Nachdenken über Nahwärme lohnt

Hans-Jochen Köpper

Von Hans-Jochen Köpper

Do, 14. März 2013

Lenzkirch

In Saig wäre ein größeres Projekt im Ortskern und kleinere Anlagen in den Außenbezirken denkbar / 40 Besucher beim Infoabend.

LENZKIRCH-SAIG. Ein Nahwärmeprojekt hält Diplomingenieur Christian Neumann auch in Saig für möglich. Ein zentral gelegenes Nahwärmeprojekt im Ortskern böte größte Chancen. Beim Informationsabend stellten Bürger Fragen zu Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Kosten. Ein Fragebogen zur Nahwärme kommt in zwei Wochen in alle Saiger Haushalte.

Zwei Wochen nach einem Infoabend über Nahwärme in Kappel fand in Saig die zweite, ebenfalls vom Naturpark Südschwarzwald geförderte Veranstaltung zum Thema, "Chancen und Risiken einer Nahwärmeversorgung", statt. 40 Zuhörer folgten im Haus des Gastes den Ausführungen von Ingenieur Neumann von der Regio Energieagentur Freiburg und von Roland Pfisterer von der Bürger Energie Lenzkirch.

Dass der Ölpreis derzeit nur die Richtung nach oben kennt, ist bekannt. Obwohl Restholz in den vergangenen zehn Jahren teurer geworden ist, bieten Hackschnitzel eine attraktive Alternative zum fast drei Mal so teuren Öl. Deshalb, so Neumann, lohne es sich, über eine Nahwärmeversorgung für Saig nachzudenken. Anhand seiner Erfahrungen mit bereits realisierten Projekten sieht er für Saig folgende Möglichkeiten: Jährlich 8500 Megawatt Wärmebedarf und 2400 Megawatt Stromverbrauch für 190 Gebäude entsprächen einer Kaufkraft von 1,25 Millionen Euro. Davon kann bei einer regionalen Nahwärmeversorgung mit Hackschnitzeln ein beträchtlicher Teil in der Region verbleiben, anstatt wie beim Ölkauf abzufließen.

Die Grundidee ist denkbar einfach: Ein Heizhaus, das mit einer modernen und effizienten Hackschnitzelfeuerung über gut isolierte Erdleitungen nahe gelegene Gebäude mit Wärme versorgt. Die Vorteile wären der Wegfall der eigenen Heizung im Haus, damit Platzgewinn, keine Wartungskosten, keine Rücklagenbildung für Erneuerungen und eine Kostenersparnis. Am Beispiel des Hotels Hochfirst im Ortskern von Saig könnte damit eine Reduzierung von bis zu 15 Prozent der Heizkosten erzielt werden.

Der einheimische Wald wirft genügend Restholz ab

Die Frage, ob der einheimische Wald dafür auch genügend Restholz abwirft, beantwortete Neumann anhand eines Vergleichs: Ein mögliches Nahwärmeprojekt im Ortskern von Saig mit 46 Teilnehmern, darunter die Großabnehmer Kirche mit Pfarrhaus, Rathaus, Feuerwehr, Kindergarten, Hotel Ochsen und Hotel Hochfirst und das Haus des Gastes würden etwa 1800 Megawatt Wärme brauchen. Der Saiger Wald erlaube, je nach Einbeziehung von Privat-, Staats- und Gemeindewald eine nachhaltige Restholz-Energieentnahme von 400 bis 3800 Megawatt. Eine große Lösung wie in Kappel denkbar, ist für Saig aber nicht wirtschaftlich, so Neumann, denn die Leitungen in die Außenbereiche seien zu lang. Für die Außenbereiche kämen deshalb nur kleinere Lösungen von zwei bis zehn Abnehmern in Frage.

Könnte Saig also auch ein Bioenergiedorf werden? Neumanns Fazit lautete: Unter Einbeziehung anderer Einsparpotentiale wie der Gebäudedämmung, der Solar und Fotovoltaik, Wind-, Wasser und Biogas könnte es klappen.

Förster Martin Bach eröffnete die Fragerunde und bezweifelte, ob genügend Holz vorhanden sei, denn die Preise für Industrieholz seien derzeit gut, aber zum Heizen zu teuer. Ortsvorsteher Walter Sigwarth aus Saig fragte nach der Endlichkeit der "Biomasse Wald" und warf die Möglichkeit eines Anschlusses an die Gasleitung von Titisee auf.

Bürgermeister Feser entgegnete, dass deswegen "kein gesunder Baum zum Verheizen gefällt wird" und Neumann erinnerte, dass der Wald in Baden-Württemberg nur etwa 15 Prozent des Gesamtbedarfs an Energie für das Land abwirft. Das Thema Restholz, als Beitrag zur Energiewende, wird daher nur im ländlichen Raum eine Rolle spielen. Ein Anschluss an die Gasleitung von Titisee her und damit das Verheizen von Biogas aus Forchheim, hält er für nicht sinnvoll, denn das entspräche nicht dem Gedanken einer regionalen Energieversorgung.

Roland Pfisterer erläuterte abschließend den unverbindlichen Frageboden, der in Kürze in Saig verteilt werden wird. Mit den Ergebnissen könnte man dann genauere Zahlen, insbesondere zur Höhe der Anschlusskosten eines Abnehmers an eine Nahwärmeversorgung nennen. Sein Fazit: "Es gibt keine Pauschallösung, man muss seriös durchplanen, rechnen und dann entscheiden."