Stefanie Doll stolz auf DM-Silber

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 04. September 2018

Leichtathletik (regional)

Benedikt Hoffmann Sechster bei Berglauf-Meisterschaft im Harz.

BERGLAUF. Beim ältesten Berglauf Deutschlands feierte eine Newcomerin einen ihrer größten sportlichen Erfolge: Stefanie Doll wurde auf dem Brocken deutsche Vizemeisterin im Berglauf. Dagegen war Benedikt Hoffmann, der deutsche Vizemeister des Vorjahres, nach dem 11,7 Kilometer langen Titelrennen im Nationalpark Harz von seinem sechsten Platz enttäuscht. Beide hatten sich schon zuvor für die Weltmeisterschaft am 16. September in Andorra qualifiziert.

Für die Hochschwarzwälderin, die bei Laufwettbewerben für den SV Kirchzarten startet, ist der Berglauf noch Neuland. "Ich bin ja ganz neu in der Szene", sagt Stefanie Doll, die deutsche Meisterschaft in Sachsen-Anhalt war gerade mal ihr drittes Rennen in der Disziplin, in der ihr Vater Charly Doll vor Jahrzehnten deutsche Meistertitel errang und weitere namhafte Erfolge feiern konnte. Die Marathonläuferin, die Siege in Freiburg und beim Naturklassiker in Bräunlingen vorzuweisen hat, erlebte ihre Premiere am Berg erst vor sechs Wochen: Beim Tote-Mann-Berglauf in Oberried ist "alles ins Rollen gekommen, weil ich da so gut war", erzählt die Breitnauerin. Sie verbesserte den Streckenrekord der früheren Deutschen Meisterin Melanie Noll (TuS Heltersberg) um mehr als zwei Minuten, nur drei Männer kamen vor ihr ins Ziel.

Bei ihrem ersten DM-Start liebäugelte Stefanie Doll mit einem Platz auf dem Siegerpodest. Ihre Taktik beim Start auf dem Marktplatz von Ilsenburg, nur 252 Meter über dem Meeresspiegel: erst mal "mitrennen". Bis zum Ziel auf dem 1142 Meter hoch gelegenen Brocken-Gipfel waren 890 Höhenmeter zu überwinden. Bei Topbedingungen – trocken, acht, neun Grad, recht windstill – sorgte Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) für hohes Tempo. Doll blieb nach dem anfänglichen Flachstück auch auf der folgenden technisch anspruchsvollen Passage mit Steinen und Wurzeln an der 19-Jährigen dran. Erst auf den letzten drei sehr steilen Kilometern auf Betonplatten, früher eine Panzerstraße im Grenzgebiet zur DDR, musste sie die Hessin ziehen lassen, die im Vorjahr sowohl im Berglauf als auch über 3000 Meter Hindernis auf der Bahn Europameisterin der Altersklasse U 20 geworden war. Lisa Oed wurde Deutsche Meisterin mit der Zeit von 58:28 Minuten, Stefanie Doll sicherte sich nach 59:19 Minuten klar die Vizemeisterschaft vor der lange verletzten Sarah Kistner (MTV Kronberg/1:00:21 Stunden), der Meisterin von 2017. Von den 106 Frauen im Ziel blieben nur Oed und Doll unter einer Stunde, von den 237 männlichen Finishern der DM-Wertung waren lediglich 33 schneller unterwegs als die zähe Hochschwarzwälderin.

Beim letzten Test vor ihrer WM-Premiere war Stefanie Doll sehr zufrieden auch mit ihrer Laufzeit und dem Abstand zu ihren Konkurrentinnen. Und nach einem der größten Erfolge ihrer bisherigen Karriere, zu denen auch der Sieg beim "kleinen Rucksacklauf" im Skilanglauf zählt, ist die Physiotherapeutin nach eigener Einschätzung jetzt "etwas bekannter in der Läuferszene". Für die WM will sie sich keinen Druck machen: Nach ihrer langen Verletzungspause im Frühjahr sei "gerade alles Zugabe".

Rang sechs mit 2:22 Minuten Rückstand auf den alten und neuen Meister Maximilian Zeus (Regensburg/51:11) – damit ist Benedikt Hoffmann der Favoritenrolle nicht gerecht geworden, die ihm einige Insider zuschrieben, nachdem er bei der WM-Qualifikation im Stubaital als Vierter bester Deutscher gewesen war. Und der 33-jährige Lehrer, der bis zum vergangenen Schuljahr in Titisee-Neustadt unterrichtet hatte, war selbst enttäuscht über "mein schlechtestes Ergebnis bei einer deutschen Berglaufmeisterschaft". Doch die Strecke auf den höchsten Berg Norddeutschlands sei nicht mit dem Schlickeralmlauf zu vergleichen. Besonders die ersten fünf Kilometer seien relativ flach. "So eine schnelle Pace gibt es eigentlich nicht bei einer deutschen Berglaufmeisterschaft", kommentiert Hoffmann den Kilometerschnitt von Sieger Maximilian Zeus von 4:22 Minuten.
Doch sein "schlechtes Abschneiden" liege sicher nicht nur an der Strecke, sagt Hoffmann selbstkritisch. Besonders am Ende im steileren Streckenabschnitt habe ihm die Power gefehlt und er hatte mit muskulären Problemen zu kämpfen. Als ihm klar wurde, dass eine bessere Platzierung nicht mehr möglich sei, habe er den sechsten Platz verteidigen wollen. Das gelang, doch auf den letzten drei Kilometern habe er noch viel Zeit verloren. Möglicherweise sei sein Höhentrainingslager in St. Moritz etwas zu knapp vor dem Wettkampf gelegen. Nun wird er sich gezielt auf die Berglauf-WM vorbereiten. "Ich habe einiges wieder gutzumachen", kündigt Hoffmann kämpferisch an.