Dietenbach

Es wird ein Stadtteil gebaut für die Bedürfnisse von Neubürgern mit gut dotierten, neuen Jobs

Simone Rudloff

Von Simone Rudloff (Kirchzarten)

Mo, 07. Januar 2019

Leserbriefe Freiburg

Zum Artikel "Versprechen und Verwirrung" (BZ vom 17. Dezember), der sich mit der Werbung der Befürworter des neuen Stadtteils beschäftigte.

Als alte Freiburgerin, die jetzt in Kirchzarten wohnt, verfolge ich die Entwicklungen in Freiburg mit großem, bangem Interesse.

Da wir hier in Kirchzarten auch einen Bürgerentscheid gegen die bauliche Vereinnahmung eines Naherholungsgebietes durch die lieben Mountainbiker des SVK und gegen fast alle Gemeinderäte und den Bürgermeister erleben durften, habe ich zuweilen Déjà-vu Erlebnisse, was den nun bald in die heiße Phase gehenden Entscheid über die Bebauung von Dietenbach betrifft.

Warum sich die Gemeinderäte ausgerechnet Äpfel verteilend für die Bebauung und damit für die Vernichtung von landwirtschaftlichen Flächen auf die Straße stellen, erschließt sich mir nicht. Dass darunter auch Grünen-Stadträte sind, macht mich wütend, wenn man bedenkt, wofür diese Partei einmal stand. 330 000 Euro hat die Stadt Freiburg für die Information der Bürger über beide Standpunkte bereitgestellt. Man kann nur hoffen, dass dies fair und in gleichem Umfang für beide Seiten erfolgt. Im Wahlkampf mit Ständen, Personal, Plakaten oder Flyern verfügt die Stadt in einem sehr knappen Zeitrahmen ohnehin über größere Ressourcen als die Bürgerinitiative pro Landwirtschaft, welche eines der größten Bauprojekte Deutschlands ablehnt.

Auch in Kirchzarten wurden die Planungen der Gemeinde stets als alternativlos hingestellt. Im Artikel äußert sich Jens Rüber vom US-Medizintechnik-Konzern Stryker sehr ehrlich, wenn er sagt "es braucht hier auch eine gute Wirtschaft. Aber wenn wir dafür Leute nach Freiburg locken, muss man denen was bieten". Aber bitte nur, "wenn beim Bau die Standards mehr als eingehalten werden".

Es wird also ein Stadtteil gebaut, welcher nicht die Bedürfnisse der wohnungssuchenden Freiburger Normal- oder Geringverdiener durch mietpreisgebundene Sozialwohnungen bedienen wird, sondern Neubürger mit gut dotierten, neuen Jobs. Auch die Sparkasse ist kein Wohlfahrtsverband, sondern ein profitorientierter Investor, welcher am Bau von Sozialwohnungen zu wenig verdient. So schaukeln sich der Flächenverbrauch durch Gewerbe und nachfolgende investive Wohnbebauung seit Jahren stetig gegenseitig hoch. Was die Umweltstandards betrifft, so können diese in einem Überschwemmungsgebiet mit einer drei Meter hohen Aufschüttung und einem monströsen Rückhaltebecken im Bohrertal (der Zusammenhang wurde früher nicht so verschleiert wie jetzt) auch nicht als vorbildlich gelten.

In Zeiten des Klimawandels ist ein solches Projekt auf der grünen Wiese, genauso wie das Abholzen des Hambacher Forstes, aus meiner Sicht einfach nicht mehr tragbar. Am Ende des Artikels werden die Dietenbach-Gegner wenigstens auch noch ein wenig mit ihrem kleinen Stand erwähnt. Warum werden nicht einmal deren Alternativen etwas ausführlicher in der Zeitung dargestellt? Ich kann vielen in Freiburg Lebenden nur raten, sich vor der Wahl ein eigenes Bild darüber zu verschaffen, ob es hier wirklich um unser aller Gemeinwohl geht und nicht alles zu glauben, was als alternativlos hingestellt wird. Hier in Kirchzarten, wo der Bürgerentscheid gewonnen wurde, fand sich übrigens eine gute Alternative.

Simone Rudloff, Kirchzarten