Leserbriefe

Professor Frank Leenen, Domkapellmeister a.D., Freiburg

Von Professor Frank Leenen, Domkapellmeister a.D. & Freiburg

Do, 29. März 2018

Leserbriefe Hochschwarzwald

SINFONISCHES ORCHESTER
Die Stadt muss nachdenken
zu: "Bittere Töne angeschlagen", BZ vom 27. März, Seite 17:
Der Artikel, in dem auch ich als Gastdirigent genannt werde, ist gut geschrieben, wenn man einmal davon absieht, dass das "Drumherum", Überschrift und Bildunterschrift offenbar ein sehr düsteres Bild wiederzugeben beabsichtigt. Clemens Staiger hat sehr realistisch beschrieben, wie es um das Orchester bestellt ist, und die Verfasserin tut gut daran, es nicht negativer wiederzugeben, als mancher es empfinden möchte. Auch der Tenor meines Beitrages zur Diskussion ist sachgerecht wiedergegeben worden: "Man sollte alles tun, um eine solche Einrichtung wie ein Sinfonieorchester zu erhalten". Jedoch ist ein mir wichtiges Anliegen nicht genannt, das ich via Leserbrief nachtragen möchte, neu formuliert.

Ehe das Klagelied "Wie drastisch sieht unsere Zukunft aus?" zum zermürbenden Selbstvorwurf gerät, hätte dieselbe Frage schon längst im Gemeinderat thematisiert werden müssen. Das "Sinfonische Orchester Hochschwarzwald" verstand sich immer als ein Orchester dieser Stadt, ein Stolz und Vorzeigeobjekt dieser Gemeinde. Die Glanzzeiten wurden, wie ich mir berichten ließ, nicht nur durch das Orchester selber, sondern maßgeblich auch durch Initiativen der Stadtverwaltung maßgeblich mitbestimmt.

Wenn es denn heute nicht mehr so glänzt, dann muss in meinen Augen als erstes die Stadt darüber nachdenken, ob sie dieses Orchester als das ihre sieht, und zwar nicht im Sinne der Vermarktung, sondern einem kulturellen Auftrag entsprechend, der nicht so publikumswirksam ist wie vieles andere, den sich der Wähler jedoch grundsätzlich wünscht. Und anschließend schaut, wo sie helfen kann, wohlgemerkt, die Stadt!

Ein Sinfonieorchester braucht auf jeden Fall eine ganz besondere Pflege. Und die ergibt sich nicht daraus, dass man Auswirkungen zu Ursachen macht: Überalterung, mangelnder Zulauf, schlechter Probenbesuch, oder welche Sündenböcke man noch finden möchte. Das Problem ist ein soziokulturelles und deshalb nicht unbedingt mit Geld zu lösen: Wie können wir unserer Bevölkerung nicht nur die niederschwellige Kultur nahebringen und sie uns als Markenzeichen für unsere Stadt erhalten?

Angezeigt wäre deshalb, dass der Gemeinderat auf das Orchester zugeht und mit den Verantwortlichen ein Gespräch über Perspektiven dieses Orchesters führt, unter einer Überschrift, die man täglich am Telefon hört: "Was können wir für Sie tun?"
Professor Frank Leenen, Domkapellmeister a.D., Freiburg