Leserbriefe

Edmund Hensler, Friedenweiler

Von Edmund Hensler & Friedenweiler

Di, 10. April 2018

Friedenweiler

TANK- UND RASTANLAGE
Zweifel an der Wirtschaftlichkeit
Zum BZ-Artikel "Geng beklagt: Die ,Drauflegerei’ geht schon los" vom 4. April
Schon bei den allerersten Realisierungsschritten der Tank- und Rastanlage Rötenbach zeichnet sich ab, dass beim finanziellen Engagement der Gemeinde in diesem Objekt doch wohl erheblich größere Risiken enthalten sind, als man jahrelang im Vorfeld kommuniziert hat. Trotzdem glaubt Bürgermeister Matt seiner Beteuerung nach "noch" an eine "schwarze Null", die er in den nun anstehenden Verhandlungen mit dem Bund und der Investorin weiter absichern möchte. Er räumt zwar ein, dass die Sache inzwischen "hochkomplex" geworden sei, aber man "im Moment" noch nach wie vor "nix drauflegen müsse..."! Und die große Chance soll nun eine ausgewiesene Sonderfläche bringen, wo "etwas Großes" entstehen könne. Nun – was soll man von solchen Prognosen halten? Könnte ..., sollte ..., müsste … – das kann alles und nichts bedeuten. Und wenn’s dann eben später nicht so funktioniert, gibt es gewiss reichlich Erklärungen, wie nun beim ersten Schritt schon passiert. Dann ist es vielleicht eine plötzliche Konjunkturflaute, wenn es heute die (zu) gute Konjunktur war, die die Kosten hochgetrieben habe. Zumindest Bürgermeisterstellvertreter Armin Hasenfratz räumt ein, dass die ganze Sache "nie zu Ende gedacht" war, und er selbst auch nicht mehr an eine "schwarze Null" glauben mag. Respekt vor dieser wenn auch späten Einsicht! Und dafür hat man wunderschöne Waldflächen mit intakter Natur kahlgeschlagen, wird sich Armin Hasenfratz inzwischen ja wohl auch schon so manches Mal im Stillen gesagt haben.

Bleibt festzuhalten: Das Projekt Tank- und Rast war von Anfang an eher von gemeindepolitischen Interessen gesteuert. Konkrete finanzwirtschaftliche Planungsschritte mit verlässlichen Berechnungen und Prognosen gab es nicht im erforderlichen Umfang und Tiefgang. Also: zwar großes politisches Engagement, aber mangelnde Expertise in den Gremien beziehungsweise der Leitung. Wer ein solches Projekt gegen alle Widerstände vorantreibt und nur in wolkigen Umschreibungen "etwas Großes" darin erkennen kann, das im besten Falle mit einem Nullsummenspiel ausgeht, handelt schlicht inkompetent und verantwortungslos.

Meine Empfehlung: Schleunigst den Rückzug antreten und eine qualifizierte Exit-Strategie konzipieren. Sofort alle juristischen Schritte zur Vertragsauflösungen ausarbeiten. Reduzierung des Projektes auf den Bau der zugesagten Lastwagen-Parkplätze, wobei der Bund auch für die nötigen WC-Anlagen und deren Wartung zu sorgen haben sollte. Und nicht zu vergessen: die Parkplätze hermetisch eingrenzen und abriegeln, um wildes Parken im angrenzenden Territorium (bis hinunter zum Wäldele) von vorneherein zu unterbinden. Und vielleicht gibt es dann doch einen Teil des kahlgeschlagenen Waldes wieder für uns zurück.

Edmund Hensler, Friedenweiler