräfte des Roten Kreuzes zu tun, wie ein Notarzt gegen Rennende verriet. Nur acht Marathonläufer gaben auf. Die vielleicht letzte Herausforderung des Tages lauerte in Form von sechs Alustufen hoch in den Dusch-Truck – vielleicht litt da doch noch mancher Höllenqualen.

Autor: Annemarie Zwick