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19. Mai 2017 17:31 Uhr

Lenzkirch hadert mit Titisee-Neustadt

Enttäuschung über Gemeinschaftsschul-K.O.

LENZKIRCH. Mit der Gemeinschaftsschule hat der Gemeinderat Lenzkirch in seiner Sitzung am Donnerstagabend abgeschlossen. Die letzte kleine Chance für die Haslachgemeinde hatte am Dienstag der Gemeinderat Titisee-Neustadt zerschlagen, als er beschloss, Lenzkirch nicht den Vortritt zu lassen (die BZ berichtete). Das Aus nach fünf Jahren Einsatz mit viel Herzblut, Engagement und Enthusiasmus für ein – nach eigener Einschätzung – zukunftsfähiges Schulmodell in Lenzkirch kam nicht gut an.

"Die letzte kleine Chance", sagte Bürgermeister Reinhard Feser, "ist uns von Titisee-Neustadt vernichtet worden."

Damit sah er keine Möglichkeit mehr, und der Beschlussvorschlag lautete demzufolge, keinen Antrag mehr zu stellen.

Feser richtete seinen Blick voraus: "So traurig das ist, die jetzige sechste Klasse ist die letzte unserer Werkrealschule, die in drei oder vier Jahren die Schule verlässt. Dann haben wir nur noch die Grundschule mit 40 Kindern pro Jahr."

Eine Herausforderung werde dann die Schülerbeförderung sein, fuhr er fort, schon seit fünf Jahren weise er darauf hin.

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Derzeit gehen 80 Schüler auf die Werkrealschule in Lenzkirch. Das ändere sich in den nächsten Jahren, wenn nach und nach ab der sechsten Klasse immer Lenzkircher Schüler nach Neustadt oder Bonndorf mit dem Bus zur Schule fahren.

Es müssen dann 80 Schüler mit Bussen zu anderen Schulen fahren, weil sie am Ort keine Schulmöglichkeit haben. "Irgendwann ist es Zeit einen Schlussstrich zu ziehen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren", sagte Feser.

Sascha Phlippen war schwer enttäuscht von der SPD in Titisee-Neustadt, die, "obwohl Neustadt keine Kohle" hat, für die Gemeinschaftsschule ist. "Neustadt braucht von uns nichts mehr zu erwarten", sagte er. Kämpferisch fuhr er fort: "Ich bin der festen Überzeugung wir brauchen den Schulstandort." Vielleicht ändere sich ja etwas bei den Landtagswahlen – und wenn nicht, "dann können wir einpacken". Er appellierte an alle, doch "Mut zu zeigen und an einer anderen Lösung zu basteln."

"Das ist für uns eine schlechte Situation", fand Johannes Metzger, "letztendlich ist es nicht an uns gescheitert, sondern an den gesetzlichen Vorgaben der Landesregierung, die ganz stringent umgesetzt werden und daran, dass es keine Lösungen gibt, die sich an den tatsächlichen Örtlichkeiten orientieren."

"Wenn nichts geht, dann

ist es im Endeffekt ein

Betrug an allen Schülern

im Hochschwarzwald."

Jan Tisch-Rottensteiner
Metzger sagte, er werde niemals dafür stimmen, dass sich Lenzkirch in irgendeiner Form finanziell an einer Gemeinschaftsschule Titisee-Neustadt beteiligt.

Ob es denn keine Möglichkeit gebe, etwas Gemeinsames mit der Realschule in Bonndorf zu machen, warf Werner Pröller ein. Diese Möglichkeiten seien abgefragt worden, erwiderte Feser. Das sei schwierig: Eine Außenstelle müsse zweizügig sein in jedem Jahrgang. Eine Außenklasse wäre nur machbar, wenn es in Bonndorf keine eigenen Schulräume mehr gibt. Und die Südbadenbus in Neustadt und in Waldshut haben keine Möglichkeiten, mehr Busse einzusetzen. Pröller blieb hartnäckig und forderte weiter, es nochmal zu versuchen, gebe es doch jetzt dort einen neuen Rektor. Feser sagte zu, das Gespräch zu suchen.

Jan Tisch-Rottensteiner: "Wenn Titisee-Neustadt die Gemeinschaftsschule machen will und nichts geht, dann ist es im Endeffekt ein Betrug an allen Schülern im Hochschwarzwald. Es bleibt uns nur zu hoffen, dass etwas geht." Aus den Reihen des Gremiums wurde spontan ergänzt, es wäre dann ein Betrug "an allen Menschen im Hochschwarzwald."

Enttäuscht und traurig hoben alle Räte die Hand für den Beschlussvorschlag, keinen Antrag für eine Gemeinschaftsschule mehr zu stellen.

Autor: Eva Kerinth