Leserbriefe

Ruth Braun, Staufen (Aktionsbündnis L 123 )

Von Ruth Braun, Staufen (Aktionsbündnis L 123 )

Fr, 03. August 2018

Staufen

UMFAHRUNG STAUFEN

Gerechtere Verteilung der Verkehrsströme
Zum Bericht "Wegweiser werden Politikum" (BZ vom 27. Juli) über die Beschilderung des ersten Bauabschnitts der Staufener Umfahrung erreichten uns zwei Zuschriften:

Wie so oft liegt auch bei der längst beschlossenen Ortsumfahrung Staufen das Problem im Detail. Da wurde ein Kompromiss zwischen Gegnern und Befürwortern vereinbart, zunächst den ersten
Bauabschnitt bis zur Grunerner Straße zu bauen und danach die Verkehrsentwicklung abzuwarten, den Verkehrsfluss zu zählen und dann neu über den zweiten, besonders sensiblen, Bauabschnitt von der Grunerner Straße bis Campingplatz zu entscheiden. Sinn macht dieser Kompromiss nur, wenn nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, der Verkehr nach Heitersheim, zur Autobahn und B 3 (bisher Wettelbrunner Straße), nach Ballrechten, Sulzburg und in die westlichen Bereiche Staufens (bisher Grunerner Straße), der laut Verkehrszählung zwei Drittel des Gesamtverkehrs ausmacht, auf die neue Ortsumfahrung gelenkt wird und der Restverkehr Richtung Münstertal und ins Zentrum von Staufen auf der Neumagenstraße verbleibt. Nun aber heißt es, dass der gesamte Verkehrsfluss per Wegweiser, also mit Hilfe von Schildern, Richtung Innenstadt und Münstertal auf die Ortsumfahrung gelenkt und dann über die Grunerner Straße wieder zur Neumagenstraße zurückgeleitet und ausgerechnet am neuralgischen Punkt Kapuzinerhof wieder eingefädelt werden soll. Wer zu Zeiten von Schulanfang und -ende dort unterwegs ist, weiß jetzt schon kaum, wie er zwischen Fußgängern – hauptsächlich Kindern –, Radfahrern und vorfahrtsberechtigten Autofahrern auf die Neumagenstraße kommen soll. Auch die Ausfahrten aus den Wohngebieten Wolfacker (Kitaverkehr) und Lindengärten sind ein Problem. Die Bahnschranke am Südbahnhof tut ihr Übriges. Muss es wirklich so sein, dass die totale Entlastung der Anwohner der Neumagenstraße auf Kosten der viel zahlreicheren Anwohner und Besucher (Schüler) der Grunerner Straße erfolgen soll? Wäre es nicht sinnvoller, eine gerechte Verteilung der Verkehrsströme anzustreben?
Ruth Braun, Staufen, Aktionsbündnis L 123

Kompromiss-Grundlage ad absurdum geführt
Wenn ich die Abstimmung des Staufener Gemeinderats und insbesondere von Herrn Bürgermeister Benitz richtig verstanden habe, soll nun eine größtmögliche Autobefreiung des nur einseitig bebauten Straßenabschnitts der Neumagenstraße bis zur Ecke Sparkasse damit erkauft werden, dass nun stattdessen eine größtmögliche Belastung der beidseitig bebauten Grunerner Straße mit einer der größten Schulen Baden-Württembergs und einem bis dorthin intensivem Fahrradverkehr (ohne Fahrradverkehrswege!) erreicht werden soll. Die Grundlage der in Bauabschnitte geteilten Vorgehensweise ist jetzt ad absurdum geführt worden. Vor diesem Hintergrund gibt der Vorschlag der Fraktion ULS/Die Grünen aus meiner Sicht absolut keinen Anlass zu Vorwürfen, man wolle den zweiten Bauabschnitt verhindern und Worte wie "Enttäuschung" oder "Schaukämpfe" sind hier völlig unangemessen, sondern es entspricht der mündlichen Abmachung zur Vorgehensweise und einer verantwortungsvollen Planung bei diesem umstrittenen Bauprojekt, das erhebliche störende Auswirkungen auf den sensiblen und komplexen Bereich zwischen Staufen und Grunern haben kann.
Wenn ich dann noch lesen muss, dass die Bürgerhaus-Planung und das Kapuzinerhof-Areal noch auf einen Ideenwettbewerb warten, frage ich mich, ob hier in Staufen nun doch die nächste große Bausünde vorbereitet wird und man planungsmäßig überfordert ist.

