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16. Oktober 2017

Wenn der Mann nicht mehr zu den Möbeln passt

Das schwäbische Kabarettduo "Dui do on de Sell" macht mit seinem neuen Programm "Reg mi net uf" in Lenzkirch Station.

  1. Haben Probleme mit ihren Männern: „Dui do on de Sell“. Foto: Simoneit

LENZKIRCH. Kurzweil und jede Menge Lacher bestimmten den Auftritt des Comedy-Duos "Dui do on de Sell" in der Lenzkircher Festhalle. In den Hochschwarzwald waren Petra Binder und Doris Reichenauer mit ihrem neuen Programm "Reg mi net uf" gekommen und sie sorgten mit ihrem liebenswerten Humor, ihrem unaufgeregten Witz und manch cleveren Einfällen für einen gelungenen Abend.

Die beiden Schwäbinnen werfen einen ehrlichen, schonungslosen Blick auf ihr Ehe- und Familienleben. Welche Ehefrau fürchtet ihn nicht, den Moment, an dem der Mann in Rente geht und dann den ganzen Tag im Haus rumhängt. Doch soll die Frau genervt das Weite suchen und ihrem Mann kampflos das bis dahin tadellos geführte Feld überlassen? Nein!

Während Doris ganz neugierig das quirlige Treiben ihres Gatten Dieter beobachtet, findet bei Petra und Gerhard ein versteckter Machtkampf statt. Petra greift zur Stricknadel und klappert sich ihre Frustration vor der Nadel. Doch bald hilft auch das nicht mehr: Nach 30 Ehejahren passt Gerhard einfach nicht mehr zu den Möbeln. Auch bei Doris liegt einiges im Argen: Ihr Dieter ist pingelig, nervt, kann alles, will alles und läuft ihr auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern nach wie ein Hund. "Der ist immer so da", jammert sie. Besonders morgens sei es brutal, wenn sie nach einem schönen Traum aufwacht und er liegt immer noch neben ihr: "Ich bin ganz verschrocken".

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In Sachen Erotik ist bei beiden Paaren nicht mehr viel los. Ein spontaner Einkauf im Dessousladen hält nicht, was die Verkäuferin so vollmundig versprochen hatte. Heiße Teile hatten die Freundinnen erstanden, wollten die Rentner überraschen, in Fahrt bringen. Doch Gerhard prophezeite seiner Petra ob der leichten Bekleidung eine schwere Blasenentzündung, während Dieter glaubte, statt Doris Batman im Schlafzimmer erkannt zu haben. Auch an den beiden Frauen hat der Zahn der Zeit genagt. "Der Bauch kommt von Schnaken", erklärt Petra, "die haben mich vor sieben Jahren gestochen. Seitdem hab ich die Schwellung." Doris hingegen tippt auf den Klimawandel und die Erdanziehungskraft, was ihre veränderte Figur angeht: "Mein Busen hängt nicht, er chillt. Das bedeutet rumhängen. Das kennt ihr Männer ja."

Den Neu-Rentnern nicht kampflos das Feld überlassen

Doch jammern hilft nicht, der Mann muss schließlich beschäftigt werden. Aber was kann der? Soll man den muffigen Partnern die Küche überlassen, vielleicht sogar die Waschmaschine oder doch besser nur den Garten? Welche Strategie kann helfen, um davonschwimmende Felle zu sichern? Doris entscheidet sich, abzuwarten, den Gatten machen zu lassen. Petra hingegen fährt Kampflinie, klebt überall kleine Erinnerungszettel mit strikten Verhaltensregeln auf. Doch auch Gerhard hat bald den Reiz der kleinen Nachrichten entdeckt und pflastert fortan das Haus mit irrwitzigen Vorschlägen zu. Seine Botschaft auf den vielen Stufen der Kellertreppe: Heute keine Schuhe kaufen. Kein Problem für Petra – sie kauft heute eben eine Handtasche.

Nicht nur die problematischen Zeiten nach einem erfüllten Berufsleben, auch das komische Verhalten der längst erwachsenen Kinder wurde an diesem Abend ausgiebig behandelt. Außerdem wurde manch Nachbar noch schonungslos analysiert. Alte Schulprobleme, schwierige Wechseljahre, nervende Nachbarskinder und der ständig aufs Smartphone starrende Nachwuchs – all das kam ebenso im Programm von "Dui do on de Sell" vor . Mit Humor, Witz und ihrer authentischen Art eroberten die beiden Künstlerinnen das Lenzkircher Publikum im Sturm.

Autor: Heidrun Simoneit