Leserbriefe

Ulrich Meyer

Von Ulrich Meyer (Emmendingen)

Do, 14. Juni 2018

Emmendingen

KAUFHAUS KRAUSS
Nachhaltigkeit contra Investoreninteresse
Zur Veranstaltung mit Professor Daseking zum Kaufhaus Krauss Areal vom 8. Juni:
Nachhaltige behutsame Stadtplanung und -entwicklung contra Projektentwicklung im Investoreninteresse, so lässt sich das Thema des Abends fassen. Auf der einen Seite Professor Dasekings: "Sie müssen dem Investor sagen, was Sie wollen", auf der anderen die hilflose Klage des OBs: "Wir sind nicht in Freiburg, wo die Investoren Schlange stehen." Hier eine Vision einer lebenswerten Stadt, die das Bestehende, das Gewordene achtet, erhält und weiterentwickelt, dort kurzsichtige Wurschtelei. Ich fürchte, man weiß gar nicht, was man will, außer dass der Schandfleck Kaufhaus Krauss weg soll.

Am Rande der Altstadt das Wehrle-Werk, historisch gewachsen. Es produziert Umwelttechnologie auf höchstem Niveau. Und es hat ja auch eine besondere Qualität, gewerbliche bzw. industrielle Produktion in der Stadt, ein Relikt aus der Zeit, als die Trennung der Stadt in Wohnen, Verkehr und Gewerbegebiete noch nicht als modern galt, sondern das Gebot der kurzen Wege. Das würde moderne Stadtplanung gern wieder aufnehmen. Das ist für mich ein schönes Alleinstellungsmerkmal in Emmendingen. Doch leider ist nichts ewig, auch das Wehrle-Werk an diesem Standort nicht und eine Planung des Kaufhaus Krauss-Areal darf die Entwicklung dieses Quartiers dann nicht verbauen.

Die Planung des Investors klotzt mit dem überdimensionierten Parkhaus ein Bollwerk, einen Riegel gegen ein zukünftiges neues Stadtviertel und verstellt die Wege in die Stadt. In den 50/60er-Jahren galt als Ideal die Auto-gerechte Stadt, mit der Überbauung des Brettenbachs in der Romaneistrasse ist das noch zu besichtigen. Und auf diesem Niveau ist die Planung in Emmendingen offenbar stehen geblieben. Also muss das neue Parkhaus her, gerade 60 Plätze mehr als das alte, aber 3x so groß, damit weiterhin kleine Männer mit großen SUVs dort unfallfrei einparken und ihr Ego aufpolieren können. Das im 21. Jahrhundert, trotz Klimazielen und Verkehrswende. Politik sollte gestalten und Entwicklungen anstoßen, nicht Bedürfnissen von gestern und Gestrigen nachlaufen. Ach, ich vergaß, es sollen in dem Parkhaus ja auch Fahrradstellplätze und Kinder untergebracht (geparkt ?) werden. Fahrradparkplätze in der obersten Etage , die Kindertagesstätte darunter. Das wäre endlich ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Emmendingen, das gibt es nirgends auf der Welt, selbst in Singapore nicht, wie Daseking aus seiner Beratertätigkeit dort weiß.

Und wo bleibt das Wohnen? Ich erinnere an Haselwald/Spitzmatten. Warum nicht Wohnen in der Stadt, um der abendlichen Entleerung und Verödung der Innenstadt entgegen zu wirken. Der Investor möchte nicht, weniger Rendite? "Sie müssen dem Investor sagen, was Sie wollen."

Der Schandfleck Kaufhaus Krauss soll weg, nach gerade 40 Jahren. So lässt man einen neuen Schandfleck bauen. Die nächste Generation wird in 30, 40 Jahren ähnlich denken müssen: Weg mit dem Schandfleck Unmüssig-Monstrum, dann auch leerstehend, ein Fremdkörper in der Stadt, runtergekommen, verpisst und öde. Ein Klotz für die weitere Entwicklung der Stadt. Bleibt zu hoffen, dass die Jungen es dann besser machen.

Ulrich Meyer, Emmendingen"Investoren stehen nicht Schlange"
Zum Projekt Kaufhaus Krauss:
Kein Investor baut aus Nächstenliebe. Die Vorstellungen der Firma Unmüssig entspringen auch der Wirtschaftlichkeit eines solchen Projektes. Eine niedrigere Gebäudehöhe und kleinere Dimensionierung des Parkhauses würden die Wirtschaftlichkeit erheblich beeinträchtigen. Mit dem Wunsch nach Berücksichtigung der eigenen Vorstellungen sollte stets der Gedanke einhergehen, dass kein Investor aus Liebe zur Stadt baut. Bei fehlender oder zu geringer Wirtschaftlichkeit wird irgendwann das Handtuch geworfen.

Im Übrigen stehen keine Investoren Schlange, die darauf warten, ständig neue Vorstellungen eines Bruchteils der Bevölkerung umzusetzen.

Helge Huland, Emmendingen