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13. Oktober 2017

Leserbriefe

WINDKRAFT AM GSCHASI
Wieder mehr Auerhühner am Gschasi
Zum Artikel "Das ist erschütternd!", BZ vom 6. Oktober.
Die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium hat die Errichtung von fünf Windenergieanlagen im Bereich Gschasikopf durch die Firma Enercon abgelehnt. Dass die im Zeitungsbericht zitierten Vertreter des Gemeindeverwaltungsverbandes Elzach-Biederbach-Winden darüber enttäuscht sind, ist verständlich. Einige ihrer Aussagen rufen allerdings Erstaunen hervor.
1. Es sei erschütternd, dass der Teilflächennutzungsplan rechtskräftig sei, nun aber nicht gebaut werden dürfe. Ein Teilflächennutzungsplan ist kein Bebauungsplan, und es muss für jeden Antrag auf Bau von Windenergieanlagen nach den gesetzlichen Vorschriften ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Wenn Bürger Bedenken auf den Informationsveranstaltungen äußerten oder schriftlich zum Teilflächennutzungsplanentwurf einreichten, wurden sie seinerzeit auf eben dieses Verfahren vertröstet. Jetzt zeigt man sich plötzlich enttäuscht und erschüttert darüber, dass der Antrag nicht einfach durchgewunken wurde. Offenbar sah man einen Automatismus zwischen Verabschiedung des Flächennutzungsplanes und der Genehmigung der Standorte. Eine eigenartige Rechtsauffassung.

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2. Die Gutachter des Antragstellers hätten im betreffenden Gebiet keine Auerhühner festgestellt, und es gebe keine neue Entwicklung seit Beginn der Planung. Dies trifft schlicht nicht zu. Es sind immer Auerhühner nachgewiesen worden, auch in den Gutachten für die Stadt Elzach und die Firma Enercon. Allerdings haben die Gutachter, wie belegt werden konnte, die offiziellen Vorgaben für ihre Beobachtungen nicht ausreichend beachtet und methodisch unsauber gearbeitet. Deshalb sind die Zahlen in Wirklichkeit höher, und gerade in den letzten Jahren hat es im Umfeld der geplanten Standorte zunehmend Nachweise gegeben. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Gschasikopfgebiet wieder gebrütet wird. Hinzu kam, dass sich seit Planungsbeginn im gesamten Schwarzwald der Auerhuhnbestand verringert hat, nicht aber in unserer Gegend. Deshalb hat sich die Bedeutung des hiesigen Bestandes für die Gesamtpopulation erhöht. Aus diesen Gründen darf es keine weitere Störung der Auerhühner geben. Es wäre schön, wenn die Befürworter der Windenergieanlagen ihre Position überdenken und die Bedenken von Bürgern ernst nehmen würden.
3. Die Haltung der Naturschutzbehörde zeige, welchen Stellenwert der Naturschutz habe. Sie sei ein Schlag ins Gesicht des Klimaschutzes. Früher hieß es immer, man wolle Klima- und Naturschutz als Einheit sehen. Davon ist man offenbar jetzt weit entfernt. Dass Windenergieanlagen die Natur (und damit auch die Menschen) in solchen Landschaften wie bei uns erheblich beeinträchtigen und ihr Beitrag zum Klimaschutz nach derzeitigem Stand umstritten ist, sollte sich eigentlich herumgesprochen haben. Ein geschlossenes Waldgebiet mit reicher Artenvielfalt, wie wir es haben, ist der beste Beitrag auch zum Klimaschutz.
Heiko Haumann, Elzach-Yach

Autor: Heiko Haumann, Elzach-Yach