Leserbriefe

Karl Bindschädel (Lörrach)

Von Karl Bindschädel (Lörrach)

Sa, 25. August 2018

Lörrach

RABBINER MAX SELINGER
Mit Interesse und Mitgefühl
Zum BZ-Artikel "Der Heimat bis zum Tod verbunden" vom 22. August

Vor gut 33 Jahren, im Mai 1985, durfte ich zusammen mit Lehrerkollegen und Schülern am Schulzentrum Steinen eine Fotoausstellung zum Thema "Kriegsende 1945" ausrichten. In diesen Tagen erhielt ich einen Telefonanruf von einem Herrn, der sich mit dem Namen Max Selinger vorstellte. Er bat mich, mit ihm diese Fotoausstellung über Deutschland im Jahre 1945 zu besuchen. Ich holte ihn an einem Hotel in Lörrach ab, wo ihn die Stadt Lörrach bei seinem ersten Deutschlandbesuch 47 Jahre nach seiner Flucht untergebracht hatte. Während der gemeinsamen Fahrt nach Steinen erfuhr ich einiges über seine Lebensgeschichte und sein Leben als jüdischer Junge in Lörrach in den Dreißigerjahren, von seiner Flucht via England in die USA und über seine Tätigkeit als Rabbiner in Florida. Auf dem Weg nach Steinen stellte ich damals fest, dass er Ortsnamen wie Stetten, Hauingen und Hägelberg noch immer im Kopf hatte. Er berichtete mir, zum Teil in alemannischem Dialekt, von seinen vielen Streifzügen als Junge durch die nähere Umgebung Lörrachs. Die Fotoausstellung nahm er mit Interesse und Mitgefühl auf. Danach überreichte er mir zum Abschied in einem Café sein Visitenkärtchen. Ich habe ihn leider nach dieser kurzen Begegnung nie wieder gesehen. Vergessen habe ich ihn, sein bewegendes Schicksal und das seiner Familie aber bis heute nicht.

Karl Bindschädel, Lörrach