Leserbriefe

Erhard Schulz

Von Erhard Schulz (Emmendingen)

Mi, 04. Juli 2018

Emmendingen

THEMA
Modell zeigt nicht gewaltigen Eingriff
Zum Bericht "Vorbeikommen und mitreden" (BZ vom 27. Juni) über die aufsuchende Bürgerbeteiligung zum Neuen Markt:
Ich war schon sehr verwundert, dass Oberbürgermeister Stefan Schlatterer selbst das Modell der privaten, gewinnorientierten Investorfirma Unmüssig den Emmendinger Mitbürgern auf dem Marktplatz präsentierte. Bei diesem überdimensioniertem Bauvorhaben "Neuer Markt" wird weder beim ausgestellten Modell noch beim Entwurf des Bebauungsplanes der gewaltige Eingriff in das Grundwasser sichtbar: 4800 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Lebensmittel-Supermarkt sollen mehr als 3,50 Meter unter dem Grundwasserpegel im Untergeschoss liegen; also tief im Emmendinger Grundwasser unmittelbar am Wasserschutzgebiet für unseren Trinkwasser-Tiefbrunnen "Wäldele" beim Reitplatz. Mit den 8 Meter tiefen Spundwänden wird zusätzlich eine 100 Meter lange Staumauer gegen den Grundwasserstrom installiert.

Weder in den benachbarten Stadt- und Landkreisen Freiburg ist ein Bauen im Grundwasser erlaubt. Auch das Emmendinger Landratsamt sagt im Merkblatt M 102 "Bauen im Grundwasser" deutlich: "Für Baukörper, die unterhalb des MHW (Mittlerer Grundwasserhochstand) gründen, kommt dies nur in besonderen Ausnahmefällen in Betracht". Ein Lebensmittel-Supermarkt ist aber kein "besonderer Ausnahmefall". Das Bürgerforum hat zehn Anträge am 14. Juni zur Abstimmung in den Emmendinger Gemeinderat eingebracht, die alle mehrheitlich abgelehnt wurden, so unter anderem "Kein Eingriff in das Grundwasser. Ein Gutachten soll die zu erwartenden Auswirkungen aufzeigen." Die gesamte SPD-Fraktion hat ohne jegliche Abweichung diesen sehr wichtigen Antrag abgelehnt ebenso die FDP, die CDU-Fraktion mit Ausnahme von Klaus Pleuler, die FWV-Fraktion mit Ausnahme von Reinhard Stopfkuchen und nur die Grüne-Fraktion übernahm den Antrag des Bürgerforums geschlossen. Dieses sehr erstaunliche Abstimmungsverhalten sollten wir Bürger uns für die nächste Gemeinderatswahl merken. Ich möchte nicht, dass Unmüssig in meinem Trinkwasser badet.

Erhard Schulz, Emmendingen