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24. Januar 2009
haftstrafen für jugendliche in den usa
Christlich und doch gnadenlos
Nimmt man zur Kenntnis, dass es in den USA pro einer Million Einwohner mehr als achtmal so viel Gefängnisinsassen gibt als in Deutschland (ein Viertel der weltweit Inhaftierten – 2,3 Millionen Menschen leben in US-Gefängnissen) und zieht man gleichzeitig in Betracht, dass dort rund 60 Prozent, in Deutschland aber nur 20 Prozent der Einwohner regelmäßig Gottesdienste besuchen, so könnte ein Zyniker einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Religiosität und Neigung zu Gewaltverbrechen herstellen. Er würde dafür sogar fundierte Begründungen in der Bibel finden, denn dieses Buch verherrlicht über weite Strecken Unrecht und Gewalt.
Doch das soll nicht unser Anliegen sein. Erschreckend an diesen Zahlen und den Aussagen des Artikels ist etwas anderes:
Wie kann eine tief religiöse, christliche Gesellschaft so gnaden- und erbarmungslos mit ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern umgehen? Teenager, denen Straftaten nicht einmal eindeutig nachgewiesen wurden, werden lebenslang eingesperrt, ohne die Möglichkeit einer Bewährung, ohne Gnade.
Dabei lehrte Jesus doch Barmherzigkeit und Vergebung, wie bei Matthäus 18;21, Lukas 17;4 oder Epheser 4;32 nachzulesen und wie allsonntäglich in den Gottesdiensten verkündet. Die Religiosität ist hier wohl nur ein Lippenbekenntnis, im Alltag gilt das altertümliche Gesetz der Rache und Vergeltung.
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Letztlich belegt auch das Familiendrama der Strafgefangenen Courtney Schulhoff diese Vermutung: Die seltsamen Enthaltsamkeitsregeln der strenggläubigen Mormonen hält die Familie nicht durch, sie zerfällt, endet in Trunksucht, es kommt wohl zur Vergewaltigung der 16-jährigen Tochter durch den eigenen Vater.
Ist es verwunderlich, dass diese dann ausrastet und – möglicherweise – ihren Freund auf den Vaters hetzt? Schaut man ins Gesicht dieses Kindes (der Artikel ist mit Foto versehen), so kann man nur wütend werden über eine Gesellschaft, die diesem und vielen anderen Mädchen jede Möglichkeit einer Umkehr, eines Neubeginns lebenslang verweigert. Und ebenso anderen Strafgefangenen.
In Europa hat glücklicherweise die Aufklärung dazu beigetragen, dass nicht Rache und Vergeltung, sonder Sühne und Resozialisierung den Umgang mit Straftätern bestimmen.
Autor: Joachim Hradetzky, Freiburg
