Leserbriefe

Professor Werner Roos, Titisee-Neustadt

Von Professor Werner Roos & Titisee-Neustadt

Mi, 28. März 2018

Leserbriefe Hochschwarzwald

PLANUNGSVERBAND
"Nachbarschaftsstreit ist keine Lösung"
zu den Berichten über die Diskussionen über Austritte von Kommunen aus dem Planungsverband Windenergie Hochschwarzwald:
Leider sind dabei nicht die Bürger der allein betroffenen Gemeinde Titisee-Neustadt zu Wort gekommen. Sie haben manchen Grund, den zitierten Äußerungen einiger Bürgermeister zu widersprechen.

Es ist sehr zu bezweifeln, dass sich "auch ohne den Planungsverband die einzigen Sonderflächen für Windkraftnutzung im Hochschwarzwald auf Neustädter Gemarkung ergeben" (BZ vom 24. März, Seite 28). Die Höhen des Hochschwarzwalds unterscheiden sich wenig bei Windhöffigkeit und anderen Kriterien wie Arten- und Landschaftsschutz. Dies rechtfertigt nicht die geplante Auswahl mit ihren drastischen Konsequenzen. Rein subjektive Urteile werden zum Zünglein an der Waage: Während Schluchsee und Umgebung als "Postkartenmotiv" verschont wurden, haben die Planer dem landschaftlich mindestens gleichwertigen Titisee und dessen Umgebung diesen Bonus verweigert (siehe Bericht zur ersten Offenlage). Wer will dieses Vorgehen den Neustädter Bürgern erklären?

Manche Gemeinden scheinen zu vergessen, dass sie mit dem Eintritt in den Planungsverband die gemeinsame Verantwortung für dessen Ergebnis übernommen haben. Konkret: Die Bürgervertreter aus Löffingen, Schluchsee, Hinterzarten und so fort sind für die Konzentrationszonen in Neustadt mitverantwortlich. Wollen sie tatsächlich, dass auf diese Weise die maximal mögliche Zahl von Anwohnern dem erheblichen Gesundheitsrisiko durch Infraschall ausgesetzt wird ? Kann man es Neustädter Stadträten verdenken, wenn sie diesen Planungsverband verlassen wollen?

Manche Verantwortliche im Neustädter Rathaus mögen die Brisanz des Planvorschlags zu spät erkannt haben. Man muss ihnen zugute halten, dass seit der Gründung des Planungsverbands die Größe der Anlagen und deren Gesundheitsrisiko stetig gestiegen sind.

Es gibt nur eine "Lösung, mit der Neustadt leben kann " (BZ vom 9. März, Seite 21) und zwar ebenso wie seine Nachbarn: einen Hochschwarzwald ohne Wind-Monster. Er ist durch die Anwendung des ärztlich geforderten Mindestabstands der zehnfachen Anlagenhöhe ohne "Planungstricks" erreichbar. Der Schutz der menschlichen Gesundheit ist nicht ein Abwägungsspielraum von Bürgermeistern, sondern ein Gebot unserer Verfassung. Und: Nachbarschaftsstreit ist keine Lösung.
Professor Werner Roos, Titisee-Neustadt