Leserbriefe

Dieter Schweinlin (Neuenburg/Berlin)

Von Dieter Schweinlin (Neuenburg/Berlin)

Do, 16. August 2018

Müllheim

SPARKASSENPARK
Stadtbild wird leichtfertig zerstört
Leserbrief zum Artikel "Als Provisorium kaum erkennbar" in der BZ am 21. Juli.
Zum Bebauungsplanverfahren "Sparkassenpark" berichten Sie, dass auf die durch das Ortskuratorium Müllheim/Markgräflerland der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgetragenen Bedenken (BZ vom 15. März 2018) nur "in eher kleinen Teilen" eingegangen wurde.

Tatsächlich werden die Anregungen zu einer ortsbildverträglichen Modifikation des Vorhabens weitestgehend ignoriert. Das Nichteingehen auf die fundierte Kritik wird dabei seitens des involvierten Stadtplanungsbüros mit fadenscheinigen Begründungen gerechtfertigt. Obwohl guter Städtebau in gewachsenem Kontext das Respektieren vorhandener Bausubstanz und Bauweisen und deren sensible Ergänzung und Fortschreibung voraussetzt, also primär mit Proportionen, Baumassen und Dachformen zu tun hat, wird zur Legitimation der Beibehaltung der überzogenen Höhe des Neubaus angeführt, deren Reduktion sei "aufgrund technischer und nutzungsbedingter Anforderungen nicht möglich".

Dazu werden untaugliche Vergleiche zu den in städtebaulich nicht vergleichbaren Abschnitten der Werderstraße liegenden Bauten der Volksbank und des Amtsgerichts gezogen, die allerdings, was unerwähnt bleibt, beide Satteldächer haben. Als Argument "pro Flachdach" wird in die Waagschale geworfen, die Dachlandschaft sei ohnehin "uneinheitlich" (was auf die Umgebung in der Werderstraße tatsächlich nicht zutrifft) und Flachdächer seien "vor allem im Zusammenspiel mit der Begrünung der Dachflächen die sowohl technisch wie ökologisch sinnvollste Variante". Hierdurch disqualifizieren sich die Berater, die bereits für die Konzeption der Neuenburger Autobahnüberbauung verantwortlich zeichneten oder für einen teilweise umgesetzten Bebauungsplan für die Müllheimer Kirchgasse.

Es ist traurig, dass Müllheim, das bis vor wenigen Jahren mit dem baulichen Erbe seiner historischen Innenstadt noch in fast vorbildlicher Weise umgegangen ist, sein Stadtbild nun derart leichtfertig zerstört. Als gebürtiger Müllheimer wünscht man sich, dieser bedauernswerte Prozess möge ein baldiges Ende finden. Grund zu Optimismus besteht leider nicht. Dieter Schweinlin, Neuenburg/Berlin