Windkraft

Landschaftsästhetische Kollateralschäden

Karl Hillebrand

Von Karl Hillebrand (Freiburg)

Sa, 08. September 2018

Leserbriefe

Zu: "Acht neue Windräder für Südbaden", Beitrag von Barbara Schmidt (Wirtschaft, 25. August)

Die Ökostromgruppe Freiburg unter Leitung von Andreas Markowsky arbeitet weiterhin hartnäckig an der Mythenbildung in Sachen Windenergie in Südbaden. Ihr neuestes Narrativ will uns nun davon überzeugen, dass "regionaler Windstrom... wertvoller" als die off-shore erzeugte Energie sei. Gewiss wird dieses Theorem jeder begrüßen, der selbst in regionale Windkraftanlagen investiert hat und zudem keine Sensibilität mehr zeigt für die gravierenden landschaftsästhetischen Kollateralschäden, die vor allem die neueste Generation der "Gigamühlen" unserem Weltlandschaftserbe zufügt. Letzteres gilt offensichtlich als irrelevant gegenüber dem, was Markowsky als zwingende ökonomische Realität zugunsten des Windenergieausbaus im Schwarzwald darstellt, nämlich "dass es rund vier Prozent teurer sei, Strom von der Küste in den Schwarzwald zu transportieren, als ihn vor Ort zu produzieren". "Die verbrauchsnahe Produktion", so Markowsky, "ist deshalb mit Abstand die volkswirtschaftlich sinnvollste."

Wegen einer – sich im Übrigen von Jahr zu Jahr verringernden – Differenz von vier Cent pro kWh und der dementsprechenden monatlichen Ersparnis von circa 3,75 Euro pro Landeskind im Monat sehen es also die Rotoren-Fans als unumgänglich an, die Schönheit unserer Heimat mit dem immer gigantischer werdenden weißen Drehzeug zu verbauen. Mit dem Vier-Cent-Argument wird Herr Markowsky gewiss seine gläubigen Follower in Südbaden überzeugen, in den großen Gemeinden der Berliner, Hamburger und Amsterdamer Schwarzwaldurlauber hingegen kann man sich über solche Grüngeizlinge nur wundern, welchen die Bewahrung der Schönheit des berühmtesten deutschen Mittelgebirges nicht einmal den monatlichen Minimalbetrag von weniger als vier Euro wert ist.
Karl Hillebrand, Freiburg