Frühkindliche Bildung

Die kleinsten Kinder werden bereits bewertet, bevor sie ihre Stärken und Fähigkeiten ausgebildet haben

Birgit Lemke, Lahr

Von Birgit Lemke & Lahr

Mo, 04. Dezember 2017

Leserbriefe Freiburg

Zu: "Luther liefert die Stichworte", BZ vom 6. November:
Schön, dass Luther den christlich Studierenden Stichworte liefert.

Aber wo bleibt das, was die Christen, zumal die studierten der Sozialen Arbeit, Theologen oder Pfarrer, qua ihrer rhetorischen Sprachfähigkeit in die Welt schreien müssten?

Kurz gesagt, dass Gott sehr wohl was mit unserer Welt zu tun hat und wir dies daran erkennen können, wie unsere Kinder gedeihen. Denn wir Erwachsene leben ihn oder leben ihn nicht. Und je weniger von ihm, von seiner Freiheit in uns ist, desto auffälliger werden unsere Kinder, Jugendliche, die späteren Erwachsenen.

Luther hat Glauben nicht im stillen Kämmerlein gelebt, sondern sein Gewissen, das Gottes geworden ist, in die Welt gebracht und sich in der Welt eingemischt.

Und heute? Wo ist das Gewissen Gottes bei Christen? Nicht nur als Ausdruck von Nächstenliebe beim Flüchtlingsthema. Wo halten Christen der Welt den Spiegel vor – sei es Politik, Schulen oder Gesellschaft? Und da gibt es so viel Unsinn, der bereits in Kitas beginnt. Frontalunterricht mit Fokus auf "lernen".

Nach diesem Unterricht hat kein Kita-Kind mehr Lust auf Bücher und Vorlesen, keine natürliche Neugier und Freude am Entdecken. Oder Anatomieunterricht über Innereien von Mann und Frau. Und spätestens die Schulkinder erfahren, dass Babys aus dem Reagenzglas wachsen. Mamas, Papas und Geschlecht waren gestern – heute gilt Gender.

Das Schlimmste aber, diese unschuldigen kleinsten Kinder werden durch diese "frühkindliche Bildung" bereits bewertet mit richtig oder falsch, bevor sie ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten ausgebildet haben. Bevor sie gemeinschaftsfähig werden, sollen sie Buchstaben kennen. Wie aber sollen sie auch gemeinschaftsfähig werden bei Dauerbeobachtung in Kitas und Elternhaus.

Sie haben gar keine Möglichkeit, Streit selber zu schlichten und Konflikte zu lösen, ohne dass sich ein Erwachsener einmischt und alles regelt. So unfrei und eng unsere Kinder aufwachsen, so eng wird’s später in deren Herzen. Sie werden zu denselben unfreien Erwachsenen wie die, die sie erzogen haben.

Wie krank ist unsere Welt mit ihren Menschen? Wie reich die damaligen Kinder trotz Armut, die ohne diese "Bildung" aufwachsen durften, in freier Umgebung ohne Dauerbeobachtung und Einmischung und trotzdem Genies, Unternehmer oder Entdecker wurden, siehe Einstein, Edison und andere. Wie denn das – ohne Bildung?Birgit Lemke, Lahr