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19. Oktober 2012
BZ-Titelbild
LESER SCHREIBEN – DIE BZ ANTWORTET: Wo bleiben die schönen Aspekte des Alters?
Zum Titelbild "Deutsche werden immer älter", (Politik, 11. Oktober):
Was hat die BZ bloß dazu bewogen, dieses Foto eines alten Mannes mit der Bemerkung "Deutsche werden immer älter" auf die Titelseite zu setzen? Will die Zeitung mit dem Bild aufrütteln oder abschrecken oder alte Menschen abwerten? Wem ist damit gedient? Statt Horrorvisionen von uns gräßlichen, zu vielen Alten zu publizieren, fände ich es lohnender, Alten wie Jungen Mut zu machen, sich auf die gesellschaftliche Herausforderung einzustellen. Einfach wird das nicht. Meine Bitte: Veröffentlicht gute Beispiele vom Umgang zwischen Alt und Jung und zeigt auch die schönen Aspekte des Älterwerdens! Wie wär’s zum Beispiel mit einer Kolumne über pfiffige Alte?
Eva Pelz, Eichstetten
Das Bild ist ein Skandal. Der Körper des Mannes scheint schon in der Auflösung, sein Blick ist stupide. Schlimmer geht’s wohl nicht? Wo bleibt die Würde des Menschen? Ich kenne schöne, alte Menschen, gezeichnet von einem erfüllten Leben. Man muss sie nur mit liebevollen Augen anschauen, es sind Gesichter, die junge Menschen noch bekommen werden. Bald müssen wir uns verschämt verstecken.Auch nach Tagen des Nachdenkens bin ich nicht dahinter gekommen, welchen Zweck die Redaktion mit dem wenig schmeichelhaften Bild verfolgen wollte. Zwischen der Unterzeile ("...über 65 Jahre alt") und dem Alter der dargestellten Person scheinen drei Jahrzehnte zu liegen. Die Altersgruppe der über 65-Jährigen ist keineswegs repräsentativ dargestellt, zumal Staat und Gesellschaft erwarten, dass noch weitere Berufsjahre zu leisten sind. Das Rätsel ist für mich nicht lösbar. Die abgelichtete Person scheint in ihrer Nacktheit eher im Leichenschauhaus aufgenommen worden zu sein. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, eine erläuternde Grafik einzufügen, statt ein unpassendes, ja entwürdigend wirkendes Foto auszuwählen? Der Qualität und dem gewohnt anspruchsvollen Stil der BZ hätte dies besser angestanden!
Bilder, zumal solche auf der Titelseite, haben die Aufgabe, den Informationsgehalt wichtiger Nachrichten zu veranschaulichen und wenn möglich zu ergänzen. Der alte Mann auf dem Titelbild trägt nicht dazu bei, das statistische Zahlenmaterial des Textes zu veranschaulichen, geschweige denn, es zu ergänzen. Wozu ist das Bild dann gut? Sie zeigen einen alten Mann, der pessimistisch die Mundwinkel nach unten zieht und dessen rechte Körperhälfte farblich derart verfremdet ist, dass ich mir gut vorstellen kann, dass Kinder angesichts dieses Bildes fragen: "Igitt Mama, warum sieht der Mann so eklig aus?" Und wenn die Manipulation durch derartiges Bildmaterial auf fruchtbaren Boden gefallen ist, wird die Mutter antworten "Weil er schon alt ist." Ich wünsche dem Redakteur ein langes Leben!
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – und fraglos auch über die Ästhetik von Fotografien, vor allem dann, wenn sie auf der Titelseite unserer Zeitung prangen. Das Bild des alten Mannes, mit dem wir eine Statistik zur Alterung Deutschlands illustriert hatten, haben einige von Ihnen, liebe Leser, als diskriminierenden Angriff auf ältere Mitbürger empfunden. Dazu kann ich nur sagen: So war es keineswegs gedacht, und so ist es auch von vielen anderen Betrachtern nicht verstanden worden. Im Gegenteil: Nachdem wir in der Redaktion Hunderte Bilder durchgeschaut hatten, waren wir der Meinung, gerade im gewählten Foto komme eine ganz eigene Würde des Alters zum Tragen. Dies empfinden wir auch heute noch so. Natürlich scheint der abgebildete Mensch – bildlich gesprochen – vom Leben gezeichnet zu sein. Aber er steht dazu und verkörpert dadurch geradezu den Typus des selbstbewussten, souveränen Seniors.
Dass der Anteil solcher Menschen in unserer Gesellschaft wächst, war Thema des dazugehörigen Berichts. Wenn Sie diesen noch einmal durchlesen, werden Sie mir vermutlich Recht geben: Eine Wertung war damit nicht verbunden. Vielleicht rühren ja die teilweise heftigen Reaktionen auf das Foto woanders her: Durch die ungewöhnliche Bildsprache lässt das Foto den Betrachter eben nicht kalt. Es berührt, emotionalisiert – und provoziert dadurch auch klare Urteile Pro und Contra. Spannender als langweilige Allerweltsmotive finde ich das allemal.
Thomas Fricker, stellv. Chefredakteur
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Autor: Eva Pelz, Eichstetten



