Leserbriefe

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

Von Prof. Manfred Mutter & Grenzach-Wyhlen

Mi, 14. Mai 2014

Leserbriefe Lörrach

KESSLERGRUBE
"Jetzt ist die Politik gefordert"
Mehrere Leserbriefe erreichten die Redaktion zur laufenden Berichterstattung betreffs der Kesslergrube und des Nachhaltigkeitsgutachtens:
Das vergleichende Nachhaltigkeitsgutachten zur Sanierung der Kesslergrube wirft die Frage auf, ob eine Sicherungsmaßnahme durch die gesetzliche Formulierung "Bei Belastungen durch Schadstoffe kommen neben Dekontaminations- auch Sicherungsmaßnahmen in Betracht" (BBodSchG § 4/3) im vorliegenden Fall anwendbar ist.

Durch die spezifische Lage der Kesslergrube hat diese Frage zu einer kontroversen Diskussion zwischen BASF und der Gemeinde geführt, wobei die beiden Sanierungsvarianten auf gleichem Areal verschiedene Ziele verfolgen: Bei der Sicherung durch Einkapselung (von BASF bevorzugt) haben der zeitliche und finanzielle Aufwand, beim Totalaushub dagegen die endgültige Problemlösung durch Entfernung der Giftstoffe (Variante Roche) oberste Priorität. Bei der Einkapselung profitieren kurzfristig der Sanierungspflichtige und die Anwohner an der Baustelle, beim Totalaushub dagegen die kommenden Generationen durch die Aufwertung eines Areals mit großem Entwicklungspotenzial.

Die Vorteile eines Totalaushubs gegenüber einer Einkapselung zeigen sich besonders deutlich beim Langzeit-Szenario des Nachhaltigkeitsgutachtens, wobei der Punktevorsprung proportional zur Zeitachse zunimmt – mit einem Grenzwert von 17:0 gemessen an der Langlebigkeit der Giftstoffe und der Lebensdauer einer Einkapselung.

Da dieser Interessenkonflikt eine von Fall zu Fall neu zu bewertende Situation wie örtliche Gegebenheiten und Flächenfolgenutzung betrifft, ist jetzt die Politik gefordert.

Ein Totalaushub – nach allen Szenarien des Gutachtens die nachhaltigere Variante – stellt angesichts der Flächengröße und dem hohen Grad der Bodenvergiftung ohne Zweifel eine enorme Herausforderung dar. Sie ist gleichzeitig aber eine einmalige Chance für die Politik – und nicht zuletzt auch für den Weltkonzern BASF – einen Beweis zu liefern für nachhaltiges, verantwortliches Handeln im Interesse zukünftiger Generationen – mit Signalwirkung weit über die Landesgrenzen hinaus.

Prof. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen
"Machet au ihr Dampf underem Hindere"
"Sälle dört" (Musiktheaterabend über den Mundartdichter Manfred Marquardt) hett mer bewusst gmacht, dass es au bi uns mehr als brodlet – bsunders, wenn i an d’Kesslergruebe un d’Sanierig durch die Pfälzer denk. Wie sait de Volkmar Staub im Sinn vom Manfred: "Mer cha halt nit nur im Stille sitze un nit s’Mul ufrisse".

Ihr Grenzach-Wyhlemer, ihr Politiker – de Stickelberger un de Frey hänn scho de Afang gmacht – un ihr vom Landratsamt: Machet au ihr Dampf underem Hindere. Scharret mit de Huef, hauet uff de Disch: Es gitt kei andere Lösig als die Totalsanierig! De Alemann sait nit gli öbbis, aber wenn de Dampf im Chessel druggt (oder de Schissdreck in de Gruebe), no würt de frömmschti Ma un die frömmschti Frau verruckt.

Also ihr BASFler: Lönt is nit do druff sitze, dänn b’halte mir euch z’letscht no in gueter Erinnerig.
Elisabeth Müller, Grenzach

"Totalaushub aus Verantwortung"
Mit dem vorliegenden Ergebnis des Nachhaltigkeitsgutachtens ist klar, dass nur ein Totalaushub dem Wirtschaftsstandort Grenzach-Wyhlen die Chance auf neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze bietet. Nur so können die mehr als tausend Arbeitsplätze ersetzt werden, die in der Chemischen Industrie in Grenzach-Wyhlen seit Mitte der 90er Jahre durch Strukturwandel und Produktionsverlagerungen nach Asien abgebaut wurden.

Es liegt nun an der BASF, das Ergebnis zu akzeptieren und sich der gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen, uns in Grenzach-Wyhlen eine hochwertige Fläche bereitzustellen, auf der wertschöpfungsstarke Arbeitsplätze entstehen können. Mit der von der BASF vorgesehenen Einkapselung ist lediglich eine minderwertige Folgenutzung möglich. Die Kosten für eine allfällige Sanierung müssten von unseren Kindeskindern aufgebracht werden und werden damit auf die Allgemeinheit verlagert.

Verantwortungsvolle Unternehmensführung heißt für mich, nicht nur von Nachhaltigkeit zu reden, sondern auch nachhaltig zu handeln. Deshalb: Totalaushub der Kesslergrube auf beiden Perimetern!Michael Bertram, Grenzach-Wyhlen

SANIERUNG RÜHRBERGSTRECKE
Wohl nicht die letzte Aktion auf dem Rührberg
Zu den Berichten "Auf dem Rührberg kocht der Volkszorn" aus der BZ-Ausgabe vom 12. Mai und "Das THW soll um Hilfe gefragt werden" vom 8. Mai erreichte und dieser Leserbrief:
Der Gemeinderat von Grenzach-Wyhlen scheint nicht offiziell vom Landkreis über die Vollsperrung der Rührbergstrecke informiert worden zu sein. Einige Gemeinderatsmitglieder sind ebenfalls Mitglieder des Kreistages und wurden als solche sehr wohl informiert. Nun fragt man sich als Bürger, ob diese Volksvertreter die richtigen sind, denn die berechtigten Anliegen der Bürger des Ortsteils Rührberg werden wohl eher nicht oder nur unzulänglich vertreten.

In der Sitzung des Technischen Ausschusses der Gemeinde Grenzach-Wyhlen am 6. Mai wurde von einer Vertreterin des Landratsamtes noch eine Prüfung der direkten Umfahrung der Baustelle mit Hilfe des THW zugesagt. Mit Brief vom 7. Mai wurde diese Alternative durch die Landrätin, Frau Marion Dammann, bereits verworfen.

Ob die Prüfung mit der gebotenen Sorgfalt geschehen ist, mag sich jeder selbst denken. Vom Slogan "Gemeinsam Zukunft gestalten", wie er auf dem Briefkopf des Landratsamtes zu finden ist, kann hier auf keinen Fall die Rede sein. Auch können die Kosten der direkten Umfahrung kein Argument sein, denn nur für die Umleitung des Busses auf den Rührberg ist der Landkreis gewillt, eine Summe von 53000 Euro für die dreimonatige Baustelle auszugeben (das heißt rund 900 Euro Mehrkosten pro Tag, der Bus fährt Montag bis Freitag tagsüber und in den Schulferien nur eingeschränkt).

Daher wird die Demonstration der Bürger vom Samstag auf dem Dorfplatz des Ortsteils Rührberg wohl nicht die letzte Aktion gewesen sein. Am 25. Mai dieses Jahres ist Gemeinde- und Kreistagswahl. Wir werden unsere Stimmen auf jeden Fall den Volksvertreten geben, die sich für die Menschen einsetzen und nicht durch eine "Basta-Politik" auffallen.
Udo und Sigrid Hoendges, Grenzach-Wyhlen