So langsam wie noch nie

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Mo, 27. November 2017

Leichtathletik (regional)

Ein gebürtiger Pole läuft in Reichenbach der Konkurrenz "über Berge und Kurven" davon / Bei den Frauen siegt Kirstin Sander aus Biberach.

LAUFSPORT. Marcin Blazinsk kam, sah und siegte: Der aus Polen stammende Athlet, der für die LG Nordschwarzwald startet, überraschte mit seinen 31:27 Minuten auch die regionale Laufszene. Felix Köhler‚ fünffacher Sieger des Nikolauslaufs der LG Geroldseck Lahr, kam am Samstag als Zweiter exakt eine Minute später ins Ziel, gefolgt von Bruno Schumi.

"Wir konnten die Anfangsgeschwindigkeit, die wir gemeinsam hatten, nicht halten", sagt Felix Köhler nach dem Zieleinlauf. So langsam wie beim 26. Nikolauslauf sei er noch nie gelaufen. Köhler führt dies auf die Feuchtigkeit zurück. Immerhin hatte es fast bis zum Start geregnet und Wolfgang Ehret-Weber befürchtet, dass der Jubiläumslauf buchstäblich ins Wasser fallen würde.

Der Vorsitzende der LG Geroldseck Lahr steht mit einer Art Vuvuzela an der Laufstrecke und heizt die Läufer an. Während alle auf die rund 80 Walker konzentriert sind, macht ein einsamer Läufer das Rennen. Marcin Blazinsk und im Ziel wird er schon von seiner Frau und den beiden kleinen Kindern erwartet. Für Marcin Blazinski, der seit Oktober 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war es ein Trainingslauf. Der 28-Jährige spricht kaum Deutsch. Das wurde dem Spitzenathlet bereits in der Vergangenheit zum Verhängnis. Drei verpasste Dopingproben führten zu einer Sperre. Er will auf internationaler Bühne für Deutschland starten. Den Frankfurt Marathon lief er in einer Spitzenzeit von 2:17 Stunden. Wie kommt ein solches Laufwunder ausgerechnet nach Reichenbach?

"Ich habe das zufällig im Internet entdeckt", sagt der Topathlet, der 2013 beim Marathon in Düsseldorf mit einer persönlichen Bestzeit von 2:14:45 Stunden ins Ziel kam. "Ich wohne in Schramberg und dachte mir, lauf da mal mit", so Blazinski. Die Laufstrecke sah er als schwierig an, weil im Gegensatz zu Frankfurt und Düsseldorf, wo durch Häuserschluchten auf Asphalt gelaufen wird, "die Strecke nicht flach ist", so der gebürtige Pole. Zudem gebe es "Berge und Kurven".

Bei den Frauen kam die gesetzte Kirstin Sander vom TV Biberach als Erste ins Ziel mit 39:07 Minuten. Flora Colledge wird Zweite in 40:28 Minuten. Als dritte Frau lief Jara Geissler vom Running Team Ortenau in 43:03 Minuten ins Ziel.

"Die Masse läuft lieber auf solchen Strecken."

Bruno Schumi
Trotz lausiger Temperaturen und nicht gerade idealem Laufwetter ist der Run auf den Nikolauslauf ungebremst. Zwischen 350 und 400 Läufer seien in der Regel dabei, so Wolfgang Ehret-Weber. Worin liegt der Reiz für die Athleten? Der Vorsitzende vermutet, weil es der letzte Lauf des Jahres sei. Und die Athleten? Manche laufen aus Solidarität, andere sehen es als Trainingslauf an. Viele schätzen die familiäre Atmosphäre und die Strecke mitten in der Natur. "Beim Stadtlauf hast du viele Zuschauer. Die Masse läuft lieber auf solchen Strecken", sagt Bruno Schumi. Der Lörracher Athlet sagt aber auch, "auf unserem Niveau müssen wir das ganze Jahr trainieren."

Alle Ergebnisse im Internet unter: http://www.lg-geroldseck-lahr.de