Stefanie Doll klettert zur WM

Winfried Stinn und Annemarie Zwick

Von Winfried Stinn & Annemarie Zwick

Mi, 01. August 2018

Leichtathletik (regional)

Die Breitnauerin und der Neustädter Lehrer Benedikt Hoffmann qualifizieren sich in Tirol für die Berglauf-Weltmeisterschaft.

LEICHTATHLETIK. Die für den SV Kirchzarten startende Breitnauerin Stefanie Doll belegte beim 30. Internationalen Schlickeralmlauf in Telfes/Tirol als zweitbeste deutsche Läuferin einen ausgezeichneten vierten Platz. Der Lauf galt als Qualifikationsrennen für die Berglauf-Weltmeisterschaft am 16. September in Andorra – eine Hürde, die die Hochschwarzwälderin souverän nahm. Der DLV nominierte Stefanie Doll für die Berglauf-WM. Auch der Ex-Freiburger Benedikt Hoffmann, bis zum Schuljahresende Lehrer in Titisee-Neustadt, belegte Rang vier, war damit bester Europäer und sicherte sich ebenfalls das WM-Ticket.

Der Schlickeralmlauf zählt mit einer Länge von 11,5 Kilometern und einem Höhenunterschied von 1100 Metern zu den anspruchsvollsten Bergläufen Europas. Mehrmals wurden auf dieser Strecke Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. Im Jubiläumsjahr wurde auch die österreichische Staatsmeisterschaft ausgerichtet. Entsprechend stark war der Lauf besetzt, umso bedeutender war der vierte Platz von Stefanie Doll. In den vergangenen Monaten war die Breitnauerin, die jetzt im Breisgau lebt, in der Region von Sieg zu Sieg geeilt und hatte dabei alle Streckenrekorde verbessert. Einen besonders starken Eindruck hinterließ sie beim Oberrieder Tote-Mann-Berglauf, bei dem sie vor zwei Wochen den Streckenrekord von Melanie Noll um mehr als zwei Minuten verbesserte.

Dort zeigte sich auch der frühere Weltklasseläufer Wolfgang Münzel begeistert. "Ich traue Stefanie Doll zu, in die europäische Spitze zu laufen, rate ihr aber dringend, sich jetzt auch mal der internationalen Konkurrenz zu stellen." Eine Aufforderung, der Doll mit dem Start beim Schlickeralmlauf nachkam. Nach vier Kletterkilometern rangierte sie sogar an zweiter Stelle, nur die sechsmalige Berglauf-Weltmeisterin Andrea Mayr (Österreich), die das Rennen überlegen gewann, lag vor ihr. Belastet durch Magenkrämpfe fiel Stefanie Doll dann auf Rang sechs zurück, konnte sich aber bis ins Ziel wieder auf Platz vier vorkämpfen. Nach famosen 1:10:22 Stunden erreichte sie das Ziel auf dem 2136 Meter hoch gelegenen Kreuzjoch und distanzierte, mit Ausnahme der Weltklasseläuferin Michelle Maier (Rosenheim), die gesamte deutsche Berglauf-Elite.

"Am Berg rennt man

fast immer am Limit."

Stefanie Doll über die Kletterei
"Ich kenne mich in der Berglaufszene noch nicht so gut aus, so war es für mich schwer einzuschätzen, welchen Platz ich letztendlich erreichen würde", so Doll. "Ich bin ohne Erwartungen ganz entspannt an den Start gegangen, denn ich hatte ja nichts zu verlieren." Die vielen Höhenmeter auf kurzer Strecke und dann noch die Hitze hätten sie extrem gefordert. "So ein Berglauf ist nicht zu vergleichen mit einem flachen Straßenlauf, es verlangt viel mehr Konzentration und man rennt fast immer am Limit." Sehr zufrieden, so Doll, sei sie mit ihrer Leistung: "Ich freue mich riesig, dass ich jetzt zur Weltmeisterschaft darf."

Beeindruckt von Dolls Können zeigte sich der Berglaufwart des Deutschen Leichtathletikverbandes, Kurt König (Mittenwald). "Ich habe ihre Leistungsentwicklung in den vergangenen Monaten, vor allem beim Tote-Mann-Berglauf, mitbekommen. Aber was sie beim Schlickeralmlauf geleistet hat, ist einfach sensationell", so König gegenüber der BZ. Nun wird Stefanie Doll am 16. September bei der Berglauf-Weltmeisterschaft starten. Damit knüpft sie an die Erfolge ihres Vaters Charly an, der vor 32 Jahren bei der Berglauf-WM im italienischen Sondrio die Bronzemedaille gewonnen hatte.

In 1:00:15 Stunden lief Benedikt Hoffmann hinter drei starken Ostafrikanern ebenfalls auf Rang vier. Tagessieger Geoffrey Ndungu (Kenia) war 2:35 Minuten schneller. Der drittplatzierte Isaac Kosgei ist mittlerweile Österreicher und holte sich den Titel des Staatsmeisters. Der 33-jährige Hoffmann ging das Rennen passiv an, wie er der BZ berichtete. Die Strecke sei sehr anspruchsvoll, weil flache und sehr steile Passagen ständig wechselten. Zudem fordere die Beschaffenheit des Untergrunds den Startern hohe lauftechnische Fähigkeiten ab. Nach zwei Kilometern begann der steile Anstieg. Bis Kilometer fünf arbeitete sich Benedikt Hoffmann von Rang zehn auf den siebten Platz vor. Seite an Seite mit dem Österreicher Simon Lechleitner überholte er auf den nächsten drei Kilometern den aktuellen deutschen Berglaufmeister Maximilian Zeus (Regensburg) und Manuel Innerhofer (Österreich). Im letzten steilen Anstieg griff der Deutsche an und konnte sich entscheidend distanzieren. Isaac Kosgei war nun in Sichtweite, konnte seinen Vorsprung von 29 Sekunden aber behaupten.

Als schnellster Deutscher hat sich das vielseitige Lauftalent für die Berglauf-WM in Andorra qualifiziert. Seit 2013 wurde Hoffmann jedes Jahr für die Europa- oder Weltmeisterschaft im Berglauf nominiert. Diese Kontinuität sei aktuell einzigartig, so Hoffmann. Der Abstand der schnellsten vier deutschen Läufer, die sich beim Schlickeralmlauf für die WM qualifizierten, betrug lediglich 1:41 Minuten. Im Falle einer geschlossenen Mannschaftsleistung sieht Hoffmann deshalb für das deutsche Team gute Chancen auf eine WM-Platzierung unter den Top fünf.