Verkauf Maienstraße 2

"Treffen fanden nie in öffentlichen Räumen statt"

Marianne Kirchhofer, geb. von Dietze, Freiburg

Von Marianne Kirchhofer, geb. von Dietze & Freiburg

Mi, 11. Januar 2012

Leserbriefe Freiburg

Zu "Ein Hort des Widerstands", BZ vom 2. Januar:

Seit einiger Zeit wird der von der evangelischen Kirche geplante Verkauf des Anwesens Maienstraße 2 diskutiert. Ich habe mich als Tochter von Constantin von Dietze bisher bewusst aus dieser Diskussion herausgehalten, da ich der Ansicht bin, dass es allein Sache der evangelischen Kirche ist, ob sie den Verkauf zum Erhalt ihrer heutigen Arbeit verwirklichen muss. Ihr Artikel zwingt mich jetzt aber zu einer Stellungnahme:

Vom neu gründeten Verein, der den Verkauf verhindern möchte, wird als Grund angeführt, dass sich in den Gemeinderäumen die Mitglieder des "Freiburger Kreises" getroffen hätten. Leider ist dieser Sachverhalt nicht korrekt. Richtig ist, dass vor allem Adolf Lampe, Gerhard Ritter und mein Vater sehr aktive Mitglieder der Christusgemeinde waren. Die Treffen des Freiburger Kreises fanden aber bewusst niemals in öffentlichen Räumen, sondern immer in den Privatwohnungen der einzelnen Mitglieder statt, um den Anstrich privater Zusammenkünfte zu wahren.

Zu diesen Treffpunkten gehörte natürlich auch die Wohnung von Pfarrer Otto Hof, nicht jedoch die öffentlichen Gemeinderäume. Die wichtigste Sitzung, an der Otto Dibelius, Helmut Thielecke und Carl Goerdeler (Dietrich Bonhoeffer musste damals absagen) teilnahmen und die wegen der Geheimhaltung auch bei uns wohnten, fand jedoch in dem von uns damals bewohnten Haus Maria-Theresia-Straße 13 statt.

Ich wehre mich daher dagegen, dass das Argument gegen den Verkauf des ehemaligen Gemeindehauses, der uns alle, die wir dieses Haus von der hervorragenden Jugend- und Gemeindearbeit her in bester Erinnerung haben, sehr schmerzen würde, daran festgemacht wird, dass die Maienstraße 2 der Mittelpunkt der geheimen Treffen des Freiburger Kreises gewesen sei, was so nicht zutrifft.

An der Maria-Theresia-Straße 13 wurde eine Gedenktafel für meinen Vater angebracht – weder von der Universität noch von der Kirche noch von der Stadt, sondern von seinen Schülern, die damit der Verehrung für ihren Lehrer sichtbaren Ausdruck verleihen wollten.
Marianne Kirchhofer, geb. von Dietze, Freiburg