Ernst Hutter unterrichtet

Leiter der Original Egerländer Musikanten gibt Workshop

Karin Stöckl-Steinebrunner

Von Karin Stöckl-Steinebrunner

Mo, 11. Februar 2019 um 17:00 Uhr

Rickenbach

Ernst Hutter, der Leiter der Original Egerländer Musikanten, beeindruckt Musiker aus der Region bei einem Workshop mit seiner Emotionalität

Gemeinsam mit der Jugendmusikschule Bad Säckingen hatte der Musikverein 1860 Rickenbach für Samstag in das Probelokal des Musikvereins in der Grundschule in Rickenbach zu einem Workshop mit dem Leiter der Original Egerländer Musikanten eingeladen. Schnell war die Veranstaltung ausgebucht, 55 Teilnehmer waren aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus gekommen, um von Ernst Hutter Tricks und Kniffs zu lernen, diese Art von Blasmusikrepertoire dem Publikum optimal zu vermitteln.

Den Vormittag hatte die Jugendmusikschule genutzt, um sich in Form von Registerproben, die von den eigenen Lehrkräften abgehalten wurden, den Teilnehmern zu präsentieren. Danach hielt Ernst Hutter noch vor der Mittagspause ein Impulsreferat, in dem er die Stationen seiner musikalischen Laufbahn darlegte einschließlich der Mentoren, die ihn selbst immer wieder neu motiviert hatten, sich intensiv mit der Blasmusik zu beschäftigen. Hutter war unter anderem Soloposaunist der SWR-Bigband und ist seit zehn Jahren Nachfolger des legendären Ernst Mosch.

Im Anschluss an die Mittagspause leitete Hutter dann zwei Probenmodule, in denen er auf die teilweise am Vormittag bereits durchgenommenen Stücke näher einging.

Hatten die Teilnehmer schon in der Mittagspause begeistert vom Enthusiasmus Hutters berichtet, von der Emotionalität seines Vortrags und dem Herzblut, mit dem er für jeden spürbar musiziere, so machte Ernst Hutter in den Nachmittagsproben auch selbst deutlich, dass es ihm in erster Linie genau um dieses Engagement jedes Einzelnen gehe. Fehler, so Hutter, seien nicht so wichtig, vor allem dürfe man nicht Fehlern, die passiert seien, hinterhersinnen, denn dann verliere man das Musizieren aus dem Blick. Stattdessen gelte es, den Augenblick auszukosten, stets präsent zu sein, beim Musizieren sozusagen immer "auf der Stuhlkante" zu sitzen.

Ungeachtet dessen, dass Hutter an diesem Nachmittag im Grunde mit der dreifachen seiner üblichen Egerländer-Besetzung arbeitete, wobei zudem ein gewisses Ungleichgewicht zwischen der Stärke der einzelnen anwesenden Register nicht zu verheimlichen war, ging er als Profi in Sachen lebendiger Darstellung aber auch ganz bewusst ins Detail. Dazu nahm er auch mehrfach eines seiner drei mitgebrachten Instrumente zur Hand, spielte eine Phrase mal "nach Noten", dann zum Vergleich mit lebhafteren Akzenten, deutlicheren Spannungsbögen, schärferen Kontrasten.

Das wichtigste Charakteristikum der Egerländer Blasmusik sei ihre bewusst eingängige Liedhaftigkeit, erklärte Hutter. Die müsse zur Geltung kommen. Dazu sei es notwendig, dass jeder Musiker nicht nur seine eigene Stimme, sondern darüber hinaus den Gesamtklang im Ohr habe. Er müsse im Zusammenspiel mit den übrigen Stimmen agieren, sich der Melodiestimme unterordnen, seinen Anteil zum dynamischen Auf und Ab von Crescendo und Decrescendo beitragen.

Zur Verwunderung mancher Teilnehmer riet Hutter, bei Artikulation und Rhythmus der Egerländer Musik durchaus immer auch ein swingendes, jazziges Feeling im Hinterkopf zu haben und brachte auch sofort ein klingendes Beispiel dazu zu Gehör.

Im Grunde kann man als eines der sinnfälligsten Ergebnisse dieses Workshops festhalten, dass die Grundprinzipien, die Hutter den Musikerinnen und Musikern für ihr Musizieren vermittelte, auf jede Art von musikalischer Betätigung anwendbar sind. Wer es schafft, diese zu verinnerlichen und auch in der Praxis anzuwenden, wird von diesem Workshop mit Sicherheit dauerhaft profitieren.