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28. April 2010
"Leistung müsste honoriert werden"
BZ-INTERVIEW mit Andrea Kilian, die Veränderungen im Schulsystem fordert – unter anderem die Abschaffung des Beamtenstatus’.
DACHSBERG. Andrea Kilian hat mehrere Jahre als Lehrerin und Schulleiterin in verschiedenen Bundesländern gearbeitet. Seit einiger Zeit ist sie vom Schuldienst beurlaubt und arbeitet als Buchautorin. Die 44-Jährige findet, dass sich am Schulsystem einiges ändern muss. Darüber sprach die Neu-Dachsbergerin im Interview mit BZ-Redakteurin Kathrin Blum.
BZ: Frau Kilian, bereuen Sie es, Pädagogin geworden zu sein?Kilian: Lehrerin mit Verantwortung zu werden war immer mein Traumberuf. Leider bin ich mittlerweile ziemlich desillusioniert, weil engagierte Pädagogen immer wieder auf Hindernisse stoßen und gegen Wände rennen, die es eigentlich nicht geben dürfte.
BZ: Auch viele Eltern sind vom Schulsystem enttäuscht. Müttern und Vätern geben Sie in Ihrem Buch Tipps, wie sie sich gegenüber Schulleitungen und Lehrern verhalten sollen, wenn es nicht funktioniert zwischen Schülern und Schule. Stehen Sie nicht auf der falschen Seite, um einen Elternratgeber zu schreiben?
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BZ: Aber Sie haben keine Kinder.
Kilian: Nein, ich habe leider keine eigenen Kinder. Aber ich habe drei Stiefkinder. Dadurch und durch viele Gespräche mit anderen Eltern kenne ich die Probleme und Sorgen.
BZ: Sie fordern von den Eltern mehr Mut. Warum?
Kilian: In meiner Zeit als Schulleiterin habe ich es erlebt, dass Eltern ihre Kinder von der Schule genommen haben und erst hinterher erklärten, warum. Mit diesem oder jenem Lehrer habe es nicht funktioniert. Wenn sie den Mut gehabt hätten, vor diesem drastischen Schritt Kontakt mit der Schulleitung aufzunehmen, hätte man nach Lösungen suchen können.
BZ: Wie können solche Lösungen aussehen? Lehrer sind Beamte und können nicht so leicht gekündigt werden, wie beispielsweise ein Angestellter, wenn er Fehler macht.
Kilian: Das ist einer der Punkte, den ich anprangere. Der Beamtenstatus bei Lehrern muss abgeschafft werden.
BZ: Mit dieser Forderung machen Sie sich unter Kollegen wohl keine Freunde.
Kilian: Mag sein. Und trotzdem: Ich fände es sehr wichtig, das Beamtentum aufzuheben. Es gibt etliche engagierte Pädagogen, die viel Zeit und Kraft in ihre Arbeit investieren.
BZ: Aber es gibt eben auch andere.
Kilian: Leider ja – es gibt diese Lehrer, die vormittags recht und nachmittags frei haben und deren größter Anreiz für diesen Beruf die Ferien sind. Ohne Beamtenstatus gäbe es mehr Anreiz sich anzustrengen und es gäbe mehr Wettbewerb. Leistung müsste honoriert werden.
BZ: Sie plädieren außerdem für eine strengere Auswahl, wer Lehrer werden darf und wer nicht.
Kilian: Ja, denn es ist leider so, dass es auch ungeeignete Kandidaten durchs Studium und das Referendariat schaffen. Und irgendwann sind sie dann Beamte und bleiben ein Leben lang Lehrer.
BZ: Wo wir wieder beim Punkt von vorhin wären. Was nützt es, wenn Eltern das Gespräch mit der Schulleitung suchen?
Kilian: Wenn es eine engagierte Schulleitung ist, der die Schüler am Herzen liegen, werden sich Möglichkeiten finden, wie man ein Problem in den Griff bekommt. Leider gibt es eben auch Schulleitungen, die aus gleichgültigen Bürokraten bestehen. Trotzdem würde ich zu einem Versuch raten. Und erst wenn es gar nicht anders geht mein Kind von der Schule nehmen.
BZ: Sie sind gerade beurlaubt, weil Sie mit dem System hadern und eine Auszeit wünschten. Was müsste sich ändern, damit Sie in den Schuldienst zurückkehren?
Kilian: An erster Stelle fehlt es natürlich an Geld. Unser Schulsystem ist absolut unterfinanziert. Am dreigliedrigen Schulsystem würde ich trotzdem festhalten. Allerdings fordere ich, dass es durchlässiger wird und die Hauptschule nicht länger zur Restschule degradiert wird. Es gibt bei uns keine Bildungsgerechtigkeit. Mit mehr finanzieller Unterstützung und einer sorgfältigeren Auswahl des Personals wäre schon vieles besser. Außerdem müsste die Politik Schule mehr unterstützen und nicht nur öffentlichkeitswirksame Scheinreformen zu Wahlkampfzeiten versprechen.
Autor: kbl
