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25. Februar 2009
Leserbriefe
Kooperationsklasse
"Selbstverständliches
Menschenrecht"
Zum Bericht "Wo Hasen und Igel zusammen lernen" über die Kooperation von Tulla-Grundschule und Richard-Mittermaier-Förderschule (BZ vom 21. Februar).
Den Lehrern, die an diesem Kooperationsmodell arbeiten, aber auch der Badischen Zeitung, die diesem Thema Raum gibt, ist Dank zu sagen. Gemeinsam lernen, das ist ein selbstverständliches Menschenrecht, und dass es hier bei "Hasen" und "Igeln" stattfinden darf, ist beglückend.
Einen Wermutstropfen gibt es aber dennoch: Die Hasen und Igel gehen auf zwei getrennte Schulen. Sie gehören nicht zusammen in eine Klasse. Mit dieser Kooperation ist die UN-Konvention, die ein "inklusives" Lernen in einer Schule und einer gemeinsamen Klasse einfordert, noch längst nicht eingelöst. Man könnte sogar befürchten, dass mit dieser Kooperation die eigentliche Forderung nach Inklusion unterlaufen wird, wie aus manchen Verlautbarungen des Kultusministers herauszulesen ist. Dann wäre das an sich beglückende Gefühl schnell gewichen und man fühlte sich getäuscht.
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Denn wie anders ist es zu verstehen, dass in Emmendingen, wo in der "Integrativen Waldorfschule" Inklusion seit 13 Jahren praktiziert wird und die Anmeldungen die vorhandenen Plätze weit übersteigen, gerade diese ersten Klassen seit diesem Schuljahr nicht mehr erlaubt wurden? Und wieso muss sich diese Schule, das Recht, behinderte Kinder mit nichtbehinderten zu unterrichten, erst mit einer Klage vor dem Gericht – dessen Urteil noch aussteht – erkämpfen?
Wolfgang Dästner, Oberau
"Mit weitergehenden
Ansätzen aufgeräumt"
Wie erfreulich, dass Sie hin und wieder von integrativen Projekten Behinderter und Nichtbehinderter berichten. Als Nichtbetroffener kann man sich unter dieser kooperativen Begegnung etwas Gutes und pädagogisch Ausgewogenes vorstellen. Sicher haben die Eltern jedes Einzelnen der "Hasen"-Kinder einen langen, bestimmt steinigen Weg gehen müssen, bis es endlich soweit war, dass ihr Kind die gewünschte Kooperationsklasse besuchen "durfte". Vielleicht sind auch beide, Sonderschullehrerin und Grundschullehrerin, froh über dieses klar strukturierte und definierte Modell der Begegnung von Behinderten und Nichtbehinderten. Und wahrscheinlich sind die meisten der beteiligten Eltern, Kinder sowie Lehrerinnnen und Lehrer zufrieden mit dem Konzept.
Wer sich aber ein wenig auskennt im Bereich Inklusion und Integration in Baden-Württemberg, der weiß, dass das Kultusministerium in den letzten Monaten radikal mit weitergehenden Ansätzen integrativer Schulmodelle aufgeräumt hat. Übrig geblieben sind eben einzig die Formen der Kooperations- und Außenklassen, in denen sich Hasen neben Igeln tummeln, immer hübsch getrennt im eigenen Stall. Dies – und darin liegt der Skandal – obwohl im Dezember 2008 die UN-Konvention für Behinderte im Bundestag ratifiziert wurde.
Diese besagt in Bezug auf die Beschulung, beispielsweise in Artikel 24 2 b, dass, "Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben". Wer den Bericht "Wo Hasen und Igel zusammen lernen" vor diesem Hintergrund liest, merkt schnell, dass Kooperationsklassen noch weit entfernt sind von dem, was die Konvention verbindlich fordert und was im Übrigen seit Januar 2009 auch rechtlich einklagbar ist.
Ersetzt man die bestimmt nett formulierten Euphemismen "Hase" und "Igel" gegen Begriffe, die wirklich gemeint sind, nämlich "Behinderte" und "Nichtbehinderte" oder noch direkter durch "die Drinnen" und "die Draußen" bekommt die Philosophie der Kooperationsklasse gleich eine ganz andere Bedeutung. Ich jedenfalls stelle mir eine inklusive baden-württembergische Zukunft so vor, dass jede Klasse aus einem artenreichen Zoo besteht, genau so wie es sich die klugen Köpfe der UN-Generalversammlung ausgedacht haben. Ganz nebenbei würde ich es begrüßen, wenn sich die Badische Zeitung der UN-Konvention für die Rechte Behinderter einmal in einem ausführlichen Bericht widmen würde, alleine schon, damit sich alle (noch) Nichtbetroffenen an der Debatte um die neue Lage für die Rechte Behinderter beteiligen können. Eva Kottmeier, Vauban
Autor: bz
