Leserbriefe

Werner Ketterer

Von Werner Ketterer (Waldkirch)

Mi, 12. September 2018

Waldkirch

HEIMATTAGE

Ein Lob der Tracht
Zum Bericht "Heimat ist mehr als Bollenhut", BZ vom 10. September.

Der große Festumzug anlässlich der Heimattage in Waldkirch hat auf nachdrückliche Weise gezeigt, wie chic selbst jahrhundertalte Trachten auch in der heutigen Zeit sein können. Vielerorts musste ja immer noch das in Bayern beheimatete Dirndl herhalten, wenn man sich rustikal und ländlich kleiden wollte. Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen. Dass es allerdings auch anders geht, haben vor allem die vielen Trachtenkapellen aus dem Breisgau gezeigt. Sie sollten ein Beispiel dafür sein, dass Tracht häufiger Platz im öffentlichen Leben haben sollte. Auch Repräsentant/innen der Region könnten meiner Meinung nach eher in ihrer heimischen Tracht als im nichtssagenden Dirndl auf ihre Region aufmerksam machen. Genauso könnte man in manch gemütlicher Gaststube die Gäste in traditionellen heimischen Kleidern bedienen. Und warum sollten nicht auch politische Größen bei bestimmten Festanlässen und Empfängen Farbe bekennen? Ein Lob dafür an die Frau von OB Götzmann, die anschaulich bewiesen hat, dass man in der Elztäler Tracht attraktiv in Erscheinung treten kann!Werner Ketterer, Waldkirch

GESCHICHTE
Seltsame Assoziation
Zum Beitrag "Ein großer Umzug in anderer Zeit", BZ vom 6. September.
Kann es wirklich sein, dass ein solcher Artikel in der BZ erscheint? Rechnet man 82 Jahre zurück, so kommt man auf das Jahr 1936, in dem mit großen Mühen, Druck auf die Bevölkerung und Geschichtsverdrehung (das Datum stimmt nicht, Waldkirch wurde später gegründet) die 1000-jährige Stadtgründung Waldkirchs gefeiert wurde in assoziativer Anlehnung an das "Tausendjährige Reich" Adolf Hitlers. Gefeiert wurde unter der Schirmherrschaft des Gauleiters Robert Wagner. Es sind auf dem Foto erstaunlich wenige Hakenkreuze zu sehen, eins rechts oben, wer genau hinschauen mag. Es gibt Fotos von demselben Ereignis mit vielen davon und mit vielen zum Hitlergruß gereckten Armen. Möchte der Autor wirklich das Heimat- und Brauchtumsgeschehen, wie es dieses Jahr in Waldkirch stattfindet, direkt an sowas anschließen? Ich glaube das nicht, sondern vermute Unbedachtheit und Naivität. Monika Bollin, Waldkirch

Perfide Ausnutzung von Heimatgefühlen
Sind Heimat- und Brauchtumsfeste immer schön, egal wie die Zeiten sind? Ich denke nicht. Die "andere Zeit", die der Artikel nicht näher charakterisiert, war finster. Es war die böseste Zeit überhaupt. Auch in Waldkirch. Zahlreiche Vereine waren von den Nazis verboten worden, ebenso die Gewerkschaft. Bücherverbrennungen hatten stattgefunden. Der komplette Gemeinderat bestand aus strammen Nationalsozialisten, die Zeitung "Elztäler" war gleichgeschaltetes Propagandaorgan. Herr Wehrle wirft einen kurzen Blick auf die Waldkircher 1000-Jahrfeier im Jahre 1936 und nimmt Bezug auf das Brauchtums- und Trachtenwochenende 2018 mit den Worten: "Es gab schon einmal ein solches Großereignis". Was will er sagen? Dass beide Ereignisse große Gemeinsamkeiten haben? Das wäre ja fatal. Der "Umzug der Trachten, Bürgerwehren und Milizen" am 23. August 1936 war Teil einer sechswöchigen Propagandaschau der Waldkircher NSDAP. Die Bevölkerung sollte fest und treu in der braunen "Volksgemeinschaft" zusammenrücken, beseelt von der "Blut- und Boden"-Ideologie und in Vorahnung des schlimmsten Kriegs der Geschichte unter dem Deckmantel der "heldenhaften Aufopferung für das Vaterland". Besonders perfide aus heutiger Sicht ist, wie ich meine, die Ausnutzung von Heimatgefühlen der Menschen für Rassenwahn, Allmachtsphantasien und Mordgelüste der Nazis. Jürgen Dettling, Waldkirch

RENA
Zu unkritisch berichtet übers Firmenjubiläum
Zu "Marktführer und großer Arbeitgeber in strukturschwacher Region", BZ vom 3. September.
Über die wechselvolle Geschichte der Firma Rena hat die BZ häufig berichtet. Zum 25-Jährigen nun ein Jubelbericht, ohne Hintergrundinformation zum turbulenten Geschehen der letzten Jahre. Was ist aus den Beteiligungen geworden, die das Unternehmen maßgeblich in Schieflage gebracht haben, die Investoren, die die Rena-Anleihe gezeichnet hatten? Wäre hier nicht doch ein bisschen Investigativ-Journalismus angezeigt gewesen? Mit solchen Beiträgen, abgeschriebene Pressetexte, begeben Sie sich auf das Niveau von Anzeigenblättern.Werner Hartung, Teningen