"Vernünftige Standards erarbeiten"

Dr. Dagmar Gaukel, Freiburg-Rieselfeld

Von Dr. Dagmar Gaukel & Freiburg-Rieselfeld

Mo, 26. September 2016

Leserbriefe Freiburg

Auch diese Zuschrift einer Leserin beschäftigt sich mit dem Gutachten, das die Quartiersarbeit bewertet.

Sollen die Indianer für die Fehler der Häuptlinge büßen? Quartiersarbeit ist Gemeinwesenarbeit und soll die Bewohner eines Stadtteiles darin unterstützen, möglichst eigenverantwortlich ihre Bedürfnisse im Wohn- und Lebensumfeld zu äußern und umzusetzen.

Dabei ist es unerlässlich für die Quartiersarbeiter, inhaltlich weitgehend unabhängig zu sein von Verwaltung und Administration – natürlich im Rahmen allgemeiner Vorgaben beziehungsweise Standards, da die Interessen und Bedürfnisse der Bewohner bisweilen auch von den Vorstellungen der Verwaltung abweichen können. Aus diesem Grund dürfen Quartiersarbeiter keine städtischen Bediensteten sein!

Die Stadtverwaltung hat es – laut Gutachten – über Jahre versäumt, eine Reihe von Stadtteilen ausreichend mit Quartiersarbeit auszustatten und Qualitätsstandards zu erstellen, und es ist gut und wünschenswert, dass hier nachgebessert wird.

Unverständlich und in höchstem Maße frustrierend ist jedoch, dass in einem Stadtteil wie Rieselfeld, wo mehr als 20 Jahre lang vorbildliche Gemeinwesenarbeit geleistet wurde und wird – und in deren Erfolg weit über die Stadtgrenzen Freiburgs hinweg sich die Stadt oft und gerne gesonnt hat –, jetzt nach dem Rasenmäherprinzip zusammengestutzt und zurechtgeschnitten werden soll, was voraussichtlich die gute Netzwerkarbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter und auch die Motivation vieler engagierter Ehrenamtlicher zumindest teilweise zunichtemachen dürfte.

Hier wird meines Erachtens das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Sinnvoll wäre es,

1. die Defizite in der Quartiersarbeit in allen Stadtteilen zu benennen und gegebenenfalls zusammen mit den Trägern zu diskutieren,

2. vernünftige Standards für die Quartiersarbeit mit Unterstützung durch die erfahrenen Fachkräfte zu erarbeiten, das heißt, auch von erfolgreichen Modellen, wie zum Beispiel Rieselfeld, zu lernen,

und 3. in angemessener Form und Zeit die notwendigen Veränderungen in allen Stadtteilen auf den Weg zu bringen, ohne Porzellan zu zerschlagen.

Dr. Dagmar Gaukel, Freiburg-Rieselfeld