Michael Harder, Staufen

WINDKRAFT IM MÜNSTERTAL
Es gibt keinen Plan B für die Wasser-Versorgung
Zur anhaltenden Windkraftdebatte in Münstertal und der Initiative für einen Bürgerentscheid erreichten uns weitere Zuschriften:

O glückliches Sulzburg! In diesem wunderbaren Städtchen tragen die Bürger bis hinauf zur Verwaltungsspitze Sorge um ihr täglich Trinkwasser. Es gibt eine "Wasser-Initiative", die die Gemeinde bei der Finanzierung eines Gutachtens zur Auswirkung von Windkraftanlagen auf ihr Trinkwasser finanziell unterstützt hat (BZ vom 17. Juli). Da dieses Gutachten negative Ergebnisse aufweist, geht bei den Sulzburgern ganz selbstverständlich Wasser vor Windkraft, die im windschwachen Südschwarzwald ohnehin nur durch fette Subventionen aus der EEG-Zwangsumlage Sinn macht – selbstredend nur für die Betreiber. Wie anders doch im Münstertal! Da faseln unbelehrbare Gemeinderäte auch heute noch von der Rettung des Planeten durch gigantische Schwachwindanlagen auf der Breitnau und nehmen in Kauf, dass ihre kostbaren Quellen dort, aus denen Münstertal und Staufen normalerweise mit bestem Trinkwasser versorgt werden, in Gefahr geraten. Diese Gemeinderäte halten das Risiko "nach persönlicher Abwägung und aufgrund der vorhandenen Gutachten""für äußerst gering und damit vertretbar". Zu dumm nur, dass es in Staufen vor den Geothermiebohrungen natürlich auch Gutachten gab, die Risiken für gering und deshalb vertretbar hielten! Durch Schaden wird man für gewöhnlich klug, und hoffentlich weiß man auch im Münstertal bald, was das höchste Gut einer Gemeinde ist. Dazu hin gibt es dort keinen Plan B, falls die Katastrophe eintreten sollte. Jetzt, in Zeiten der Wasserknappheit, greift Münstertal für auftretende Lücken in der Wasserversorgung auf die Staufener Quellen zurück und Staufen muss sich mit Tiefbrunnenwasser aus der Rheinebene behelfen. Sogar der Münstertäler Ortskern wird laut Gemeindeblatt derzeit mit Wasser aus dem Obertal versorgt! Auf der Breitnau fließt das Wasser durch eine Porphyrschicht in teils sehr feinen Klüften zu den Quellen – dieses empfindliche System ist durch die unstreitig existenten Risiken einer Industrie-Großbaustelle irreversibel in Gefahr. Ältere Mitbürger könnten uns über die Empfindlichkeit von Quellsystemen – Stichwort Krinne-Quelle, die durch einen Wegebau versiegte – noch viel erzählen! Es bleibt dabei: Keine Baustelle an der Breitnau – Münstertal hat keine Ersatz-Wasserversorgung!

Erich Tomandl, Staufen

Das Wasser wird weiter seinen Weg fließen
Ich bin immer wieder überrascht, welchen Raum die Berichterstattung über die BI Münstertal Belchen einnimmt. Es gelingt hier immer wieder einigen windkraft-kritischen Mitgliedern (wie sie das nennen), die Agenda der Gemeinde Münstertal zu bestimmen. Hier soll wohl so lange abgestimmt werden, bis das Thema erledigt ist. Meines Wissens sind der Bürgermeister und der Gemeinderat demokratisch gewählt worden und haben sich nicht an die Macht geputscht. Deutschland hat nach heutigem Kenntnisstand das umfangreichste und komplexeste Verfahren zur Genehmigung einer Baugenehmigung, auch und besonders für Windkraftanlagen. Ich würde mir wünschen, dass die Bedenken und Ängste, die immer wieder ins Feld geführt werden, auch mal journalistisch hinterfragt werden. Gibt es denn überhaupt einen Fall, in dem Trinkwasser gefährdet wurde? Auf dem großflächigen Plakat kann man sehr schön sehen, welche Grundfläche von den zwei Windrädern beansprucht wird, im Verhältnis zum Gelände. Es sind wohl 0,000 Prozent. Das Wasser würde auch weiterhin seinen gewohnten Weg fließen. Jetzt könnte noch das Argument kommen, dass der Infraschall das Innere des Berges zum Einsturz bringt und dann die Quelle versiegt.

Sie könnten sicher auch noch mal recherchieren, warum überhaupt Windräder gebaut werden sollen und darüber berichten. Mich amüsiert auch die ständige Sorge der Wirtschaftlichkeit dieser Investition, die von der BI vorgetragen wird. Auch auf dem Gebiet der Energiespeicherung gibt es große Fortschritte, ansonsten wird die E-Mobilität nicht gelingen. Wir werden hoffentlich in den nächsten vier Jahren noch sechs Kernkraftwerke abschalten und auch Fessenheim und diese wegfallenden Strommengen müssen alternativ erzeugt werden. Ich hoffe nicht, dass die alten Kohlekraftwerke hier eine Alternative sind. Ja, wir müssen weiter Energie einsparen, aber die viel gepriesene E-Mobilität und Digitalisierung wird den Strombedarf weiter steigen lassen. Bernd Wiesler, Münstertal